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„Bin nicht geboren fürs Mittelmaß“

Interview. VSV-Präsident Patrick Ortlieb blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Der 50-Jährige will sich damit allerdings nicht zufriedengeben und spricht darüber, was ihn schmerzt.

Von Johannes Emerich

Sie haben 2010 Ihr Amt als Präsident des Vorarlberger Skiverbandes mit der Ankündigung angetreten, dass es 2018 eine VSV-Olympiamedaille geben wird. Dieses Ziel hat Katharina Liens­berger mit ihrer Silbermedaille erreicht. Ist das für Sie auch eine persönliche Genugtuung?

Patrick Ortlieb: Überhaupt nicht. Ich mache meine Aufgabe aus Überzeugung und zu 100 Prozent ehrenamtlich, weil ich Ski-Fan bin. Es war für mich damals unverständlich, dass wir, bei unserem Umfeld in Vorarlberg, so einen Einbruch erlebt haben. Auch jetzt sind wir bei weitem noch nicht am Ziel. 2018 ist vielleicht ein oder zwei Jahre zu früh gekommen. Doch ich habe zu Beginn nicht gedacht, dass unsere Maßnahmen so lange brauchen, bis sie greifen. Erst jetzt verfügen wir über die nötige Breite, die uns unabhängiger von einzelnen Athleten macht.

Was waren rückblickend jene Maßnahmen, die ausschlaggebend für die positive Entwicklung des VSV waren?

Patrick Ortlieb: Es braucht natürlich das gewisse Glück und engagierte Ski-Klubs, die ich nur zum aktiven Arbeiten motivieren kann. Wenn die Vereine aktiv arbeiten, bringen sie mehr Kinder zum Skifahren, und je größer die Basis, desto höher ist die Chance auf spätere Spitzenathleten. Wir haben ganz bewusst auf die Breite gesetzt. Viele haben dabei mitgeholfen, die nötigen finanziellen Mittel aufzustellen, um gute und erfahrene Trainer einzustellen, die ihren Preis haben. Aber fürs Mittelmaß bin ich nicht geboren und werde ich auch nie sein. Wir werden sicher weiter aufrüsten.

Wie lautet die nächste große Zielsetzung? Weltcuprennsieg und Olympiamedaille können Sie bereits abhaken.

Patrick Ortlieb: Sicher haben wir das gehabt. Damit waren wir aber noch nicht hauptausschlaggebend für den Sieg im Nationencup (lacht). Die Athleten, die jetzt schon in der Weltspitze fahren, stehen aber nicht mehr in unserem direkten Einflussbereich. Wir unterstützen sie natürlich dort, wo es geht, und sie nehmen diese Unterstützung gerne an. Wir sind in Vorarlberg extrem flexibel und können auf die Unterstützung unserer Liftbetreiber zählen, auch wenn wir noch nicht über eine permanente Trainingsstrecke verfügen.

Sie haben angekündigt, dass Sie sich weitere Konditionstrainer wünschen.

Patrick Ortlieb: Athletik wird immer wichtiger. Marcel Hirscher hat uns vorgelebt, wie es geht. Unsere VSV-Sportler haben aber schon sehr viel aufgeholt. Ich bin davon überzeugt, dass eine Top-Fitness sehr vielen Verletzungen vorbeugen kann. Deshalb sollten wir genau analysieren, warum Verletzungen passieren. Ob die Athleten etwa zu ungeduldig nach oben drängen, oder ob sie bereit sind, sukzessive Schritt für Schritt zu gehen. Das benötigt viel Überzeugungsarbeit. Denn kaum sind die ersten Erfolge da, bieten sich verschiedenste Einflüsterer und Manager an. Davor muss man die Athleten schützen.

Sehen Sie das als Ihre Aufgabe?

Patrick Ortlieb: Eigentlich nicht. Aber wir haben so viel Zeit und Geld in die Athleten investiert, dann müssen wir darauf schauen, dass sie nicht von außen verhunzt werden.

Auffallend war, dass einige Sportlerinnen wie Ihre Tochter Nina nach langen Phasen voller Verletzungen in diesem Jahr voll durchstarten konnten.

Patrick Ortlieb: Nina, Ariane (Rädler; Anm.) oder Michelle (Niederwieser; Anm.), die bei den österreichischen Meisterschaften super gefahren ist. Wichtig ist, dass wir – also ich und meine sportlichen Verantwortlichen – im Laufe der Jahre ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Nur so glauben uns die Athleten, dass weniger oft mehr ist. Also sich in Ruhe auf die Rennen vorzubereiten und nicht jeden Bewerb abzuklappern in der Hoffnung darauf, dass irgendwo ein Topergebnis passiert.

Ein Ergebnis wie jenes bei der österreichischen Meisterschaft in der Abfahrt, als fünf Vorarlbergerinnen unter den Top Ten landeten, wäre in der Vergangenheit nicht vorstellbar gewesen. Macht Sie das als Präsident stolz?

Patrick Ortlieb: Es war ein wunderschönes Ergebnis. Von unseren fünf haben aber vier ihr volles Potenzial noch gar nicht ausgeschöpft. Es gibt somit noch Luft nach oben.

Mit Strolz und Ortlieb haben zwei bekannte Namen in der Gesamtwertung des Europacups triumphiert. Ordnen Sie dies als his­torischen Erfolg ein, oder dient es mehr der Vorbereitung auf den Weltcup?

Patrick Ortlieb: Es ist ein weiterer Schritt in Richtung Weltcup, und der Fixplatz macht es den Athleten etwas leichter, sich in Ruhe weiterzuentwickeln, ohne von jemandem abhängig zu sein. Ich bin glücklich mit allen Erfolgen, auch eine Stufe darunter im Schülerbereich. Wir müssen uns aber fragen, warum das fast alles Kinder sind, deren Eltern selbst erfolgreiche Skifahrer waren?

Hat sich die Situation für Nina aufgrund des Fixplatzes im Weltcup aus Ihrer Sicht entscheidend vereinfacht?

Patrick Ortlieb: Fixplatz hin oder her, diskutiert wird immer um den zehnten österreichischen Startplatz, und ihr Anspruch muss ein deutlich höherer sein. Dann spielt auch der Fixplatz keine Rolle mehr.

War der Weltcup-Abfahrtssieg von Christine Scheyer ein Befreiungsschlag für den Verband?

Patrick Ortlieb: Weniger für den Verband als vielmehr für die Sportler. Da sind viele aufgewacht, die sich mit der Christl seit Jahren im Training gematcht haben und wissen, dass sie ein ähnliches Niveau zeigen können.

Die größte Lücke gibt es derzeit im Männer-Speedbereich …

Patrick Ortlieb: … das schmerzt mich natürlich ganz besonders. Auch, weil ich es nicht verstehe. Fredis (Frederic Berthold; Anm.) Leistungen sind für mich unerklärlich, bei ihm fehlt völlig der Flow. Wir werden ihn aber weiter unterstützen.

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