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Handball

No Knauth, no Party

Michael Knauth ist der erfolgreichste Handballer aller Zeiten in Österreich. Mit dem Cupsieg des Alpla HC Hard feierte der 35-Jährige seinen 18. nationalen Titel. Ein Ende der eindrucksvollen Karriere ist noch nicht in Sicht.

Von Sebastian Rauch

Wir schreiben die finale Minute der Verlängerung. Im Cupfinale zwischen Hard und West Wien steht es 30:30. Die Vorarlberger sind in Ballbesitz und haben somit die Möglichkeit, mit dem folgenden Angriff das Spiel für sich zu entscheiden und den Cuptitel zum vierten Mal in die Marktgemeinde am Bodensee zu holen. Die Atmosphäre ist zum Zerreißen gespannt, und die Uhr tickt unweigerlich herunter. Plötzlich kommt der Ball auf den Flügel zu Michael Knauth. Es sind noch 16 Sekunden zu spielen. Für einen kurzen Moment tut sich in der Wiener Deckung eine Lücke auf. Der 35-Jährige hätte diese zum Abschluss nützen können, doch er bricht ab.

„Es wäre nur eine Halbchance gewesen. Der Pass kam nicht richtig gut, und ich habe gesehen, dass noch zu lange zu spielen ist. Es wäre zu früh gewesen. Daher habe ich den Wurf nicht genommen“, spielt der Routinier in dieser Phase seine ganze Erfahrung aus. Denn bei einem Fehlwurf wäre dem Gegner noch genügend Zeit geblieben, um einen Gegenangriff zu starten. Knauth weiß das. Er hat bereits genügend Endspiele in den Beinen, um sich in dieser Phase nicht nur auf den Spielzug und den nächsten Wurf zu konzentrieren, sondern auch die Begleitumstände immer im Blick zu haben.

Zweite Chance. Acht Sekunden später kommt es erneut zu einer ähnlichen Situation. Wieder spielt Kapitän Dominik Schmid den Querpass aus dem linken Rückraum auf den rechten Flügel. Diesmal passt der Zeitpunkt, das Zuspiel ist aber erneut nicht ideal. Doch Knauth entscheidet im Bruchteil einer Sekunde, den Wurf zu nehmen. „Ich wusste, dass acht Sekunden vor dem Ende wohl keine bessere Möglichkeit zum Abschluss mehr für uns kommen würde. Ich dachte mir, warum nicht jetzt, warum nicht hier und warum nicht ich?“, erinnert er sich.

Nach drei Schritten folgen der Absprung und der Wurf. Auf der Harder Bank halten die Spieler im Kollektiv den Atem an. Der Ball schlägt hoch im kurzen Eck ein. Tor. Das Spiel ist entschieden. Hard ist Cupsieger und Knauth nicht zum ersten Mal in seiner Karriere der Matchwinner. Für den gebürtigen Harder ist dieser Triumph bereits der 18. österreichische Titel. Insgesamt gewann der ehemalige Nationalspieler elf Meisterschaften, davon sechs mit Bregenz und fünf mit Hard. Fünf Mal sicherte er sich den Cup­titel, und zwei Mal triumphierte der 35-Jährige im Supercup. Und trotz der Titelflut war der bis dato ­letzte Erfolg einer der emotionalsten.

„Allein schon wegen des Spielverlaufs. Wir hatten kurzzeitig beide Hände an der Trophäe, und plötzlich standen wir in der Verlängerung mit zwei Toren Rückstand komplett mit dem Rücken zur Wand. Acht Sekunden vor Schluss durfte ich persönlich dann den Siegtreffer erzielen. Noch dazu in Wien gegen West Wien, mit dieser eingeschworenen Truppe. Das ganze Drumherum hat es zu einem extrem emotionalen Titel gemacht“, erklärt der Harder.

Mit seinen 18 Trophäen ist der Harder der erfolgreichste österreichische Handballer aller Zeiten. Kein anderer Spieler hat mehr nationale Titel gesammelt als der Flügelspieler. Mittlerweile bestreitet er seine 17. Saison in der heimischen HLA. Als Eigenbauspieler schaffte er 2001 den Sprung in die Bregenzer Kampfmannschaft, bevor er dann als amtierender Champion den Wechsel über die Achbrücke nach Hard wagte. Nur die Wenigsten konnten nachvollziehen, warum der Flügelspieler den Serienmeister in seiner Hochphase verlassen wollte, um sich dem sich damals im Schatten der Bregenzer befindlichen HC Hard anzuschließen. Damals war noch nicht abzusehen, dass ihm der Erfolg nach Hard folgen würde und die „Roten Teufel“ dem Rekordmeister den Rang des besten Handballteams in Österreich ablaufen würden.

„In dem Jahr als mein Vertrag auslief, hatte ich dem Verein bereits früh mitgeteilt, dass ich den Vertrag nicht verlängern werde. Egal, wo meine Reise hingehen würde. In Bregenz war damals Schluss. Ich suchte eine neue Herausforderung“, erklärt Knauth.

Kein Wechsel ins Ausland. Neben Hard gab es auch noch andere Interessenten. Klubs aus dem Ausland hatten sich gemeldet und wollten den Nationalspieler unter Vertrag nehmen. Doch er blieb in Vorarlberg.

„Das Gesamtpaket und das Konzept, auch was meine persönliche Zukunft betraf, hat damals einfach in Hard am besten gepasst. Ich bin auch so realistisch, um zu wissen, dass es für europäische Topvereine wahrscheinlich nicht gereicht hätte. Wenn ich das im Rückblick nun betrachte, auch was meine beruflichen Möglichkeiten neben dem Handball angehen, bereue ich keine Sekunde, dass ich Titel in Österreich gejagt habe und nicht im Ausland.“

Mittlerweile ist der Linkshänder nämlich nicht nur Spieler der ersten Mannschaft, sondern arbeitet für den Verein auch im Bereich Sponsoring und Marketing. Ein Berufsfeld, dass dem kommunikativen 35-Jährigen liegt. Knauth ist es wichtig, sich ein zweites Standbein aufzubauen, und arbeitet deshalb fieberhaft an der Karriere nach der Karriere. Auch wenn ein Ende seiner aktiven Laufbahn noch nicht in Sicht ist. Seinen auslaufenden Vertrag hat er bereits für eine weitere Saison verlängert.

„Ich habe aber immer gesagt, ich möchte meine Karriere ganz oben beenden und als Leistungsträger abtreten. Daher ist es zeitlich schwierig einzuordnen. Wenn ich merke, dass der Körper nicht mehr mitmacht, werde ich auf Abschiedstour gehen.“ Doch das kann noch dauern, denn Verschleißerscheinungen verspürt er trotz des fortgeschrittenen Alters noch keine. Das Feuer brennt nach wie vor, und Knauth sagt von sich selbst etwas theatralisch, er „würde für diesen Sport sterben. Ich fühle mich viel zu wild, zu jung und zu hungrig, um an ein Ende zu denken. Es gibt für mich nichts Schöneres, als in dieser Mannschaft zu spielen.“

Und auch wenn es laut eigenen Angaben auf dem Spielfeld keine Anzeichen von Müdigkeit gibt, merkt der 35-Jährige sein Alter dennoch in einem anderen Bereich. Denn mit dem gleichen Elan, den er in den Spielen zeigt, begeht er auch die Feierlichkeiten nach entscheidenden Partien.

„Die Nachwehen nach den Titelfeiern zeigen mir, dass ich älter geworden bin. Früher waren zwei, drei Tage durchfeiern kein Problem, was heute nicht mehr geht. Ich kann einen Tag noch richtig gut draufhauen, aber die Ruhepausen, bis ich dann wieder auf dem Damm bin, haben sich deutlich verlängert“, scherzt das „Feierbiest“.

Nächster Titel im Blick. Die Feierlichkeiten für eine mögliche Meisterschaft möchte er noch nicht planen. Obwohl die Harder klarer Favorit im Kampf um die HLA-Krone sind, sieht der Routinier diese Trophäe noch lange nicht gewonnen. Der Modus erlaubt das nicht. Denn nach der Bonusrunde, die die Vorarlberger ebenso wie den Grunddurchgang gewonnen haben, werden die Karten wieder neu gemischt.

„Wenn alle verletzungsfrei bleiben, haben wir nach dem Gewinn des Supercups und des Cups die große Chance auf das Triple. Aber wenn wir im Viertel- oder Halbfinale zwei schlechte Spiele haben, ist die gesamte Saison im Arsch“, bedient sich Knauth in diesem Fall einer sehr bildlichen Sprache.

Es wäre ein weiterer sehr emotionaler Titel für den Flügelspieler, denn nach der Saison verlassen einige langjährige Kollegen wie Marko Tanaskovic und Lukas Herburger den Verein. „Das wird sehr schmerzvoll sein, weil diese Jungs Freunde sind, die sehr viel Herzblut in den Verein gesteckt haben.“

Auch Trainer Peter Hrachovec wird den Verein verlassen. Sein Nachfolger steht mit dem Deutschen Klaus Gärtner bereits fest. Kontakt zum neuen Chef hatte Knauth noch keinen, die Konzentration gilt einzig und allein dem Hier und Jetzt und dem damit verbundenen Kampf um die Meisterschaft. Nach der Saison und vor Beginn der neuen Spielzeit wird der Routinier dann aber den Austausch mit Gärtner suchen. Dann kann Knauth seinem neuen Trainer, der noch nie in Öster­reich trainiert hat, vielleicht auch den ein oder anderen Tipp geben, wie man in der HLA Titel gewinnt. Denn das weiß im ganzen Land keiner besser als Michael Knauth.

<p class="caption">Michael Knauth (Nummer 21) beim Meisterschaftsgewinn im Vorjahr mit Hard. Es war der elfte HLA-Titel für den Flügelspieler, der damit alleiniger Rekordhalter ist. GEPA</p>

Michael Knauth (Nummer 21) beim Meisterschaftsgewinn im Vorjahr mit Hard. Es war der elfte HLA-Titel für den Flügelspieler, der damit alleiniger Rekordhalter ist. GEPA

Zur Person

Michael Knauth

geboren am 7. Jänner 1983

in Bregenz

Position: Flügel rechts

Wurfhand: Links

Verein: Alpla HC Hard

Vertrag bis: Sommer 2019

Vorheriger Verein: Bregenz HB

Erfolge: Elf Mal österreichischer Meister, fünf Mal österreichischer Pokalsieger, zwei Mal österreichischer Supercup-Sieger

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