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Die rot-weiß-roten Sternstunden

Reportage. Österreich und die Formel 1. Eine erbauliche Partnerschaft. Über viele Jahre. Von Gerhard Hofstädter

Es war einmal, nein, wir beginnen anders. Weil es war nichts Märchenhaftes an der Geburtsstunde des Motorsports in Österreich. Die Notlage nach dem Zweiten Weltkrieg führte alle Motorsportler zusammen. Es wurde 1956 der Automobil-Sport-Club (ÖASC) gegründet. Die Rallyefahrer bekamen eine Wettfahrt vom Bodensee zum Neusiedler See, das Gaisbergrennen war EM-Lauf. Und die Rundstreckenpiloten fanden in Form der Flugplatzrennen ihre „Spielwiese“.

Die österreichische Luftwaffe existierte nur auf dem Papier, die Sektion Knittelfeld des steirischen Automobilklubs bekam am 15. September 1957 die Erlaubnis, ein Auto- und Motorradrennen auf der Landebahn des Fliegerhorsts Zeltweg auszutragen. Der Startschuss war getan. Anfang der 60er-Jahre gab es Formel-1-Rennen und WM-Status. 1961 lotste man Stars wie Innes Ireland, Jim Clark oder Jack Brabham in die Steiermark und 1963, genau am 1. September, gab es endlich den ersten „Großen Preis von Österreich“.

Es war zwar nur die Generalprobe für den ersten WM-Lauf 1964. Aber da fuhr schon ein gewisser Jochen Rindt mit. Die Knittelfelder verloren zwar gleich wieder die WM-Ehre, aber mit Jochen Rindt wurde eine Begeisterung entfacht, die es später nie mehr gab. In Mainz geboren, aufgewachsen in Graz bei seinen Großeltern war Rindt immer einer von uns. Er wurde assimiliert wie kein anderer, der erste österreichische Weltsportler mit „Migrationshintergrund“. Er fuhr wie kein anderer, kannte keine Angst, stellte den Rekord zwischen Graz und Bruck auf („Wenn wir heute so fahren, sperren sie uns ein“ – O-Ton von Schulfreund Helmut Marko). Es hieß: Wenn Jochen überlebt, wird er Weltmeister. Nun – er starb in Monza, am 5. September 1970. Und wurde posthum Weltmeister.

Parallel wurde der Wunsch nach einer permanenten Rennstrecke immer lauter. 1965 wurde das Projekt Österreichring präsentiert, 20 Millionen Schilling betrugen die Baukosten. Mit dem gleichzeitigen Bau des Salzburgrings schrillten in der Steiermark die Alarmglocken. Verträge wurden im Eilverfahren unterschrieben, in nur 15 Monaten war der 5,911 km lange Kurs fertig. Am 27. Juli 1969 wurde er eröffnet, zwei Wochen später gewann Joe Siffert das 1000-km-Rennen. Am 16. August 1970 fand der erste Formel-1-WM-Lauf in Zeltweg statt.

Im Zuge der nationalen Euphorie kam es nach dem Tod von Jochen Rindt gleich zu einem Nachfolgespiel. Die Hoffnungen hießen Helmut Marko, Niki Lauda oder Dieter Quester. 1972 fuhren Marko (BRM) und Lauda (March) ihre erste volle Saison. Die Karriere von Helmut Marko, heute Motorsportberater von Red Bull und die „Graue Eminenz“, ging 1972 in Clermont-Ferrand zu Ende, als ein aufgewirbelter Stein ihn am Auge traf. Damit war der Weg frei für Niki Lauda. 1974 winkte der Ferrari-Vertrag. In Jarama feierte Lauda seinen ersten Sieg, 1975 war er zum ersten Mal Weltmeister. Lauda war auch der einzige Österreicher, der seinen Heim-GP gewinnen konnte (1984). In diesem Jahr holte er seinen dritten WM-Titel. Und Jo Gartner und Gerhard Berger starteten das Lauda-Erbfolgespiel.

Von 1988 bis 1996 gab es keinen Großen Preis mehr, die Auflagen der FIA wurden nicht erfüllt. Nahezu gleichzeitig endete die Ära Lauda. 1996 wurde der A1-Ring aus der Taufe gehoben, schon auf dem verkürzten Ring (4,323 km). Alexander Wurz folgte Gerhard Berger. Dennoch war 2003 schon wieder Schluss.

Mit dem Engagement von Red Bull war die Formel 1 wieder ein nationales Anliegen. Vier WM-Titel wurden gewonnen. Mit der Reorganisation von Dietrich Mateschitz kehrte 2014 die Formel 1 zurück nach Spielberg. Vor vollem Haus. Auch heuer kratzt man an der 200.000-Fan-Marke. Jetzt fehlt nur wieder ein österreichischer Fahrer.

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