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„Ich wusste, ich kann Hansdotter schlagen“

In Göfis herrschteVolksfeststimmung.GEPA/Lerch (2)

In Göfis herrschte

Volksfeststimmung.

GEPA/Lerch (2)

Interview. Katharina Liensberger wurde gestern in ihrer Heimatgemeinde Göfis ein euphorischer Empfang bereitet. Im Sport-Talk spricht die 20-Jährige über ihre Silbermedaille und wie sie in Pyeongchang an ihrer Aufgabe gewachsen ist.

Wie geht’s Ihnen nach den so ereignisreichen vergangenen Wochen?

Katharina Liensberger: Mir geht’s sehr gut. (lacht) Ich bin mit so vielen positiven Eindrücken und Erlebnissen aus Südkorea zurückgekehrt. Es fühlt sich grad sehr, sehr gut an.

Wie war es, die Heimreise mit einer Medaille antreten zu können?

Liensberger: Wenn mir das wer vor den Spielen gesagt hätte, ich hätte es nicht geglaubt. Niemals! Ich habe mich ja auf den letzten Drücker qualifiziert und bin ohne jede Ergebniserwartung nach Südkorea geflogen. Ich wollte einfach nur gut Ski fahren und meine Leistung abrufen. Der achte Platz im Slalom war eine grundsolide Leistung, auch wenn es vielleicht nicht das allerallerbeste Resultat war. Aber es war der dritte achte Platz, seit ich mich mit der Welt­spitze messen darf, und damit mein zweitbestes Resultat auf diesem Niveau. Ich hätte mich vor der Saison niemals getraut, solche Ziele auszusprechen. Weil das alles so weit weg war, da ist ein Traum für mich wahr geworden. Mit der Nominierung für den Teambewerb konnte ich sowieso überhaupt nicht rechnen.

Ihren Team-Startplatz haben Sie sich in einer Ausscheidung gesichert?

Liensberger: Ganz genau. Wir sind die am Tag nach dem Slalom gefahren, und ich wusste: Wenn ich mich durchsetze, darf ich bleiben, sonst ist Olympia für mich beendet, und ich werde heimfliegen. Ich schaffte es. Danach habe ich mich eine Woche lang bestmöglich auf den Teambewerb vorbereitet. Wobei ich bis eine halbe Stunde vor dem Rennen nicht wusste, ob ich zum Einsatz komme oder die Ersatzläuferin bin.

War das mental keine schwierige Situation für Sie?

Liensberger: Ich konnte damit umgehen. Weil ja eigentlich schon einiges nicht für mich gesprochen hat. Ich bin in dieser Saison aus dem Europacup gekommen, war nicht im Weltcupteam, war zum ersten Mal für den Teambewerb nominiert. Am Abend vor dem Rennen sagten die Trainer, dass sie die Entscheidung offen lassen, ob Stephanie Brunner oder ich fahre, sie müssten sich das noch überlegen. Wir sind dann am Renntag vor dem Bewerb noch einen Probelauf gefahren. Anschließend hieß es dann, dass Katharina Gallhuber und ich fahren und dass sie mich als Startläuferin nominieren. Für mich war das eine Ehre und ein Ansporn zugleich.

Von Österreich wird im Teambewerb eine Medaille erwartet. Wie sind Sie mit dieser Erwartungshaltung umgegangen?

Liensberger: Wenn ich am Start stehe, habe ich für mich immer ein Ziel und will das Ziel natürlich auch erreichen. Und ich glaube auch daran, dass es möglich ist. Dass Österreich eine gute Mannschaft hat, war von vornherein klar. Was aber überhaupt nicht für eine Medaille gesprochen hat, schon am Vortag, war, dass auch andere Nationen starke Teams meldeten. Wir wussten, dass wir im Viertelfinale auf Schweden treffen. Gegen die haben wir noch nie im Teambewerb gewonnen.

Das heißt, der Druck war im Vorfeld gar nicht so groß?

Liensberger: Wir haben in der Teamsitzung darüber gesprochen, dass wir eine gute Leistung abrufen wollen und dass wir dann natürlich eine Medaillenchance haben. Unser Fokus lag auf dem Viertelfinale gegen die Schweden. Es war klar, um eine Medaille gewinnen zu können, müssen wir an denen vorbei. Es war aber auch klar, dass alles möglich ist, wenn wir diese Runde überstehen. Ich für mich hatte die Einstellung, dass die Schweden zwar stark sind – aber nicht unschlagbar. Sie trainierten wie einige andere Nationen vor dem Teambewerb mehrere Tage mit uns. Wir hatten keine Zeiten von den Schweden, doch mein Gefühl sagte mir, dass sie in Reichweite waren.

Wie sind Sie den Teambewerb angegangen?

Liensberger: Ich bin bei mir geblieben. Es ist ja so, wir sind vier Läufer beim Teambewerb, und die Leistung der anderen kann ich nicht beeinflussen. Mein Ziel war, meine beste Leistung abzurufen.

Österreich gewann gegen Schweden 4:0. Sie besiegten dabei die Slalomolympiasiegerin Frida Hansdotter. Wie sind Sie in das Duell mit Handsdotter?

Liensberger: Mit der Einstellung: Warum sollte es nicht möglich sein, den Lauf zu gewinnen? Ich fühlte mich gut und hatte beim Training die Tage davor den Eindruck, dass ich sie schlagen kann. Außerdem habe ich ein bisschen damit gerechnet, dass ich gegen Hansdotter fahren werde. Ich war also vorbereitet und habe mir vor dem Lauf gesagt, dass ich mich nicht davon beeinflussen lassen darf, wie sie neben mir fährt. Ich war zunächst etwas in Rückstand, konnte aber aufholen. Im Ziel war ich drei Hundertstel vor Frida. Ich hatte also auch das Glück auf meiner Seite. Aber das brauchst du auch, um die Slalomolympiasiegerin zu schlagen.

War dieser Lauf der Schlüsselmoment für Sie?

Liensberger: Das würde ich so nicht sagen. Ich mag Teamevents, ich habe ja bei den EYOF 2015 mit Österreich Gold geholt und habe schon damals den Zusammenhalt in der Mannschaft genossen. Plötzlich bist du kein Einzelkämpfer mehr. Sondern fährst auch für drei andere Läufer, für ein Team, den ÖSV, die Skination Österreich. Das verändert vieles. Manuel Feller hat uns unterstützt, obwohl er nur ein Mal an den Start ist. Auch Stephanie Brunner ist uns zur Seite gestanden, obwohl sie sicher enttäuscht war, nicht fahren zu dürfen. Aber beim Teambewerb zählt nur noch die Mannschaft, die Einheit, das war für mich persönlich die Schlüsselerfahrung bei dem Bewerb. Ich wusste gar nicht, wie viele Läufe wir überhaupt fahren müssen. So sehr im Tunnel war ich. Ich habe mich immer nur auf den nächsten Lauf konzentriert. Für uns als Team war der Sieg gegen Schweden aber schon der Schlüsselmoment, gerade auch, dass wir 4:0 gewonnen haben, wo wir uns eigentlich fast schon etwas gefürchtet haben vor ihnen.

Täuscht der Eindruck oder waren Sie vor Ihren Teamläufen am Start noch entschlossener als sonst?

Liensberger: Doch, das war so. Ich wollte unbedingt meine Leistung bringen und damit meine Nominierung rechtfertigen. Ich freue mich, dass mir das mit meinen vier Siegen gelungen ist und ich als Startläuferin jeweils mit dem ersten Punkt einen Grundstein legen konnte. Meine besten Läufe waren die gegen Hansdotter und im Finale gegen Denise Feierabend.

Wie haben Sie die Siegerehrung erlebt?

Liensberger: Wissen Sie, alles war so riesig bei Olympia. Vom olympischen Dorf, über die Wettkampfstätten, das Medieninteresse. Am Anfang haben mich diese Dimensionen fast überfordert. Ich musste erst lernen, mich zurechtzufinden. Du brauchtest überall deine Akkreditierung, es gab so viele neue Eindrücke, die ich verarbeiten musste. Ich konnte mich ja nicht vorbereiten auf die Spiele, weil ich praktisch direkt nach meiner Olympia-Qualifikation in Lenzerheide nach Pyeongchang geflogen bin. Dass ich dann am Ende dieser Entwicklung oben auf dem Podium stehen und ins Publikum runterschauen durfte, das war der Wahnsinn. Und als ich dann die Medaille umgehängt bekommen habe – das ist ein Moment, den du gerne mitnimmst. (lacht)

Welche Gedanken hatten Sie auf dem Podest?

Liensberger: In mir sind die vielen Erlebnisse und Momente aus den vergangenen Jahren aufgestiegen, die dazu beigetragen haben, dass ich nun hier oben stand. Ich dachte an die vielen Menschen, die mich in dieser Zeit unterstützten und wie dankbar ich ihnen dafür bin.

Und nach der Siegerehrung haben Sie gefeiert?

Liensberger: Oh ja, im Österreich­haus ist es danach am Abend rund gegangen. Es war so schön, die Medaille mit den Teamkollegen zu feiern, wieder diesen Zusammenhalt zu spüren.

Ist Ihnen bewusst, dass sehr viele Menschen stolz auf Sie sind?

Liensberger: Ich habe so viele Nachrichten bekommen und mich über jede extrem gefreut. Ich wusste, dass so viele Menschen in der Nacht aufstehen, um das Rennen anzusehen – zu einer Uhrzeit, zu der ich es persönlich eher nicht geschafft hätte. Obwohl ich so weit weg war, habe ich gespürt, wie viele Menschen hinter mir stehen. Ich kann gar nicht in Worte fassen, was mir das bedeutet.

Haben Sie Ihren Medaillengewinn schon realisiert?

Liensberger: Noch nicht ganz. Ich sehe mir die Medaille immer wieder an und denke mir: Wie weit weg diese Medaille doch vor Kurzem noch weg war und wie schnell alles gegangen ist. Ich brauche noch etwas Zeit, um zu begreifen, was mir da gelungen ist.

Bleibt die Frage: Sind Sie schon wieder im Alltag angekommen?

Liensberger: Die Erlebnisse von Olympia sind noch ganz frisch bei mir, und ich hoffe, das bleibt noch lange so. Trotzdem schaue ich nach vorne. Es gibt noch ganz viel, das ich erreichen will.  

 Interview: Hannes Mayer

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