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Das Glück im Ländle gefunden

Patricia Bahledova erzählt gerne von ihren Erlebnissen. Klaus Hartinger (6)

Patricia Bahledova erzählt gerne von ihren Erlebnissen.

 Klaus Hartinger (6)

Patricia Bahledova ist zweifache WM-Medaillengewinnerin im Karate. Für die 18-Jährige ist der Sport mehr als nur eine Beschäftigung, sondern ein Lebensstil, der sie glücklich macht.

Von Johannes Emerich

Ihre positive Art ist ansteckend. Wenn Patricia Bahledova über Karate spricht, geschieht dies leidenschaftlich. Die 18-Jährige ist amtierende U18-Vizeweltmeisterin, doch ihr Weg verlief keineswegs linear. Geboren in der Slowakei, fand sich die Karateka als Teen­agerin auf der Tiroler Seite des Arl­bergs wieder. Der Sport brachte sie schließlich nach Vorarlberg. Weil ein kurzer Abstecher nach Nieder­österreich nicht das erhoffte Glück brachte, ist Bahledova zurück im Ländle. Und sehr froh darüber. Doch für die ehrgeizige Sportlerin gibt es einen weiteren Sehnsuchtsort: Paris.

Die Anfänge. Vor zehn Jahren begann die Karatekarriere von Bahledova. „Ich habe gerne Karatefilme angeschaut und wollte auch so kämpfen wie die Mädels im Film, die immer gegen die Burschen gewonnen haben“, sagt die 18-Jährige. Damals lebte sie noch in der Slowakei. Eines Tages hing ein Werbeplakat des lokalen Karatevereins in der Schule. Inspiriert von den toughen Mädchen aus den Filmen, bat die Schülerin ihren Opa, sie doch zum nächsten Training zu fahren. „Mich hat gleich das Karate-Fieber gepackt“, erinnert sich die amtierende U18-Vizeweltmeisterin.

Im Alter von zehn Jahren übersiedelte sie mit ihrer Mutter nach Österreich, in den kleinen Tiroler Ort Pettneu am Arlberg. Auch nach dem Umzug wollte die Teen­agerin ihre Karate-Leidenschaft ausüben, doch in der unmittelbaren Umgebung von Pettneu gab es keinen passenden Verein für die ambitionierte Sportlerin. In Innsbruck fand sie eine erste Anlaufstelle. Der Verein aus der Tiroler Landeshauptstadt bot allerdings nur traditionelles Karate an und nahm an keinen Wettkämpfen teil. „Ich wollte mich aber weiter mit anderen messen, denn das macht unglaublich viel Spaß“, erinnert sich Bahledova.

Bei den Austria Juniors Open in Salzburg lernte sie Walter Braitsch kennen. Braitsch ist Obmann des Shotokan-Karate-Clubs Höchst und Vorarlberger Landestrainer. Er animierte Bahledova zu einem Wechsel nach Vorarlberg. Die Sportlerin pendelte fortan von der Tiroler Seite des Arlbergs zum Training nach Höchst oder Dornbirn. Dabei konnte sie sich stets auf ihre Eltern verlassen, welche viel Zeit im Auto verbrachten. „Ohne diese Unterstützung wäre es nicht möglich gewesen“, ist Bahledova immer noch dankbar. Nach Abschluss der Mittelschule in St. Anton wechselte die Schülerin auf das Gymnasium nach Land­eck. Die Vereinbarkeit zwischen Schule und Sport wurde komplizierter, weil „im Gymnasium auf den Sport keine Rücksicht genommen wurde“. Da kam ein Angebot aus Niederösterreich gerade recht.

WM-Chance. In St. Pölten wurde eine talentierte Kata-Athletin gesucht, um für die Karate-WM in Linz ein vollwertiges Team stellen zu können. Bahledova war damals allerdings noch keine österreichische Staatsbürgerin. Die Bedingung für die Erlangung der Staatsbürgerschaft war, dass die Karateka nach St. Pölten zieht, um dort mit ihren Teamkolleginnen zu trainieren. Obwohl sich Bahledova in Vorarlberg sehr wohl gefühlt hatte, musste sie diese Chance nutzen, auch um an der Heim-WM teilzunehmen. Mit 15 Jahren zog sie ein zweites Mal um, verließ ihre Eltern und wohnte zunächst in Niederösterreich im Internat.

Bei der WM in Linz lief nicht alles nach Plan. Bereits in Runde eins verloren Bahledova und ihre Teamkolleginnen Kristin Wieninger und Joan Marie Stadler gegen Hongkong mit 1:4. Und nach zwei Jahren in St. Pölten hatte Bahledova genug. „Ich habe gespürt, dass es in Vorarlberg besser gepasst hatte, und die Distanz nach Hause war doch sehr groß“, erzählt die gebürtige Slowakin. Der Wechsel zurück ins Ländle war jedoch komplizierter als erhofft. Ein Einstieg in das Sportgymnasium in Dornbirn scheiterte zunächst daran, dass Bahledova in St. Pölten kein Latein gelernt hatte. Erst nach längeren Verhandlungen durfte Bahledova in Dornbirn in der siebten Klasse einsteigen, neben der Schule lernt sie nun fleißig Latein, um den Rückstand aufzuholen.

Inzwischen lebt die 18-Jährige in einer eigenen Wohnung in Dornbirn. „Es war schwierig, in Vorarlberg eine Wohnung zu finden. Doch dank der Hilfe von Verena Rangger ist es gelungen. Jetzt habe ich es nicht mehr weit zum Training im Olympiazentrum Vorarlberg“, erzählte die glückliche Teenagerin.

Die Disziplin. Karate kommt aus Japan und bedeutet übersetzt „leere Hand“. Im Wettkampf wird zwischen Kumite und Kata unterschieden. Während beim Kumite direkt gegen einen Gegner gekämpft wird, besteht Kata aus einer vorgegebenen Choreografie, die von Kampfrichtern benotet wird. Dabei werden jeweils zwei Karateka von einer fünfköpfigen Jury bewertet. Bahledova hat sich für die Kata-Bewerbe entschieden. „Viele stellen sich Karate als etwas vor, bei dem man Bretter oder Ziegel durchschlägt und mit ausgeschlagenen Zähnen aus dem Training kommt“, erzählt die Sportlerin schmunzelnd. Karate sei mehr als nur Sport, sondern ein Lebensstil, versichert die 18-Jährige.

Olympia-Traum. Mit der Rückkehr nach Vorarlberg stellten sich bei ihr auch die sportlichen Erfolge ein. Bei der WM der Junioren in Teneriffa im vergangenen Oktober stand die gebürtige Slowakin nach drei Siegen im Halbfinale. „Dieser Kampf war fast wie in einem Film. Ich habe gewusst, jetzt oder nie. Unmittelbar vor Kampfbeginn habe ich mein ganzes Karateleben rekapituliert. Die vielen Menschen, die mich unterstützt haben. Es war wie ein Traum. Während der Kata habe ich mich zwar auf den Sport konzentriert, aber die Vergangenheit war stets in meinem Hinterkopf.“ Die Kampfrichter erklärten Bahledova zur Siegerin. „Ich konnte es am Anfang gar nicht glauben, erst als ich die Enttäuschung meiner Gegnerin gesehen habe, wusste ich, dass ich nun im Finale stehe“, erinnert sich die 18-Jährige.

Vor dem Finale verspürte Bahledova keinerlei Druck, da sie bereits eine Medaille fix hatte: „Ich habe es einfach genossen. Schon der Einlauf, alle Kameras waren auf mich gerichtet.“ Die Niederlage gegen die favorisierte Japanerin schmerzte deshalb kaum. Aber die Silbermedaille machte Lust auf mehr.

„Ich will Österreichs Nummer eins im Kata werden.“ Bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020 ist Karate zum ersten Mal olympisch. „Das kommt ­wahrscheinlich zu früh für mich“, bleibt die 18-Jährige realistisch. Aber die Sehnsucht bleibt. „Wenn Karate olympisch bleibt, wäre die Teilnahme an den Spielen 2024 in Paris ein Traum.“

<p class="caption">Im Kata werden verschiedene Bewegungsabläufe zu einer Choreografie zusammengefasst.</p><p class="credit" />

Im Kata werden verschiedene Bewegungsabläufe zu einer Choreografie zusammengefasst.

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Im Kata werden verschiedene Bewegungsabläufe zu einer Choreografie zusammengefasst.

<p class="caption">Im Kata werden verschiedene Bewegungsabläufe zu einer Choreografie zusammengefasst.</p><p class="credit" />

Im Kata werden verschiedene Bewegungsabläufe zu einer Choreografie zusammengefasst.

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Im Kata werden verschiedene Bewegungsabläufe zu einer Choreografie zusammengefasst.

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