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Handball

„Wir werden keine Legionäre kaufen“

Dilys Daugirdas kam wie viele seiner Mannschaftskollegen aus Hard nach Hohenems. Stiplovsek

Dilys Daugirdas kam wie viele seiner Mannschaftskollegen aus Hard nach Hohenems.

 Stiplovsek

Interview. Der tectum HC Hohen­ems steht vor dem Meister­titel in der Landesliga Würt­temberg und dem Aufstieg in die Württembergliga. Im Gespräch vergleicht Vize-Obmann ­Clemens Märk das Niveau mit der heimischen Liga und erklärt, wie es bei den Emsern in Zukunft weitergehen soll.

Von Sebastian Rauch

Der tectum HC Hohenems führt sieben Spieltage vor dem Ende mit drei Punkten Vorsprung die Landesliga Würt­temberg als Tabellenführer an. Überrascht Sie die Performance bis hierhin?

Clemens Märk: Es ist das Ziel der Mannschaft Meister zu werden und in die Württembergliga aufzusteigen. Geplant haben wir es in dieser Saison aber eigentlich nicht. Wir wussten, dass wir mit dieser Truppe vorne mitspielen können. Aber dass wir so konstant seit Saisonbeginn da oben stehen, war in dieser Form nicht zu erwarten. Sollten wir nicht Meister, sondern ­Zweiter werden, hätten wir in der Relegation noch eine Chance.

Wie ist das Niveau in der Württembergliga, in welche Hohenems aufsteigen würde, im Vergleich zu Österreich zu beurteilen?

Märk: Es wäre in etwa auf dem Niveau der Bundesliga (Anm.: zweithöchste österreichische Spielklasse). Das ist natürlich nur eine Annahme, aber mit der aktuellen Mannschaft würden wir in der Bundesliga wohl im mittleren oder unteren Drittel mitspielen und nicht absteigen. Das haben auch die Cupspiele der letzten zwei Jahre gezeigt. Aber in Österreich zu spielen macht für uns keinen Sinn.

Aufgrund des finanziellen Aufwands und der Reisestrapazen?

Märk: Genau. Unser Kader besteht aus Amateuren. Wir können nicht jedes zweite Wochenende nach Graz oder Klosterneuburg fahren. Das macht keiner mit. Es gibt Überlegungen der Ligaverantwortlichen das Konzept zu überdenken und eine Teilung in Ost und West vorzunehmen. Dann kann so etwas in Zukunft denkbar sein. Aber nächste Saison ist das Ziel die Württembergliga.

Müsste die Mannschaft im Falle eines Aufstiegs personell verstärkt werden?

Märk: Es wurden noch keine Gespräche geführt, weil es derzeit noch keinen Sinn macht. Die Phase im Moment ist schwierig. Die Mannschaft soll sich jetzt auf die Meisterschaft konzentrieren. Unser Spielertrainer Gernot Watzl, der einen herausragenden Job macht, geht davon aus, dass auch im nächsten Jahr alle weitermachen. Bis auf Michael Jochum vielleicht, der überlegt seine Karriere zu beenden.

Er ist als ehemaliger Nationalspieler und Kapitän des Alpla HC Hard aber ein wichtiger Baustein ihres Erfolgs.

Märk: Stimmt. Wenn er mal ausfällt oder nicht mehr da ist, dann fehlt schon viel. Wir werden aber sicherlich nochmals das Gespräch mit ihm suchen. Er hört ja nicht auf, weil ihm das Ganze keinen Spaß mehr macht. Aber er möchte vielleicht nach fast 25 Jahren Handball an einem Wochenende auch mal Skifahren gehen und nicht immer in der Halle stehen. Das verstehe ich. Aber warten wir mal ab. Wenn er geht, brauchen wir Ersatz. Wie der aussehen wird, ist noch unklar.

Die Voraussetzungen für einen Aufstieg sind nicht schlecht, immerhin spielt ihre Mannschaft in den ausstehenden sechs Spielen nicht mehr gegen den direkten Verfolger TV Altenstadt.

Märk: Aber es steht noch ein Duell mit dem Drittplatzierten Reichenbach aus. Da haben wir zu Hause nur einen Punkt gemacht und uns schwergetan. Ich behaupte, wenn wir die nächs­ten drei Runden gewinnen, dann sieht es gut aus. Aber es kann alles passieren. Zuletzt haben wir beim Vorletzten TSV Bartenbach nur ein Unentschieden geholt.

Gibt es Überlegungen, den Verein bei einem Aufstieg sukzessive in einen Profibetrieb umzuwandeln?

Märk: Nein, definitiv nicht. Es ist unser Ziel mehr Hohenemser in die Kampfmannschaften der Herren und Damen zu integrieren. Wir haben zum Beispiel in der U-14, sowohl männlich als auch weiblich, sehr gute Jahrgänge. Da ist es denkbar, dass da Eigengewächse nachkommen. Unser Bestreben liegt darin, ein Verein für die Region zu sein und keine Legionäre zu kaufen. Es soll eine Plattform für Vorarl­berger Spieler sein, die auf ansprechendem Niveau Handball spielen wollen. Das gilt sowohl für die Herren als auch die Damen.

Die Kampfmannschaft der Herren besteht zum Teil aus ehemaligen Spielern des Alpla HC Hard oder Bregenz Handball. Sie profitiert also von der Nachwuchsarbeit der beiden Profivereine. Hat Hohenems auch ein Nachwuchskonzept?

Märk: Natürlich haben wir die Kooperation mit Hard, haben aber auch selbst enorme Schritte in der Entwicklung unseres Nachwuchses gemacht. Wir sind noch lange nicht da, wo Hard oder Bregenz im Nachwuchs angesiedelt ist, aber in gewissen Altersklassen können wir mithalten. Früher waren wir mit den Jugendmannschaften in niedrigeren Ligen angesiedelt, als das heute der Fall ist. Im Vergleich zu dem, was vor fünf Jahren war, waren das große Schritte. Aber nochmals, mit Bregenz oder Hard können wir uns nicht vergleichen.

Investieren Sie in ihre Nachwuchstrainer?

Märk: Ja, das tun wir. Früher hatten wir nur Freiwillige, jetzt suchen wir explizit nach Nachwuchstrainern mit Ausbildung. Und da sind wir auch bereit, diese Trainer finanziell zu entlohnen. Ein Beispiel ist Imre Bene, der aus Feldkirch zu uns gekommen ist. Er hat unsere U-14 übernommen und wir sehen die Fortschritte. Und dass das Geld gut investiert ist.

Seit Sie mit ihrem Team im März 2011 den Verein übernommen haben, geht es sichtlich bergauf. Spiegelt sich das auch in der Zahl der Nachwuchsspieler wider?

Märk: Damals hatten wir 85 Jugendliche im Verein, jetzt sind es 200. Und wir wachsen ständig. Das ist ein extrem schnelles Wachstum, was nicht immer leicht ist. Gerade wenn es um die Frage der Hallenkapazität geht. Das wird nicht besser, aber es gibt gute Aussichten mit der Tourismusschule und dass wir im Zuge dessen eine neue Halle bekommen. Die Landestourismusschule kommt an den selben Standort wie die Landwirtschaftsschule. Sprich der Standort Hohenems ist fixiert. Jetzt sind wir in Verhandlungen mit dem Land, dass eine neue Spielstätte für uns gebaut wird.

Der Verein würde komplett umziehen?

Märk: Die Herrenriedhalle werden wir dann mit Sicherheit auch noch für Trainings mitbenützen müssen. In der neuen Halle wäre aber eine ähnliche Spielfeldgröße wie in der Bregenzer Handball-Arena, sprich zwei vollwertige Trainingsfelder, angedacht.

Bis wann rechnen Sie mit einem Umzug?

Märk: Die Schule sollte in drei Jahren stehen, zumindest heißt es das vonseiten der Politik. Diese Zeit müssen wir überbrücken. Die Aussicht auf eine neue Heimstätte ist eine schöne Sache. Derzeit müssen wir uns nach den Begebenheiten richten, in der neuen Halle hätten wir dann mehr Möglichkeiten bei den Heimspielen.

Zurück zum Sportlichen. Was ist, wenn die Mannschaft den Aufstieg nicht schafft?

Märk: Für uns als Verein wäre das kein Untergang, aber natürlich wären wir enttäuscht. Allen voran die Mannschaft. Aber von unserer Seite, sprich vom Verein, kommt absolut keinen Druck. Ursprünglich haben wir uns den Aufstieg ja erst für das Jahr 2022 zum Ziel gesetzt.

Ist die Erwartungshaltung des Publikums gewachsen?

Märk: Ja, das merken wir natürlich auch. Nach sieben Runden, als wir die Liga dominiert haben und die Gegner mit einem zweitstelligen Vorsprung besiegt haben, gingen plötzlich die Zuschauerzahlen nach unten. Statt den anfänglich 400 waren nur noch 200 Menschen in der Halle. Wir haben uns gefreut, dass wir so dominant waren, aber den Zuschauern war das offensichtlich zu langweilig. Jetzt, wo es in Richtung Meis­terschaft geht, ist wieder vermehrtes Interesse da.

<p class="caption">Der ehemalige Harder Michael Jochum könnte seine Karriere nach dieser Saison beenden. Sams</p>

Der ehemalige Harder Michael Jochum könnte seine Karriere nach dieser Saison beenden. Sams

„Unser Verein soll eine Plattform für Vorarlberger Spieler sein, die auf ansprechendem Niveau Handball spielen wollen.“

Clemens Märk, Vize-Obmann Hohenems

„Unser Verein soll eine Plattform für Vorarlberger Spieler sein, die auf ansprechendem Niveau Handball spielen wollen.“

Clemens Märk, Vize-Obmann Hohenems

Meisterschaft

Tectum HC Hohenems

Nach 19 Spieltagen liegt Hohenems an der Spitze der Württemberg-Landesliga Staffel 3 und hat drei Punkte Vorsprung auf Altenstadt und sechs Zähler auf Reichenbach. Heute (18 Uhr) empfängt der Tabellenführer den TV Brenz, der in der 14 Mannschaften zählenden Liga auf Platz zwölf rangiert.

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