Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

„Ich habe mich nicht verstanden gefühlt“

Interview. Elisabeth Baldauf hat ihre internationale Badminton-Karriere beendet. Im Interview spricht die 27-Jährige über die Gründe für ihren Rücktritt und den größten Erfolg ihrer Karriere.

Von Johannes Emerich

Sie haben vor zehn Tagen Ihre professionelle Badminton-Karriere beendet. Wie geht es Ihnen jetzt mit dieser Entscheidung?

Elisabeth Baldauf: Mir geht es sehr gut damit. Ich habe mir davor lange Gedanken gemacht und hatte viel Zeit, um nachzudenken. Als die Entscheidung gefallen ist, war ich sehr emotional. Es musste erst ein guter Monat vergehen, bis ich bereit war, es auch öffentlich zu verkünden.

Als einen Grund für Ihren Rücktritt nannten Sie Ihre hartnäckige Verletzung. Inwiefern behinderte Sie das Knochenmarksödem im Kahnbein?

Baldauf: Erstmals aufgetreten ist die Verletzung im Dezember 2016. Besonders gerspürt habe ich sie bei allen Stop-and-go-Bewegungen. Als die Schmerzen immer schlimmer wurden, bin ich zum Arzt. Der hat mir geraten, alle Aktivitäten abzusagen. Ich habe dann eine Infusionstherapie und verschiedene andere Behandlungen gemacht. Im Alltag sind die Schmerzen kurz darauf nicht mehr aufgetreten.

Aber aufs Badmintonfeld sind Sie lange nicht zurückgekehrt.

Baldauf: Ich habe in dieser Zeit viel abseits des Feldes trainiert und mir immer wieder ein Datum als Ziel gesetzt, an dem ich mein Comeback feiere. Nach ein paar Trainingstagen sind die Schmerzen aber immer wieder zurückgekommen. Ich habe mich nicht mehr richtig laufen getraut und das Vertrauen verloren. Dann wusste ich, jetzt ist es Zeit, etwas zu ändern. In Wien war ich häufig auf mich allein gestellt. Ich hatte gute Ärzte und Physiotherapeuten, die aber kein Team waren.

Sie sind dann zurück nach Vorarlberg gezogen. Was hat sich für Sie dadurch verändert?

Baldauf: Inzwischen waren neun unbefriedigende Monate vergangen, und ich wollte es noch einmal wissen. Im Olympiazentrum Vorarlberg habe ich optimale Bedingungen vorgefunden. Plötzlich haben alle um mich herum mit mir und über mich gesprochen – sogar wenn ich nicht dabei war. Ich konnte mich auf mein Training konzentrieren und mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Es folgten drei intensive Monate, in denen ich sehr viel Aufbautraining gemacht habe.

Warum hat es mit einem Comeback trotzdem nicht geklappt?

Baldauf: Im Jänner habe ich wieder angefangen zu spielen und so zu trainieren, wie es mir Spaß gemacht hat. Sobald sich aber die Intensität erhöht hat, hat sich wieder mein Fuß gemeldet. Damit war der Trainingsaufwand, den ich gerne gemacht hätte, nicht möglich.

Wie ist es medizinisch zu erklären, dass sich die Verletzung über so viele Monate hinzog?

Baldauf: Ehrlich gesagt habe ich kein abschließendes MRT mehr gemacht. Zuvor war das Hämatom stets auf den Bildern sichtbar, und alle Experten versicherten, dass es einfach Zeit braucht, bis es abheilt. Jetzt bin ich an dem Punkt, an dem ich nichts mehr mache, was allzu große Schmerzen bereitet. Ich gehe Badminton spielen und mache lockeres Training, das geht zur Zeit sehr gut.

Als zweiten Grund für Ihren Rücktritt nannten Sie die fehlende Unterstützung des Verbandes. Nach Ihrer Rückkehr nach Vorarlberg wurden Ihnen sämtliche Förderungen gestrichen und gesagt, dass eine Nominierung für internationale Turniere nur mit dem Trainingsstandort Wien möglich sei.

Baldauf: Ja, das ist noch dazu gekommen. Die Entscheidung für eine Rückkehr ins Ländle war eine persönliche. Ich brauchte etwas Neues und wollte näher bei meiner Familie sein. Einige Monate davor teilte ich dem Verband mein Vorhaben mit, betonte aber, dass ich gerne weiter mit ihnen zusammenarbeiten möchte und es genügend Wege dafür gebe. Vonseiten des Verbandes wurde dies von Anfang an strikt abgelehnt. Damals dachte ich, dass es sicher noch zu Gesprächen kommen wird und ein gegenseitiges Entgegenkommen möglich ist. Es gab immer wieder unterschiedliche Stimmen, die mir Hoffnung gemacht haben. Aufgrund meiner Verletzung hieß es stets: „Werde wieder gesund, dann schauen wir mal …“. Das war mir aber zu wenig, ich wollte Sicherheit.

Gab es vor Ihrem Rücktritt noch ein abschließendes Gespräch mit dem Verband oder Nationaltrainer Oliver Pongratz?

Baldauf: Nein. Sie haben stets auf ihrem Standpunkt beharrt, und ich habe meine Meinung oft genug geäußert.

Und nach Ihrer Erklärung, gab es da eine Reaktion von Verbandsseite?

Baldauf: Darauf war ich selbst gespannt. Präsident Harald Starl hat mir eine E-Mail geschrieben, das war nett. Auf der Homepage ist zudem ein kurzes Statement erschienen.

Im Oktober hat Vizepräsident Alexander Almer noch positive Signale gesendet und von einem möglichen Badmintonzentrum in Vorarlberg gesprochen. Warum ließ sich das nicht realisieren?

Baldauf: Er war immer der Positive, der den Kontakt gesucht hat. Eine neue Gesprächsrunde hat sich daraus aber nicht ergeben. Bei den Staatsmeisterschaften Anfang Februar in Feldkirch waren fast alle Verantwortlichen in Vorarlberg, auf mich direkt zugekommen ist allerdings niemand. Das hat mich schon persönlich enttäuscht und mich sehr viel Energie gekostet. Ich kann nachvollziehen, dass der Verband Regeln hat und auf Zentralisierung setzt. Aber jeder Sportler ist auch ein Mensch, und als solcher habe ich mich nicht verstanden gefühlt. Da die Zusammenarbeit jahrelang sehr gut funktioniert hat, hätte ich mir zumindest eine Chance erwartet.

Gab es nach der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio – wahrscheinlich dem größtmöglichen Erfolg als österreichische Badmintonspielerin – schon Gedanken ans Aufhören?

Baldauf: Nein. Meine Einzelkarriere war eigentlich noch sehr jung. Nach Rio habe ich mich darauf gefreut, befreit aufspielen und noch viel lernen zu können. Ich habe nach Olympia ­spielerisch einen großen Schritt gemacht und hatte wirklich Spaß am Spielen.

Rückblickend auf Ihre Karriere, hinterlassen da die Olympischen Spiele die bleibendste Erinnerung?

Baldauf: Eher der Weg dorthin. Die Spiele an sich waren eine wahnsinnig schöne Zeit, aber in den Monaten davor habe ich deutlich mehr gelernt. Ursprünglich hatte ich mir gar nicht zugetraut, dass ich ein internationales Turnier gewinnen kann. Dann gehe ich raus und siege. Und die Woche darauf gelingt mir das gleich noch mal. Besonders in Erinnerung ist mir das Turnier in Kuba, das ich für mich entschieden habe. Es war entscheidend für die Olympia-Qualifikation. Im Halbfinale bin ich zum dritten Mal auf eine Gegnerin getroffen, gegen die ich zuvor immer verloren hatte. Solche Erfolge haben mir viel Sicherheit gegeben.

Mit David Obernosterer haben Sie einen Partner, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat …

Baldauf: … für mich sind unsere Entwicklungen gar nicht so ähnlich. David bekam vom Arzt die Diagnose, dass er nicht mehr weiterspielen kann. Die Entscheidung wurde also von außen getroffen. Bei mir war es allein meine Entscheidung. Ich hätte auch weitermachen können, wenn ich gewollt hätte.

Zur Person

Elisabeth Baldauf

geboren am 3. August 1990 in Bregenz

Wohnort: Dornbirn

Beste Einzel-Weltranglistenplatzierung: 57

Größter Erfolg: Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016

Rücktritt am 4. April 2018

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.