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Freifahrtschein für Christopher Froome

Der Radsport-Weltverband zieht einen Schlussstrich unter die Dopingaffäre um Christopher Froome. Er startet am Samstag bei der Tour.

Von Gerhard Hofstädter

Er darf. Er hat eine knappe Woche vor dem Start der Tour de France den Freifahrtschein bekommen. Es war eine quälende Bergwertung über neun Monate, seit der Fall Froome am 7. September 2017 aufgerollt wurde, als beim Briten während der Vuelta überhöhte Werte des Asthmamittels Salbutamol gemessen worden waren.

Der Zeitpunkt des Freispruchs erscheint ominös. Denn ausgerechnet einen Tag nachdem sich der Tour-Veranstalter Amaury Sport Organisation zu einem juristisch delikaten Startverbot für Froome durchgerungen hatte, kam das Urteil von der UCI (Union Cycliste Internationale). Mit seinen Anwälten, denen er mittlerweile mehrere Millionen Euro bezahlt haben soll, hat Froome offenbar darlegen können, dass bei der erhöhten Salbutamol-Dosierung keine Manipulationsabsicht vorgelegen ist. Die Richtlinien der Welt-Anti-Doping-Agentur sehen mitunter vor, dass ein anormales Ergebnis auch Folge einer erlaubten Verwendung sein kann. Somit ist der erhöhte Salbutamol-Wert kein Regelverstoß. In anderen ähnlichen Fällen, wie zum Beispiel bei Alessandro Petacchi, wurde anders geurteilt, der Italiener wurde gesperrt.

Auch wenn es vielen nicht gepasst hat, durfte Froome während der Zeit der Urteilsfindung weiter Rennen fahren. Er gewann den Giro d’Italia und löste noch mehr Unmut aus, war von allen Seiten heftiger Kritik ausgesetzt. Kaum einer hatte ein Verständnis für die lange Dauer der Untersuchung. Man wolle Froome nur einen fairen Prozess garantieren, war die lapidare Erklärung der UCI.

1000 Nanogramm pro Milliliter als Rückstände des Medikaments sind in einer Urinprobe erlaubt. Diese Grenze ist deswegen legal, um auch Asthmakranken die Möglichkeit zu geben, Spitzensport zu betreiben. Dass aber so mancher Athlet angibt, an Asthma zu leiden, um mithilfe von Medikamenten die Sauerstoffaufnahme zu verbessern, ist eine Begleiterscheinung. Bei Froome wurden 2000 Nanogramm entdeckt. Schon allein aus diesem Grund hätte er suspendiert werden müssen.

Ein bitterer Beigeschmack bleibt vor dem „Grand Départ“ auf der Île de Noirmoutier an der Westküste Frankreichs. Froome kann heuer mit den fünffachen Toursiegern Jacques Anquetil (1957, 1961 bis 1964), Eddy Merckx (1969 bis 1972, 1974), Bernard Hinault (1978, 1979, 1981, 1982, 1985) und Miguel Indurain (1991 bis 1995) gleichziehen. Aber ganz Frankreich hat dann das Problem eines weiteren fragwürdigen und ungeliebten Toursiegers. Froome reist mit mehreren Bodyguards zur Tour an.

Vor allem aber: Was sind die beeindruckendsten Ritte über die Passstraßen der Alpen und Pyrenäen wert, wenn immer die Hypothek des Verdachts und der Zweifel der Öffentlichkeit auf den Schultern des gesamten Radsports lastet …?

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