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Sind die Boxenstopps wirklich zu gefährlich?

Nach einer Serie von Unfällen und Pannen bei Boxenstopps reagieren die Teams und der Weltverband vor dem heutigen China-GP (8.10 Uhr).

Von Karin Sturm aus Schanghai

Ein Formel-1-Boxenstopp ist eine komplizierte Choreografie, aufgeführt unter höchstem Zeitdruck und mit präziser Perfektion. In rund zwei Sekunden werden alle vier Räder heruntergenommen und die frischen Pneus neu angeschraubt. Eine Gratwanderung, die in der Vergangenheit zu Meisterleistungen, aber auch mittelschweren Dramen und gefährlichen Zwischenfällen geführt hat. Wie zuletzt in Bahrain, als Kimi Räikkönen den Ferrari-Mechaniker Francesco Cigarini um- und überfuhr. Dem geht es zum Glück wieder etwas besser, wie Ferrari-Chefingenieur Jock Clear bestätigt: „Glück im Unglück – es handelt sich um glatte Brüche, die komplett verheilen werden.“

Wie es dazu kommen konnte, dass Räikkönen ein grünes Signal zum Losfahren erhielt, obwohl links hinten am Wagen das alte Rad noch nicht einmal abgenommen war, erklärte jetzt Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene in Schanghai: „Es gab drei Faktoren, die zum Unfall beigetragen haben: der Mechaniker, der Schlagschrauber, die Elektronik.“ Was war passiert? Der Schlagschrauber links hinten war falsch eingestellt – auf anziehen statt darauf, die Radmutter zu lösen. Aus diesem Grund musste er nochmals angesetzt werden, während an den anderen drei Ecken der Radwechsel bereits vollzogen war. Die Elektronik verstand die zweite Drehbewegung des Schlagschraubers als „Rad festgeschraubt“ und meldete: „Stopp abgeschlossen – damit Grün zum Losfahren!“ Arrivabene versicherte auch: „So einen Fall wird es nicht mehr geben.“ Ferrari wird schon heute einen zusätzlichen Mann aufstellen, der das elektronische Signal überwacht.

Mehr auf menschliche Übersicht als auf Elektronik zu setzen, schlägt auch Mika Häkkinen, Weltmeister 1998 und 1999, vor. „Es ist an der Zeit, zu überdenken, ob automatisierte Systeme der richtige Weg sind. Wenn es um Menschenleben geht, sollten Menschen die letzte Entscheidung treffen.“

Der Weltverband kündigte jedenfalls schon an, die Stopps unter die Lupe zu nehmen, weil sich die Zwischenfälle häufen. Bereits vor dem Räikkönen-Unfall war beim Testen in Barcelona Fernando Alonso ein Rad davongeflogen, beim WM-Auftakt in Australien waren gleich beide Boxenstopps des Haas-Teams schiefgelaufen, wenn auch mit glimpflicheren Folgen. Am Freitag hat es in Schanghai Stoffel Vandoorne erwischt. Tatsache ist: Wenn vier Räder in unter 2,5 Sekunden gewechselt werden sollen – der Rekord liegt sogar bei 1,92 Sekunden, aufgestellt von Williams 2016 in Baku – dann stehen alle Beteiligten unter extremem Druck. Haas-Teamchef Günther Steiner ordnete nach der Melbourne-Panne zusätzliches Training an, führte Gespräche mit den Mechanikern. „Menschen, die unter enormen Druck stehen, können eben Fehler machen.“ Abschaffen will er die Stopps aber nicht: „Wenn wir alles automatisieren, können wir gleich Roboter einsetzen. Wer schaut dann noch Formel 1? Motorsport ist und bleibt gefährlich, so etwas kann passieren. Beim Fußball bricht sich auch manchmal jemand das Bein.“

Mittlerweile sickerte auch durch, dass die Formel-1-Piloten ab 2019 wieder Vollgas geben dürfen, ohne auf den Benzinverbrauch achten zu müssen. Am Dienstag wollen die Teams und das Formel-1-Management auf der Sitzung ihrer Strategiegruppe in Paris die Aufhebung des Spritlimits beschließen. Derzeit dürfen die Autos in einem Rennen nicht mehr als 105 Kilogramm Benzin verbrauchen.

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