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Eisel denkt schon wieder an Roubaix

Das Gesicht mit zig Stichen genäht, das Handgelenk gebrochen – aber Bernd Eisel denkt schon wieder ans Comeback. Wenn der Kopf mitspielt.

Von Michael Schuen

Zwei Tage danach kann Bernhard Eisel schon wieder lachen. Das Gesicht ist zwar geschwollen und die frischen Nähte dick verklebt, aber endlich sind auch die letzten CTs gemacht, auch wenn die Entscheidung, ob das lädierte Handgelenk operiert werden soll, noch aussteht. Aber: Eisel ist noch am Leben – und angesichts der Umstände sogar relativ glimpflich davongekommen.

Was war passiert? Der 37-Jährige war am Samstag beim Etappenrennen Tirreno–Adriatico auf einer schnellen Bergabpassage mit einem Betreuer-Auto kollidiert. Oder besser ausgedrückt: „Es gab ein Missverständnis zwischen mir und dem Fahrer. Ich habe ihm gewunken, dass er überholen soll, als ich mit 70 km/h zurück ins Feld gefahren bin. Als er nicht gleich kam, habe ich beschlossen, doch noch die Straßenseite zu kreuzen. Und plötzlich war mein Vorderrad unter dem Auto.“ Zum Glück nur das Vorderrad und nicht der Wahl-Klagenfurter: „Instinktiv habe ich versucht, beim Sturz dem Auto auszuweichen, aber viel geht da nicht mehr, du kriegst nicht einmal die Hände vom Lenker.“ Eisel schlug ungebremst mit dem Gesicht auf der Straße auf, in weiterer Folge hatten auch Schulter, Schlüsselbein, Knie und Handgelenk unsanften Kontakt mit dem Asphalt. „Unser Teamarzt war völlig fertig, als er bei mir eintraf, mich gesehen hat und gemerkt hat, dass ich nach dem Sturz noch selbst auf die andere Straßenseite gegangen bin.“ Warum? „Weil ich nicht noch einmal überfahren werden wollte.“

Dann begann die schmerzliche Zeit der Diagnosen. „Nervös bin ich erst geworden, als man mein Handgelenk eine Dreiviertelstunde geröntgt hat und es ausgesehen hat wie im Schlachthof, weil mein Gesicht so stark geblutet hat.“ Glück im Unglück: Der plastische Chirurg des Krankenhauses in Ancona, in das er gebracht wurde, ist Radsport-Fan – und eilte auch am Samstag in die Arbeit, um zu helfen. „Die Nase ist gebrochen, die Oberlippe aufgerissen, der Mundwinkel auch, es werden wohl so 30 Nähte sein, die ich bekommen habe“, erzählt Eisel. Und wird doch nachdenklich: „Ich hatte beinahe genau denselben Unfall schon einmal, vor 19 Jahren. Und das ist vielleicht das Schlimmste, weil du weißt, was noch kommt.“

Was kommen wird? So das Handgelenk nicht operiert werden muss (Eisel: „Es ist nur ein kleiner Knochen gebrochen“), will Eisel so schnell wie möglich wieder aufs Rad, sogar ein Start bei Paris–Roubaix wäre dann am Plan. „Weil ich dann mit 16 Teilnahmen zu Rekordmann Servais Knaven aufschließen würde“, sagt Eisel. Wenn es der Kopf zulässt, denn: „So ein Sturz gibt dir viel Arbeit. Vor 19 Jahren habe ich meine Karriere ein paar Tage beendet, einige Rennen bin ich nicht vom letzten Platz weggekommen, weil ich mich so unsicher gefühlt habe. Und sofort nach dem Sturz hätte es mir auch gereicht. Aber im Moment habe ich kaum Schmerzen. Und bei Paris–Roubaix zum Rekordhalter zu werden, das hätte schon was.“

Zunächst geht es aber schon heute zurück in die Heimat, auf dem Luftweg mit Ex-Radkollege Stefan Rucker. Dann sieht er auch seine Familie das erste Mal nach dem Unfall – und vor allem die Kinder sind es auch, die zum Nachdenken anregen, ob es wirklich noch weitergeht als aktiver Profi-Radfahrer. Denn Eisel weiß auch: „Ich hatte Glück – ohne Helm hätte ich nicht überlebt.“

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