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Vom Hörsaal in die Bundesliga

David Goigitzer übernimmt bereits eine wichtige Rolle im Altacher Trainerteam. Philipp Steurer

David Goigitzer übernimmt bereits eine wichtige Rolle im Altacher Trainerteam. Philipp Steurer

David Goigitzer ist Co-Trainer und Analyst des SCR ­Altach. Im Interview erzählt der 25-jährige Student, wie das Engagement in Vorarlberg zustande kam und ­worauf er in seiner Analyse Wert legt.

Von Sebastian Rauch

Wie kam es zum Erstkontakt mit dem SCR Altach?

David Goigitzer: Ich schreibe für „90minuten.at“ Taktikanalysen. In dieser Funktion habe ich auch zwei Spiele analysiert, in welchen Werner Grabherr als Interimscoach Altach betreut hat. Er hat meine Artikel gesehen und mich kontaktiert. Ich hätte erkannt, was er taktisch vorhatte und er hätte meine Expertise interessiert gelesen. Es war dann angedacht, dass ich ein bisschen Scouting mache, doch ich bin nach Kanada gegangen, um dort als Jugendtrainer
aktiv zu sein. Als ich im letzten Winter zurückgekommen bin, habe ich ihm wieder geschrieben, und wir sind in Kontakt geblieben.

Wie kam das Engagement als zweiter Co-Trainer in der Folge zustande?

Goigitzer: Als Grabherr Trainer wurde, hat sich der Kontakt intensiviert, und ich bin nach Vorarlberg gereist, um mich mit ihm und Georg Zellhofer auszutauschen. Offensichtlich war das Gespräch gut, und ein paar Tage später habe ich schon den Vertrag zugeschickt bekommen.

Wie sieht Ihr Tätigkeitsbereich als zweiter Co-Trainer aus?

Goigitzer: Ich bin beim Training dabei, leite aber noch keine Übungen. Dies könnte der Fall werden, wenn Grabherr wegen des UEFA-Pro-Lizenz-Kurses nicht da ist. Das hängt aber davon ab, wie Wolfgang Luisser, der erste Co-Trainer, mich einteilt. Ich helfe auf dem Platz mit, wo etwas zu tun ist, und meine Hauptaufgaben liegen in der Gegneranalyse. Die Vorbereitung auf Spiele und die Nachbereitung ebendieser. Es wird mitgefilmt, ich schneide dann wichtige Clips zusammen und schreibe eine Analyse des Gesehenen. Zusätzlich werte ich die GPS-Daten aus.

Haben Sie mit den Programmen, mit denen der SCR Altach arbeitet, bereits vorher Erfahrungen gesammelt?

Goigitzer: Nein, das ist Neuland für mich. Die einzigen Programme, mit denen ich bisher gerabietet habe, waren VLC-Player und Word. Die Einschulung war aber sehr gut, und jetzt gibt es da keine Probleme mehr.

Werner Grabherr hat über Sie gesagt, Sie hätten ein sehr gutes Auge und würden Dinge sehen, die andere nicht erkennen. Was wären das für Dinge?

Goigitzer: Ich achte viel auf kleine Details, wie zum Beispiel die Körperstellung eines Spielers. In welche Richtung ist er orientiert? Wo schaut er hin, hat er das Spielfeld vor sich? Das sind essenzielle Sachen, weil zum Beispiel viele Spieler bei der Ballannahme nur nach links sehen und dadurch den Gegenspieler von rechts aus dem Auge verlieren. Das sind Dinge, die leicht zu korrigieren sind. Technische Mängel werden wir kaum noch ausbessern können, wie ein Spieler das Spiel sieht und wie er im Kopf vorbereitet ist, jedoch schon.

Woher nehmen Sie Ihr Fußballwissen? Welche Trainerkurse haben Sie bisher besucht?

Goigitzer: Im Juli mache ich die Prüfung zum Jugendtrainer und beginne dann mit dem UEFA-B-Kurs. Mein Wissen habe ich mir über Taktikblogs im Internet wie „spielverlagerung.de“ angeeignet. Rene Maric, der Co-Trainer von Marco Rose in Salzburg, ist einer der Mitbegründer dieser Plattform. Er ist für mich ein Vorbild, weil er die Spiele sehr gut analysiert und das Entscheidungsverhalten sehr gut beurteilen kann. Er sieht die Zusammenhänge und kategorisiert nicht nur in gut und schlecht. Es ist immer wichtig, in welchem Kontext gewisse Dinge passieren. Für manche Trainer ist zum Beispiel das Ballwegschießen aus der Abwehr gut, andere mögen es nicht. Ich würde behaupten, dass ich alles, was Maric veröffentlicht hat, gelesen habe.

Sprich Sie haben sich Ihre Fähigkeiten in der Analyse im Selbststudium beigebracht?

Goigitzer: Die Analysen von Maric haben mich animiert, selbst auf einem eigenen Blog meine Gedanken niederzuschreiben. Durch das eigene Üben und das Lesen auch vieler anderer Autoren wie Martin Rafelt oder Tim Rieke habe ich viel für meine Inspiration mitgenommen. Ich strebe danach, irgendwann genauso gut zu sein wie jene Autoren, was aber schwierig werden wird, denn das sind absolute Genies für mich.

Was haben Sie vor Ihrem Engagement beruflich gemacht?

Goigitzer: Ich war Student für Geschichte und Spanisch auf Lehramt. Das ist aber jetzt auf Eis gelegt. Ich hoffe aber, dass ich nicht mehr weiterstudieren muss, denn das würde bedeuten, dass ich in Altach erfolgreiche Arbeit leiste. Das Studium war aber durchaus interessant, und die Tätigkeiten als Lehrer sind von jenen des Trainers ja nicht so weit entfernt. Das hätte zu mir auch gut gepasst.

Waren Sie schon einmal als Trainer im Erwachsenen-Fußball tätig?

Goigitzer: Ich habe eine Kampfmannschaft in Wien in der 2. Klasse trainiert, und später war ich in der zweiten Landesliga als Co-Trainer tätig

Das ist ein großer Sprung zum Co-Trainer in die Bundesliga. Wie war der Wechsel in die oberste Spielklasse?

Goigitzer: Die Fähigkeiten der Spieler in Altach sind wirklich beeindruckend. Jeder einzelne hat zumindest eine Eigenschaft, die den Spieler einzigartig macht. Das ist das Interessante, und ich habe großen Respekt vor diesen Sportlern. Es sind alle sehr respektvoll und offen. Altach ist ein spezieller Ort dafür, denn hier geht es um Leistung und nicht um große Namen. Es ist ein sehr bodenständiger Verein. Ich bin zwar jünger als viele Spieler, aber das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass ich weniger weiß oder nicht recht haben kann.
Ich komm aber nicht her und kommandiere jemanden herum. Sie sind die Spieler und wissen ganz genau, was sie zu tun haben. Viele Trainer vergessen, dass es die Akteure auf dem Platz sind, die das Geschehen bestimmen. Fußball ist eine jener Sportarten, in welcher dem Trainer die geringste Relevanz zukommt.

Sprich, Sie können nur das Konzept vorgeben, die Spieler müssen es aber umsetzen.

Goigitzer: Wir können viel vorgeben, aber wenn sie nicht wollen, müssen sie nicht danach handeln. Meine Theorie ist, man kann irgendeinen Trainer von der Straße nehmen und Real Madrid trainieren lassen, und sie werden nicht schlecht spielen. Sie werden nicht alles gewinnen, aber sie werden normal Fußball spielen. Die machen sich das in der Whatsapp-Gruppe aus, treffen sich drei Mal zum Training und spielen dann. Im Verhältnis ist das in Altach genauso. Ein Hannes Aigner oder Lars Nußbaumer können zwar von uns profitieren, Fußball spielen können sie aber auch ohne uns. Und das sogar ziemlich gut.

Sie haben Altach bereits vor Ihrem Engagement analysiert. Welche Formation passt Ihrer Meinung am besten zu den Spielern, die der SCR Altach zur Verfügung hat?

Goigitzer: Wir haben gegen Egg und Young Boys Bern 3-1-4-2 beziehungsweise 5-3-2, je nachdem wie man es interpretieren möchte, gespielt. Das funktioniert sehr gut. Abgesehen davon ist es wichtig, dass der Trainer die Spieler in die richtigen Rollen steckt.

Wie meinen Sie das?

Goigitzer: Man kann als Außenverteidiger zum Beispiel die Aufgabe bekommen, mehr ins Zentrum zu rücken, anstatt außen zu bleiben, weil man dort seine Stärken hat. Wie das zum Beispiel bei Philipp Lahm der Fall war. Die Rollen müssen auf den Spieler angepasst sein. Da können die Trainer dann mit In-Game-Coaching besser reagieren. Die Formationen geben eine Grundordnung vor, aber Flexibilität wird immer wichtiger. Diese Flexibilität und das Mitdenken sind trainierbar und können durch den Trainer gefördert werden.

„Flexibilität und das Mitdenken der Spieler werden immer wichtiger und sind trainierbar.“

David Goigitzer, Co-Trainer SCR Altach

Zur Person

David Goigitzer

geboren am 22. August 1992

in Wien

Wohnhaft in Altach

Beruf: Lehramtstudent für ­Geschichte und Spanisch ­sowie Co-Trainer beim SCR Altach

Hobbys: Fußball, Fitness, Geschichte, Freunde

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