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Die zwei Maskottchenin WM-Form

Star-Regisseur Valderrama und Kult-Tormann Higuita werden Kolumbien gegen England anfeuern. Bloß kein Eigentor schießen, das kann das Leben kosten.

Sie trugen Frisuren, die Gott Anfang der 90er-Jahre schon längst verboten hatte. Carlos Valderrama sah aus, als schiene die Sonne auf seinem Kopf. Rene Higuita war klassischer Vertreter der Vokuhila-Fraktion, noch dazu mit Naturschneckerln. Zwei Männer also, denen verantwortungsbewusste Eltern untersagt hätten, ihre Kinder von der Volksschule abzuholen. Aber: Aufs Aussehen kommt’s nicht an, wenn es um die Fertigkeit geht, einen Ball geschickt zirkulieren zu lassen oder zu verhindern, dass selbiger eine Linie überquert.

Regisseur Carlos Valderrama und Tormann Rene Higuita sind nicht nur in ihrer Heimat Kult. Jedes Mal, wenn die beiden prominenten Daumendrücker während einer Kolumbien-Partie eingeblendet werden im Fernsehen, denkt man sich: Jo mei, das waren halt noch Zeiten! Damals, bei der WM 1990 zum Beispiel, als die beiden in der Vorrunde brillierten, um dann im Achtelfinale im Kameruner Roger Milla den Meister zu finden. Besonders beim zweiten Tor machte Higuita erbärmliche Figur, er ließ sich an der Mittellinie übertölpeln vom Opa, der zum Aufstieg der Afrikaner einschoss. Egal, Fußball war ein schönes Erlebnis mit den beiden. Und froh sollen sie sein, dass es ihnen nicht ergangen ist wie Verteidiger Andres Escobar, der nach einem Eigentor bei der WM 1994 von einem enttäuschten Mann in Medellín erschossen wurde.

Heute werden die beiden pumperlg’sunden Maskottchen wieder auf der Tribüne sitzen, wenn die Nachfolger gegen England um den Aufstieg ins Viertelfinale zu spielen haben.

Zuletzt, bei der WM 2014 in Brasilien, kam die Nationalmannschaft bis ins Viertelfinale. Es war der größte Erfolg der Länderspielgeschichte neben dem Gewinn der Copa America 2001. Und James Rodriguez wurde nach teils überragenden Leistungen mit sechs Treffern Torschützenkönig. „Ich will James nicht mit mir vergleichen und ihn als meinen Nachfolger sehen“, sagt Valderrama, „aber er macht seine Sache ausgezeichnet.“

Neben James, der beim FC Bayern spielt, sind Tormann David Ospina (Arsenal), Juan Cuadrado (Juventus) und Radamel Falcao (Monaco) die Stars. Man will überraschen gegen England, auch wenn James sein Team nicht in der Außenseiterrolle sieht. „Wir haben hier in Russland schon gezeigt, wozu wir imstande sind.“ Etwa beim 3:0 gegen Polen, als Cuadrado das Spiel seines Lebens ablieferte. Der 56-jährige Valderrama, den sie immer noch „Der Bub“ nennen, und der 51-jährige Higuita freuten sich im Stadion wie die Schneekönige.

Apropos: Humberto Munoz Castro, der Andres Escobar für den entscheidenden Lapsus gegen die USA sechs Pistolenschüsse verpasst hatte, war Bodyguard mächtiger Drogenbosse. Bis heute ist ein Auftragsmord der Wettmafia wegen des Eigentores nicht ausgeschlossen.

Eigentlich bewundernswert, dass jemand, der Kolumbianer ist und Fußballer werden will, das Verhindern von Toren anstrebt. Das ist jener Mut, der England vielleicht fehlt. Dort gab’s nach einem entscheidend verschossenen Elfer im EM-Halbfinale 1996 nur ein Interview mit der Mutter des heutigen Teamchefs Southgate zu lesen. Die Schlagzeile: „Gareth, warum hast du das getan?“

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