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Fürs Überholenzu turbulent

Die Luft rund um Spielberg ist nicht so schlecht – trotz Luftwaffe und Motorsport auf dem Red-Bull-Ring. Dennoch sprechen viele in der Formel 1 nur von der „Dirty Air“ – der schmutzigen Luft.

Von Gerhard Hofstädter

Früher, in der Steinzeit der Formel 1, war alles einfacher. Und vorausschauender. Wollte einer der Helden einen Vordermann überholen, schlich er sich von hinten an, lauerte im Windschatten, nutzte den verringerten Luftwiderstand, scherte aus – und ging mit dem Geschwindigkeitsüberschuss vorbei. Alles klar.

Damals, in einer Zeit, als die Formel 1 auf sämtliches Flügelwerk verzichtete bzw. die Spoiler nur eine Idee waren. Sie erzeugten wohl etwas Anpressdruck – in der Fachsprache nennt sich das „aerodynamischer Grip“ –, aber sie hatten keine Auswirkungen auf die nachkommenden Autos.

Seit die Formel-1-Wagen aber im Grunde auf den Kopf gestellte Flugzeuge sind, ab einer Geschwindigkeit von 150 km/h verkehrt an der Decke fahren könnten, ist es vorbei mit der Einfachheit. Die Aerodynamik der Formel 1 ist eine Wissenschaft, die Konstruktion eines Frontflügels eine Doktorarbeit der Luft- und Raumfahrt. Es wird immer mehr gegrübelt, wie man die Luft, die ein Formel-1-Auto anströmt, am besten in geregelte Bahnen führt und nutzt. Ein Flügelchen da, eine Finne dort, an den Seitenkästen die sogenannten „Barge Boards“: Jahr für Jahr wird alles komplexer und komplizierter.

Nun gipfelt die aerodynamische Komplexität in der Tatsache, dass sie Überholen unmöglich macht und genau das Gegenteil von dem produziert, was alle wollen: das Überholen zu erleichtern. „Heute ist es sehr, sehr schwierig, einem Auto zu folgen“, sagt Alexander Wurz, „bei bis zu 100 Meter Abstand wirkt bereits die sogenannte ‚Dirty Air‘.“ „Dirty Air“, die schlechte Luft. Gemeint sind die Turbulenzen, die die Flügel der Autos produzieren. Luftverwirbelungen als Folge der aerodynamischen Effizienz. „In dieser ‚Dirty Air‘ funktioniert dein eigenes Auto einfach nicht mehr. Man verliert derart viel Haftung, dass selbst die Reifen zu rutschen beginnen. Ein Teufelskreis, aus dem man einfach nicht herauskommt“, erklärt Wurz.

Lösung für dieses Problem ist keine in Sicht. Dazu müsste man eine fast flügellose Formel 1 erfinden – und Tendenzen in diese Richtung sind absolut nicht erkennbar. Im Gegenteil: Weil das Überholen in der „Dirty Air“ so schwierig geworden ist, hat man auf dem Red-Bull-Ring sogar drei DRS-Zonen erlaubt. Dabei sollte es Ziel sein, ohne DRS überholen zu können. Aber das wird in den nächsten Jahren in der Formel 1 bestimmt nicht der Fall sein. Mercedes etwa hat für den Großen Preis von Österreich ein völlig neues Aerodynamik-Paket ausgepackt. Neue Seitenkästen, neuer Heckflügel, sogar die Aufhängungsteile der Seitenspiegel spielen eine wesentliche Rolle.

Der Mann, der die „Luftverschmutzung“ in den Griff bekommen will, heißt Ross Brawn, ist neuer Sportchef der Formel 1 und Ex-Konstrukteur: „Wir arbeiten mit Modellen, richtig methodisch und nicht nach Bauchgefühl.“ Das Flügelwerk wird wohl zunächst beschnitten. Ob’s was bringt?

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