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Dem Fußball die Treue halten

Warum die Tour de France kein Thema ist und Luka Jovic am Boden zerstört war.

Und nun? Fünf Jahre jünger, und ich hätte nach dem Schock-Aus der Löw-Mannschaft in Russland meine 15. Fußball-Weltmeisterschaft verlassen und wäre zur 34. Tour de France aufgebrochen. Am Samstag beginnt im Departement Vendee im äußersten Nordwest-Zipfel Frankreichs der „Grand Depart“. Aber um ja nicht auf die verrückte Idee zu kommen, zwei Tage nach dem Finale in Moskau am 15. Juli zum zweiten Tour-Teil über die Alpen und Pyrenäen einzusteigen, habe ich mich erst gar nicht in Paris akkreditiert. Um Radsport habe ich mich auch kaum gekümmert. Ich war voll und ganz auf Russland fokussiert.

Also umschalten. Die restlichen, bezahlten 3000 Euro im komfortablen Hotel Salut bis zum Endspiel sollen schließlich „abgewohnt“ werden. Der Rückflug ist nicht stornierbar. Eine frühere Heimreise würde also noch einmal den vollen Flugpreis kosten. Vier attraktive Spiele finden schließlich noch in Moskau statt: Spanien gegen Russland am Sonntag, ein Achtelfinalspiel am nächsten Dienstag, ein Halbfinale am 11. Juli und dann das Endspiel.

Spiele wie Brasilien gegen Serbien mit einem Neymar in Hochform, ein Platz in Hörweite am Spielfeldrand und diese Stimmung im Spartak-Stadion bieten eine besonders prickelnde Atmosphäre. Ein Erlebnis. In den letzten vier Minuten – beim Stand von 0:2 wohlgemerkt – kommt Luka Jovic zu seinem einzigen WM-Einsatz. Wer die torreiche Joker-Rolle des Zwanzigjährigen bei Frankfurt kennt, denkt: Viel zu spät, Mladen Krstajic! Sollte wohl auch nur noch ein WM-Minuten-Geschenk des Trainers sein.

Luka Jovic war darüber aber alles andere als glücklich. In der „Mixed Zone“ blieb er nicht einmal bei seinem väterlichen Journalisten-Freund stehen. Veljko Ivanovic von der Zeitung „Blic“ kennt Luka seit dessen schwerer Kindheit in Belgrad persönlich. „Er will nicht reden, so enttäuscht ist er, dass er nicht früher eingewechselt wurde und Serbien ausgeschieden ist“, sagt Ivanovic.

Die Medienmeute wartet auf Neymar. Doch auch zwei Stunden nach Schluss ist noch kein Brasilianer in der „Mixed Zone“ aufgetaucht. Ich gehe, um die letzte Metro nicht zu verpassen. Die „Selecao“ feiert wohl doppelt und dreifach: den eigenen Gruppensieg und das Aus ihres Peinigers von 2014. Den Stachel der 1:7-Demütigung von Belo Horizonte kann nur die „Copa“ 2018 herausziehen. Am nächsten Montag trifft Brasilien in Samara auf Mexiko. Es hätte Deutschland sein können, müssen.

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