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Am Schnabel der Welt

GriechischeVerhältnisse

von Harald petermichl

Man müsste glatt mal nachzählen, wie viele Trainer seit Gründung der Bundesliga entlassen worden sind. Aber Hand aufs Herz: Wie oft ist einem in solchen Fällen schon der Gedanke gekommen, dass es möglicherweise zielführender wäre, die Spieler zu entlassen, damit der Coach vernünftig weiterarbeiten kann? In Griechenland ist das jetzt tatsächlich geschehen. Dort hat der Reeder Evangelos Marinakis, der 2010 den Verein Olympiakos Piräus von seinem Reederkollegen Sokratis Kokkalis gekauft hatte, nach einem Unentschieden beim Tabellenzehnten kurzerhand die gesamte Mannschaft entlassen und diese zu Geldstrafen von insgesamt 400.000 Euro verdonnert. Bis zum Ende der Saison will der derzeitige Tabellendritte nun mit der Nachwuchsmannschaft auflaufen. Möglicherweise geht beim englischen Zweitligisten Nottingham Forest, der sich ebenfalls im Besitz von Herrn Marinakis befindet, und der vor allem dadurch berühmt ist, dass er als einzige Mannschaft Europas häufiger den Europapokal der Landesmeister als die ­nationale Meisterschaft gewonnen hat, jetzt schon die Angst vor ähnlichen Konsequenzen um. Oder es keimt Hoffnung in der ­Nachwuchsmannschaft auf, das kommt ganz auf den Blickwinkel an.

Präsident Marinakis selbst ist als Geschäftsmann kein ganz unumstrittener Zeitgenosse und hat es immer wieder mit heftigen Vorwürfen wegen Bestechung oder Manipulation von Spielen zu tun. Allerdings sind diese nach wie vor ebenso unbewiesen wie der Vorwurf, er habe ein Bombenattentat auf die Bäckerei eines Schiedsrichters in Auftrag gegeben. Das tut hier, da nach guter zivilisierter Sitte die Unschuldsvermutung gilt, allerdings nichts zur Sache. Bemerkenswert ist zudem, dass die griechische Liga gerade in dieser interessanten Phase eine außerplanmäßige Generalpause eingelegt hatte. Der Spielbetrieb war von höchster Stelle unterbrochen worden, nachdem ein weiterer Kollege von Herrn Marinakis für Aufsehen gesorgt hatte: Ivan Savvidis, untypischerweise nicht Reeder, sondern vielmehr Putin-Freund und Eigentümer sowohl des größten russischen Tabakkonzerns als auch des Vereins PAOK Thessaloniki, war es kürzlich im Match gegen AEK Athen irgendwann zu bunt geworden, woraufhin er nach einer umstrittenen Abseitsentscheidung mit einem Revolver am Gürtel das Spielfeld betreten hatte, um dem Unparteiischen seine Sicht der Dinge darzulegen. Über das griechische Pendant zur Bundesliga, die Superleague Ellada, weiß man hierzulande tatsächlich sehr wenig, aber es scheint zumindest immer was los zu sein.

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