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Am Schnabel der Welt

Spannung purin Europa

von Harald petermichl

Ein wenig zermürbend ist es ja, wenn man sieht, wie langweilig ein Großteil der europäischen Ligen mittlerweile geworden ist. Etwa fünf bis sechs Runden vor Schluss ist weder in Spanien oder Italien, geschweige denn in England, wo mit Manchester City der Meister bereits feststeht, auch nur ein Funke von Spannung zu erahnen, was die Meisterschafts­entscheidung betrifft. Hier in Österreich ist auch nicht davon auszugehen, dass die Salzburger Bullen zum Ende hin noch etwas anbrennen lassen, in der Schweizer Super League haben die Young Boys aus Bern sieben Runden vor Schluss 13 Zähler Vorsprung auf die Kollegen aus Basel und in den Niederlanden liegen zehn Punkte zwischen Eindhoven und Ajax Amsterdam. Bei unseren deutschen Nachbarn ist das ohnehin eine ganz besondere Sache; man wird wohl einiges unternehmen müssen, um den Kindern, die nach dem Sommer eingeschult werden, zu erklären, dass es in grauer Vorzeit auch schon mal andere Salatschüsselerwerber als den FC Bayern gegeben hat. Glauben wird das aber ohne­hin kein Schwein, warum auch.

Belgien macht es da spannender. Zwar liegt der FC Brügge nach 30 Runden geschlagene zwölf Punkte vor Anderlecht, aber weil auch dort irgendwann mal findige und kreative Ligareformer unterwegs waren, ist das völlig Pommes, weil es jetzt mit einem sinnlosen Play-off weitergeht, damit nur ja keine fußballfreien Tage entstehen. Ein klein wenig spannend ist es immerhin noch in der BGL Ligue des Groussherzogtum Lëtzebuerg (auch Großherzogtum Luxemburg genannt), wo F91 Düdelingen noch fünf Runden lang einen knappen Fünf-Punkte-Vorsprung auf den FC Progrès Niederkorn zu verteidigen hat.

Gähnende Langeweile also allüberall, gäbe es da nicht noch die Nemzeti Bajnokság, also die erste Liga eines europäischen Binnenstaates, der weitgehend im Pannonischen Becken liegt. Dort finden wir tatsächlich eine aus heutiger Sicht fast schon unerhörte Tabellensituation vor, denn sieben Runden vor Schluss liegen mit Ferencvaros TC und Videoton TC zwei Teams allen Ernstes punktgleich an der Spitze. Die Frage, ob das nun ein geschickter Schachzug von Viktor Orbán ist, um sich mal wieder deutlich vom Rest Europas abzugrenzen, kann hier nicht beantwortet werden, die Frage, was denn um alles in der Welt hinter Videoton TC steckt, dagegen schon. Es handelt sich dabei um einen Club aus Székesfehérvár respektive Stuhlweißenburg, der halt aus Sponsoringgründen einen dämlichen Namen trägt. Das ist aber allemal besser, als hieße in Deutschland ein Club FC Videobeweis.

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