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Ostern unddas runde Leder

Wenn heute Abend um 20:30 Uhr im letzten ­übrig gebliebenen europäischen Großherzogtum, genauer gesagt im über 8054 Plätze verfügenden Luxemburger Stade Josy Barthel, benannt nach dem gleichnamigen Olympia­sieger im 1500-Meter-Lauf von 1952, das freundschaftliche Ländermatch (immerhin das 451. seiner Art) zwischen dem Gastgeber und dem ÖFB-Team angepfiffen wird, steht eine geradezu sensationelle Serie auf dem Spiel. Weil im Duell zwischen einem Noch-Benjamin seiner Zunft namens Franco Foda und dessen Kollegen Luc Holtz, bei dem es sich schon eher um einen alten Hasen handelt (immerhin ist Holtz nach Beendigung seiner Tätigkeit beim legendären Team von Etzella Ettelbrück seit 2010 im Amt), hat das österreichische Nationalteam eine Serie von fünf gewonnenen Begegnungen mit einer Tordifferenz von 22:4 zu verteidigen. Bleibt also zu hoffen, dass Schiedsrichter Ville Nevalainen und seine Assistenten Mikko Alakare und Ville Koskiniemi ihre Sache ordentlich machen, auch wenn mit Alain Durieux der vierte Offizielle ein waschechter Luxemburger ist.

Apropos Hase: Fußball und Ostern beziehungsweise Fußball und Karwoche, das war schon immer so eine Sache: In welcher Region ist welcher Feiertag am wichtigsten, wann darf Fußball gespielt werden, wann sollte man besser nicht und so weiter. Bei unseren deutschen Nachbarn bringt diese offenbar heikle Thematik den angenehmen Nebeneffekt mit sich, dass der Einfachheit halber der kommende Bundesliga­spieltag (dieser Begriff ist eigentlich längst schon ein grandioser Anachronismus) tatsächlich an nur zwei Tagen erledigt wird und sich nicht, wie auch schon vorgekommen, wie ganz minderwertiger Kaugummi über vier Kalendertage zieht. Man hat nämlich einfach beschlossen, weder am Karfreitag noch am Ostermontag den Ball rollen zu lassen.

Wobei die schönste Geschichte zum Karfußball immer noch aus Mallorca kommt. Dort gibt es im kleinen Dorf Lloseta seit Urzeiten eine Kreuzwegprozession, die Procesión del Silencio, die seit Menschengedenken am Mittwoch der Karwoche stattfindet. Eigentlich. Denn im Jahr 2011 machten die organisierenden Bruderschaften die grässliche Entdeckung, dass just am selben Tag das Spiel aller Spiele angesetzt war, das Finale der Copa del Rey zwischen Real Madrid und dem FC ­Barcelona. Und so wurde, weil man die begründete Befürchtung hegte, das Interesse daran, den Gläubigen beim Schreiten zuzuschauen, könnte sich in Grenzen halten, die Prozession kurzerhand auf den Dienstag vorverlegt. Ich mag diesen mallorquinischen Pragmatismus.

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