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Der deutsche Absturz als Ende einer großen Ära

Deutschlands Fußballteam steht nach dem historischen WM-Aus in der Vorrunde vor einem Neuanfang. Löw schließt Rücktritt nicht aus.

Die Fakten sind unerschütterlich, sie belegen das Unvorstellbare. Deutschland ist ausgeschieden, fort, einfach weg. Zum ersten Mal in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften muss der ewige Favorit nach der Vorrunde Abschied nehmen, und „die Mannschaft“ gehört damit ebenfalls dem illustren Kreis der gescheiterten europäischen Titelverteidiger an. Nacheinander wurden sie hinausgeworfen, Frankreich 2002, Italien 2010, Spanien 2014, und nun ist das passiert, was trotz dem Gesetz der Serie als unmöglich erachtet wurde. Durch die 0:2-Niederlage gegen Südkorea fährt das Team von Jogi Löw als Gruppenletzter nach Hause. Ob der erfolgsverwöhnte und nun tief getroffene Bundestrainer dieses Amt weiterhin ausüben wird, bleibt vorerst offen. „Ich bin der Erste, der sich hinterfragen muss“, meinte Löw unmittelbar nach dem Spiel. Eine klare Antwort konnte zu diesem Zeitpunkt vom 58-Jährigen nicht erwartet werden, ausschließen konnte und wollte er seinen Abgang nicht. „Dafür ist es noch zu früh. Ich muss einmal eine Nacht drüber schlafen. Jetzt bin ich total frustriert. Die Enttäuschung sitzt tief in mir drin. Ich hätte mir nicht vorstellen können, gegen Südkorea zu verlieren, aber wir haben es nicht verdient, weiterzukommen. Wir sind zu Recht ausgeschieden“, meinte der schwer gezeichnete Löw, dessen Vertrag schon längst bis 2022 verlängert worden war.

DFB-Präsident Reinhard Grindel hatte dem Teamchef vor dem letzten Gruppenmatch, das nun zur letzten WM-Partie ausartete, das Vertrauen ausgesprochen und er konnte diese Aussage nach dem Spiel natürlich nicht gleich wieder revidieren. Also wird die Entscheidung wohl Löw selbst überlassen. Wenn er weitermachen will, wird er es auch dürfen. Aber so mancher dürfte jetzt wohl schon mit einem Rücktritt rechnen. Denn das Scheitern als Schlusslicht wird als besonders blamabel empfunden, das war allen deutschen Kommentaren zu entnehmen.

„Es ist ein ganz, ganz bitterer Abend für alle deutschen Fußballfans“, meinte Mats Hummels, der in der 86. Minute das 1:0 für Deutschland hätte erzielen können. „Dann würden wir jetzt darüber sprechen, wie großartig dieses Team ist.“ Aber ein zweites Sotschi stellte sich in Kasan nicht mehr ein. Nach dem dortigen Siegestor gegen Schweden durch einen Freistoß von Toni Kroos in der 95. Minute war ganz Fußball-Deutschland von der Wende ausgegangen. Doch die schon in den Spielen gegen Mexiko und die Skandinavier gezeigte Verunsicherung in der an fünf Positionen veränderten Elf wurde auch gegen Südkorea nicht abgelegt. Die Asiaten mussten den sie bedrängenden Deutschen wohl einige Chancen zugestehen, doch der ideenlose Gegner war relativ leicht auszurechnen. Torhüter Manuel Neuer, der nach dem 0:1 verzweifelt sein Tor verlassen hatte, um mitzustürmen, brachte es auf den Punkt. „Wir haben in keinem Spiel überzeugt, wir haben nie Fußball gespielt“, erklärte der Kapitän, der auch meinte, „dass die Bereitschaft und der Wille nicht groß genug waren.“ Und Neuer legte noch nach: „Wir hätten es auch nicht verdient gehabt. In der K.o.-Runde wäre im nächsten oder übernächsten Spiel halt gewesen.“

Mit dem Aus der Deutschen geht auf jeden Fall eine Ära zu Ende. Seit Jogi Löw nach dem dritten Platz bei der WM 2006 das Amt von Jürgen Klinsmann übernahm, erreichte die Nationalmannschaft bei jeder Endrunde einer Welt- oder Europameisterschaft, bei insgesamt fünf Turnieren, zumindest das Halbfinale. Der Weltmeistertitel 2014 in Brasilien war der Höhepunkt. Nun folgte der jähe Absturz, der wohl eine Reihe von Rücktritten prominenter Spieler nach sich ziehen wird. Den Deutschen steht ein radikaler Umbau bevor.

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