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Die Idee der Inklusion geht um die Welt

Heinrich Olsen engagiert wie eh und je im Gespräch – in dem er wie so oft das Herz auf der Zunge trug.

Heinrich Olsen engagiert wie eh und je im Gespräch – in dem er wie so oft das Herz auf der Zunge trug.

In Abu Dhabi finden aktuell die Pre-Games für die Special Olympics Weltsommerspiele 2019 in den Emiraten statt. Vor Ort ist Heinrich Olsen, Sportdirektor der Special Olympics Österreich und Macher beim Vorarlberger Subverband.

Von Hannes Mayer

Knapp ein Jahr ist es her, dass in Schladming die Weltwinterspiele für Menschen mit mentalem Handicap und Mehrfachbehinderung stattfanden. Die Spiele standen unter dem Motto „Herzschlag für die Welt“, und fürwahr, die Athleten eroberten die Herzen der vielen Zuschauer in der Dachsteinregion mit ihrem Einsatz, ihrer Freude und zuallererst ihrem Können. 23 Medaillen eroberten damals Vorarlbergs Athleten bei den Spielen in der Steiermark, von denen der Vorsitzende der Special Olympics International Timothy Shriver sagte: „Die Spiele waren fantastisch. Alles war auf dem allerhöchsten Niveau: die Volunteers, die Organisation, das Transportwesen, die Unterbringung, die Verpflegung. So gesehen müssten wir alle Weltspiele, zumindest aber alle Weltwinterspiele in Schladming ausrichten. Aber es gibt auch noch andere wichtige Aspekte für unsere Bewegung – nämlich den Spirit der Special Olympics um die Welt zu tragen.“

Darum ist für die Bewegung, die Menschen mit Handicap in die Mitte der Gesellschaft holt, auch so wichtig und ein so großes Zeichen, dass die nächsten Weltsommerspiele in Arabien stattfinden. Denn es sind die ersten Special Olympics Weltspiele, die im Mittleren Osten stattfinden. Es ist ein Zeichen, dass die Idee der Inklusion um die Welt geht, dass bei allen Unterschieden Toleranz keine Grenzen, keine Stereotypen kennt. Die Spiele beginnen fast auf den Tag genau in einem Jahr am 14. März mit der Eröffnungsfeier und werden eine Woche dauern.

In die Mitte holen. Aktuell finden in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, Regionalspiele für den Mittleren Osten sowie Nordafrika statt. Diese Regionalspiele sind zugleich ein Testlauf für die Weltsommerspiele von 2019. Darum ist auch Heinrich Olsen vor Ort – der Sportdirektor der Special Olympics Österreich und Macher beim Vorarlberger Subverband. „Ich schaue mir alle Sportstätten an, damit wir nächstes Jahr vorbereitet sind und wissen, was auf uns zukommt“, betont der Wahl-Schwarzenberger mit seinem dänisch gefärbten Vorarlberger Dialekt. „Es geht aber auch um einen beidseitigen kulturellen Austausch. Ich gebe den Veranstalter Informationen über die besonderen Bedürfnisse der Sportler und der besonderen Begebenheiten der einzelnen Sportarten.“

Kaum einer könnte das besser als Olsen, der sich seit 40 Jahren ehrenamtlich in den Dienst der Special Olympics stellt. Eines seiner aktuellen Anliegen ist, den Tanzsport bei den Weltspielen zu integrieren. Im Augenblick ist das Tanzen ein Demonstrationsbewerb, was zur Freude von Olsen auch in Abu Dhabi 2019 so sein wird. Was aber auch ob der Lebensrealität in Arabien natürlich Herausforderungen mit sich bringt. Auch darum ist Olsen vor Ort in Abu Dhabi. In seiner Funktion als Mitglied des eurasischen Komitees C-TAC, das den Veranstalter bei der Durchführung der Wettbewerbe beratend zur Seite steht, hat er einiges abzuklären. „Ich möchte herausfinden, was die Organisatoren für den Demonstrationsbewerb anbieten können, anbieten dürfen.“

Ähliches gilt für den MATP-Bewerb, also jenes Aktivitätsprogramm, in dem Menschen mit erhöhtem Förderbedarf bei Geschicklichkeitsübungen zeigen können, was sie trotz ihres schweren oder mehrfachen Handicaps leisten können. Der MATP-Bewerb wird in Abu Dhabi 2019 ebenfalls als Showevent auf dem Programm stehen. Was Olsen ganz wichtig ist: „Mit diesem Bewerb holen wir die Menschen mit schwerem Handicap aus ihrer Isolation. Wo Inklusion drauf steht, müssen nämlich vor allem auch die Schwächsten dabei und damit auch MATP drin sein. Ich bin von Herzen froh, dass wir auch in Abu Dhabi diese schwer gehandicpaten Menschen in unsere Mitte holen.“

Brücken bauen. Die Special-Olympics-Bewegung baut Brücken. Und sie baut damit Vorurteile ab, vereint Menschen mit und ohne Handicap. „Die Special Olympics haben gesellschaftsverändernden Charakter. Bevor die Weltspiele 2007 in Shanghai ausgetragen wurden, haben in China nur wenige Menschen mit mentalem Handicap Sport betrieben. Mittlerweile sind es eine halbe Million. Eine ähnliche Entwicklung erhoffe ich mir für Arabien. In der Region sind die Special Olympics zwar nicht gänzlich unbekannt, aber eben noch längst nicht angekommen.“

So positiv Olsens Ausblick auf die anstehenden Weltsommerspiele ist, so ungern sieht er die weitere Forcierung der Unified-Bewerbe, bei denen Menschen mit und ohne Handicap Seite an Seite um Siege und Medaillen kämpfen. „Bei Weltspielen können 7500 Sportler teilnehmen. Wenn die Zahl der Unified-Partner, also der Sportler ohne Beeinträchtigung, von 750 auf 1500 gesteigert wird, gehen wichtige Quotenplätze für Menschen mit Handicap verloren.“ Die Zahl der Unified-Partner dürfe nicht immer wieder verdoppelt werden, sagt Olsen – und erklärt auch, warum: „Ich bin ein großer Anhänger der Unified-Bewerbe, weil sie gelebte Inklusion sind. Nur die Startplätze der Unified-Partner gehen auf Kosten der Bewerbe auf niedrigerem Level, und damit auf Kosten der Schwachen. Und das geht nicht, weil die Special Olympics für Sportbewerbe auf allen Leveln stehen.“

Abschied. Wer erlebt, mit welch entschlossener Herzlichkeit der Wahl-Schwarzenberger über die Special Olympics spricht, mag kaum glauben, dass Olsen Ende nächstes Jahres seinen Stuhl bei den Special Olympics räumt. Er geht in Pension. „Dann sollen Jüngere übernehmen und einen frischen Wind reinbringen. Ich werde loslassen und nicht als Besserwisser im Hintergrund alles Neue schlechtreden. Neue Besen kehren gut, sie werden manches anders machen, hoffentlich besser. Beim nationalen Verband ist meine Nachfolge bereits geklärt, in Vorarlberg gehe ich das Thema im Herbst an.“

Noch aber geht Olsen in seiner Mission für Menschen mit mentalem Handicap und Mehrfachbehinderung auf. Es ist eine uneigennützige Mission, die diese Welt besser macht. Und das ist in Zeiten wie diesen mit den Trumps dieser Welt leider all zu selten geworden.

<p class="caption">Ein Rückblick auf die Weltwinterspiele in Schladming 2017. Links JFK-Neffe Timothy Shriver bei der Abschlussfeier. Rechts die Vorarlberger Eisschnelläufer Laurin Lehnhofer und Fabian Huber.</p>

Ein Rückblick auf die Weltwinterspiele in Schladming 2017. Links JFK-Neffe Timothy Shriver bei der Abschlussfeier. Rechts die Vorarlberger Eisschnelläufer Laurin Lehnhofer und Fabian Huber.

<p class="caption">Der Oberländer und Tausendsassa Thomas Praxmarer holte in Schladming Gold und Bronze. GEPA (3), Hartinger (1)</p><p class="credit" />

Der Oberländer und Tausendsassa Thomas Praxmarer holte in Schladming Gold und Bronze. GEPA (3), Hartinger (1)

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