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Geschüttelt und nichtgerührt

Reportage. Gefürchtet und gehasst. Die fünf Monumente des Radsports. Nach Mailand–San Remo folgen die Flandern-Rundfahrt & Paris–Roubaix. Von Gerhard Hofstädter

Das Frühjahr zieht in Europa ein. Und für den Radsport heißt das: steile Anstiege in den Ardennen. Und das berühmte Kopfsteinpflaster. Den Klassikern gilt derzeit die volle Aufmerksamkeit, bevor im Frühsommer mit dem Giro d’Italia die Zeit der großen Rundfahrten beginnt. Und drei Frühjahrsklassiker gehören zu den fünf Monumenten des Radsports.

1.Die „Classicissima“, wie das Rennen von Mailand nach San Remo (294 km) genannt wird, eröffnet jedes Jahr die Reihe der Frühjahrsklassiker. Heuer überrumpelte der Italiener Vincenzo Nibali das gesamte Feld mit einer Attacke am Poggio, dem letzten Anstieg rund sechs Kilometer vor dem Ziel.

2.Fast unmenschlich wird es an den beiden kommenden Wochenenden. Am Ostersonntag steht das zweite Monument auf dem Programm: die Flandern-Rundfahrt (267 km), genannt „die Schönste“. Der Ritt über die gefürchteten „hellingen“ (kurze, aber extrem steile Anstiege) begeistert die Radsportfans, vor allem die Belgier machen aus ihrem Rennen ein Volksfest. Es gibt zwar auch Kopfsteinpflaster-Abschnitte, aber nicht so brutale wie bei Paris–Roubaix. Dafür stehen die „Mauer von Geraardsbergen“, ein bis zu 20 Prozent steiler Anstieg auf den Pflastersteinen, der Paterberg und der Koppelberg im Programm.

3.Am 8. April geht es dann endgültig in die „Hölle des Nordens“, von Paris nach Roubaix, wobei schon lange nicht mehr in Paris, sondern in Compiegne gestartet wird. Über schmale Pfade rollt das Peloton durch den Norden Frankreichs. 257 Kilometer sind zu bewältigen, 50 davon auf den schlimmsten „paves“, den denkmalgeschützten Kopfsteinpflaster-Passagen, schön durchnummeriert von 1 bis 29. Wie dem „Wald von Arenberg“, eine 2400 Meter lange, schnurgerade Schneise, wo Selbstüberwindung ihren Höhepunkt erreicht. Der „Wald“ ist längst eine Kultstätte des Radsports.

Kilometer um Kilometer wird das Feld immer dünner, ehe der Sieger im altehrwürdigen Velodrom von Roubaix als Sieger der Königin der Klassiker einen Pflasterstein überreicht bekommt. Nach dieser Schinderei können die Fahrer manchmal tagelang nicht gehen wegen der Tortur, die eine Art Hassliebe auslöst. Die aber Teil der DNA von Paris–Roubaix ist. Es gehört zum Kern des Radsports, immer wieder die Grenzen des Leidens zu verschieben.

Der „Wald von Arenberg“ ist nur ein Abschnitt auf den „paves“. Ein anderer, ebenso gefürchteter ist „Carrefour de L’Arbre“. 14 mal 20 Zentimeter groß sind die Steinquader, dazwischen klaffen Löcher, Furchen, Spalten. Alles scheint gemacht für Peter Sagan, der sich schon in bester Klassiker-Form befindet. In San Remo hat er noch Vincenzo Nibali gewähren lassen, bei Gent–Wevelgem vor wenigen Tagen setzte sich der slowakische Weltmeister im Sprint souverän durch. Die schärfsten Rivalen im hohen Norden sind wohl Greg van Avermaet (BEL) oder Arnaud Demare (FRA).

Die Generalprobe für die nächsten Klassiker war „Quer durch Flandern“ (Sieger: Yves Lampaert; Marco Haller gab auf). Mit allen Ingredienzien der großen Flandern-Rundfahrt: Steigungen, Kopfsteinpflaster – und dazu Regen. So hat Sagan auf ein Antreten verzichtet, während Nibali den Kurs der Rad-WM in Tirol (22. bis 30. September) inspizierte. „Die schwerste WM, die ich gesehen habe“, sagt er.

Übrigens: Nummer vier der Monumente ist Lüttich–Bastogne, Nummer fünf im Herbst die Lombardei-Rundfahrt.

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