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Auf dem Sprung zu den Suomis

Manuel Ganahl in Aktion für das Nationalteam.  GEPA (2)

Manuel Ganahl in Aktion für das Nationalteam.  GEPA (2)

Interview. Der Montafoner Eishockey-Nationalspieler Manuel Ganahl (27) erklärt im Sport-Talk, wie sein bevorstehender Wechsel zum finnischen Erstligaklub Pelicans Lahti zustande kam. Und blickt auf die A-WM in Dänemark voraus.

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Wechsel im Sommer nach Lahti. Haben Sie schon realisiert, was für ein großer Karriereschritt Ihnen gelungen ist?

Manuel Ganahl: Es ist noch kaum greifbar für mich. Weil es nicht alltäglich ist, dass ein Österreicher die Chance auf einen Auslandswechsel bekommt. Ich bin froh, dass es geklappt hat. Eigentlich wäre ich beim KAC ja noch bis 2019 unter Vertrag gestanden. Ich hatte auch keine schriftliche Ausstiegsklausel. Klagenfurt ist mir da entgegengekommen – obwohl es sicher nicht einfach für sie war, mich ziehen zu lassen. Wir haben eine gute Lösung für alle Beteiligten gefunden.

Verraten Sie uns, wie diese Lösung aussieht?

Ganahl: Wir haben gewisse Vertragsmodalitäten vereinbart. Die sehen vor, dass ich nach Klagenfurt zurückkomme, falls ich mich nicht bei den Pelicans durchsetze. Mir hat es sehr gut beim KAC gefallen. Deshalb war es nicht so schwierig für mich, diesem Vorschlag zuzustimmen. Außerdem gehe ich nicht mit der Einstellung nach Finnland, dass ich scheitere.

War ein Wechsel ins Ausland immer ein Ziel von Ihnen?

Ganahl: In meinen ersten Jahren in der EBEL, als junger Spieler mit Anfang zwanzig, hatte ich schon den Traum vom Ausland. Aber mit den Jahren wurde mir klar, wie wenig realistisch ein solcher Auslandswechsel ist. Weil die österreichische Liga im europaweiten Vergleich einfach keinen so hohen Stellenwert hat. Scouts sind eher selten bei EBEL-Spielen, ich hatte auch nie eine Anfrage. Für mich war klar, dass ich meine Karriere in Österreich verbringe, womit ich aber glücklich war. Schließlich habe ich mich speziell in Klagenfurt sehr wohl gefühlt. Dann kam überraschend das Angebot aus Lahti.

Die Pelicans haben es in den vergangenen fünf Jahren in der finnischen 15er-Liga vier Mal ins Play-off geschafft, zählen also in dem Eishockey-verrückten Land des zweifachen Weltmeisters zur Spitze. Wie wurden die Pelicans auf Sie aufmerksam?

Ganahl: Da hatte ich das Glück auf meiner Seite. Die Pelicans ließen 2017 den Tschechen Libor Sulac von Znojmo beobachten. Im Play-off-Viertelfinale traf ich mit dem KAC auf Znojmo, in der Serie sind mir zwei, drei richtig gute Spiele gelungen. So sind sie bei den Pelicans auf mich aufmerksam geworden. Zumal mich deren Trainer Petri Matikainen kannte, ich habe unter ihm 2013/14 in Graz gespielt.

Wie schnell war Ihnen klar, dass Sie den Wechsel machen wollen?

Ganahl: Ich wusste eigentlich sofort, dass ich es machen will, dass ich mich auf dem weit höheren Niveau beweisen will. Eben weil es eine Chance ist, die du als Österreicher kaum kriegst. Außerdem will ich für mich selber wissen, ob ich mich auf diesem Niveau durchsetzen kann. Ich bin sehr ehrgeizig, und ich spüre schon jetzt, wie mich die neue Herausforderung anstachelt. Ich sehe die spannende Chance, dass ich in Finnland zu einem besseren Spieler werden kann. Wie ich sowieso der Meinung bin, dass du ab einem gewissen Grad die Aufgaben steigern musst, um dich weiterentwickeln zu können.

Was wissen Sie über die finnische Liga?

Ganahl: Ich habe die Liga, wie man es als Eishockey-Profi halt so macht, mit einem Auge verfolgt und weiß, das Eishockey in Finnland ähnelt etwas dem amerikanischen. Es wird sehr körperbetont gespielt, es wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass du in jeden Zweikmapf gehst und präsent bist. Vor allem ist das finnische Eishockey sehr strukturiert. Und natürlich ist das Tempo deutlich höher als in Österreich. Das reizt mich. In Finnland ist auch der Stellenwert von Eishockey viel höher als in Österreich, was der eigenen Leistung dann noch mal eine ganz andere Wertigkeit gibt.

Passen Sie in das taktische Konzept der finnischen Liga?

Ganahl: Ich werde sicher eine gewisse Zeit brauchen, um mich einzugewöhnen, was, glaube ich, normal ist. Das Niveau ist dort so hoch, dass es gar nicht möglich ist, alles immer perfekt umzusetzen. Es geht um Struktur, taktische Disziplin, worauf ich mich sehr freue, und ich bin überzeugt davon, dass ich mit meinen Anlagen gut zu dieser Art von Eishockey passe. Das Eishockey in Finnland ist schnell, das Umschaltspiel wird forciert – das sollte mir eigentlich entgegenkommen. Trotzdem weiß ich, dass es schon ein gewisses Risiko ist, das gewohnte Umfeld in Klagenfurt zu verlassen, wo ich mich mit so vielen auch privat so gut verstanden habe – um jetzt in Finnland noch mal bei null anzufangen. Aber dieses Risiko nehme ich in Kauf. Denn du weißt nie, wie weit es noch gehen kann. Im Eishockey geht’s manchmal schnell.

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Saison, in der ihnen 16 Tore und 25 Assists gelangen?

Ganahl: Es war kein einfaches Jahr. Die Vorbereitung ist eigentlich super verlaufen, ich habe mich sehr gut gefühlt und am Anfang, gerade auch in der Champions League, (Anm.: zwei Tore, zwei Assists) Leistung gezeigt. Aber dann hat es doch eine Zeit gedauert, bis wir unter dem neuen Trainer Steve Walker in Schwung kamen. Wir haben viel bei der Linienzusammenstellung herumprobiert, was aber normal ist. So um die erste Nationateam-Pause herum im November haben wir uns dann gefunden. Auch für mich lief es ab dem Zeitpunkt. Ich spielte neben Thomas Hundertpfund und Johannes Bischofberger, wir ergänzten uns ideal. Dann kam der Bruch.

Woran lag das?

Ganahl: Wir hatten viele Verletzungen und mussten wieder die Linien umstellen. Als wir uns für die Top Sechs qualifziert hatten, ist der Druck abgefallen, und wir haben es dann lange nicht geschafft, diese Spannung wieder aufzubauen. Zum Schluss der Zwischenrunde und im Play-off wurde es besser, auch bei mir. Aber an der Überschrift der Saison, dass es eben ein schwieriges Jahr war, ändert das nichts.

Gab es trotzdem so was wie einen Moment der Saison für Sie?

Ganahl: (Überlegt lange) Wenn du mit dem KAC, der so hohe Ansprüche hat, im Viertelfinale ausscheidest, dann ist es schwierig, den positivsten Moment zu benennen. Gerade auch, weil wir eine gute Mannschaft hatten – da wäre so viel drin gewesen für uns. Wenn ich das beiseite lasse, war sicher mein Overtime-Tor gegen Bozen im Play-off der emotionalste Moment, weil die Endphase so verrückt war. Wir gingen zu Hause 17 Sekunden vor Schluss 1:0 in Führung, kassierten eine Sekunde vor Ende den Ausgleich und mussten in die Overtime. Dann das Siegtor für uns zu machen, war schon großartig. Aber ich hoffe, dass ich der Saison noch eine viel positivere Note geben kann, weil ja der große Höhepunkt mit der A-WM im Mai noch aussteht.

Mit welchen Erwartungen fah­ren Sie zur WM nach Dänemark?

Ganahl: (lacht) Na ja, noch ist es nicht fix, dass ich dabei bin. Sagen wir so, ich bin zuversichtlich, dass mich unser Trainer Roger Bader nominiert, weil er weiß, was ich kann. Wenn es so kommt, dann ist es eine riesen Ehre für mich, mein Land vertreten zu dürfen. Ich war ja schon bei der A-WM in Prag 2015 dabei und weiß, was auf mich zukommt. Du erlebst, wie sich die Besten vorbereiten, kannst dich mit ihnen messen und von ihnen lernen. Das bitte nicht falsch verstehen – die WM wird kein Trainingslager, wir fah­ren mit großen Zielen dorthin.

Zumindest Frankreich sollte in Reichweite sein?

Ganahl: Ganz sicher, wobei wir uns nicht auf Frankreich fokussieren. Auch gegen die anderen sind Punkte drin. Mir ist das ganz wichtig: Wir sind bei der WM nicht chancenlos. Wir haben unter Roger Bader viele gute Spiele abgeliefert, auch A-Nationen geschlagen. Unser Trainer weiß, wie man gegen die Top-Nationen besteht: mit schnellen Entscheidungsfindungen. Der Sieg am Donnerstag im Testspiel gegen Italien war gut für die Köpfe, Italien war ja bis 2017 eine A-Nation.

Wie läuft die Vorbereitung beim Nationalteam?

Ganahl: Die Graz-Spieler sind schon seit vier Wochen beim Team, in den ersten zwei Wochen haben sie Kondition trainiert. In den zwei Wochen, seit ich dabei bin, lag unser Hauptaugenmerk zwar auch noch auf der Kondition, weil die Voraussetzung für eine gute WM ist, dass wir fit sind. Aber wir haben auch schon viel am Eis am Spielsystem gearbeitet, an unserem Umschaltspiel, bei dem es darauf ankommt, dass keiner zu lange die Scheibe hält.

Es war eine gute WM, wenn …?

Ganahl: … wir die Klasse halten. Ein Tor zu erzielen, wäre schön, wirklich wichtig ist mir das aber nicht. Ich will dem Team helfen. Das ist mein Anspruch.

Bleibt noch die Frage: Wann geht’s für Sie nach Finnland?

Ganahl: Ich werde im Juni etwa drei Wochen lang in Lahti sein, was der Klub auch von den Spielern erwartet. Damit, wenn’s im August losgeht, alle wissen, was zu tun ist, und die taktische Marschrichtung kennen. Ich bin schon sehr gespannt.

 Interview: Hannes Mayer

Zur Person

Manuel Ganahl, geb. am: 12. Juli 1990 in Bludenz; Position: Flügelstürmer; Rückennummer: 17

Vereine: EHC Montafon, Dornbirn (2005–09), Graz (2009–15), KAC (2015–18), Pelicans (ab Sommer);

Größte Erfolge: Mit Österreich Aufstieg in die A-Gruppe (2017), EBEL-Vize-Meister mit KAC (2017);

Leistungsdaten: EBEL: 496 Spiele, 106 Tore, 161 Assists; Champions League: 10 Spiele, 2 Tore, 2 Assists; A-Nationalteam: 80 Spiele, 11 Tore, 17 Vorlagen;

Auszeichnung: Kärntner Eishockey-Superstar des Jahres (2018)

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