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Es geht weiter wie immer – nur anders

AM SCHAUPLATZ. Marcel Hirscher macht weiter, erzählte er fast 100 Journalisten. Offen ist, wie genau. Von Michael Schuen

Die Kulisse ist malerisch, fast wie immer, möchte man sagen. Denn wenn Marcel Hirscher – oder besser der Salzburg Tourismus – zum schon traditionellen Sommergespräch lädt, dann sucht man sich schon schöne Flecken aus. So wie das Schloss Fuschl mit seiner Schlossfischerei. Eine Aussicht, die einem fast den Atem nimmt. Umrahmt von fast 100 Medienvertretern, die alle nicht wirklich wissen, was zu erwarten ist. Und auch mehrere Dutzend Schaulustige haben wohl Wind davon bekommen, dass hier einer der ganz Großen auftritt – Marcel Hirscher eben.

Der macht es auch kurz, nachdem er das traditionelle Geschenk der Salzburger Touristiker (diesmal ein Bild des Unterbergs des Salzburger Künstlers Hans Weyringer) in Empfang nahm und neben den (Olympia-)Medaillen und (Weltcup-)Pokalen posierte: „Die kommende Saison wird eine sein, die fortbestehend mit mir stattfinden wird“, sagt er. (Soll heißen: „Ja, ich mache weiter!“, worauf zahlreiche Journalisten hektisch auf allem tippen, mit dem sich Nachrichten verschicken lassen, die Welt braucht diese gute Nachricht schnell.) Zusatz: „In welcher Form auch immer. Wie es aussieht, das kann ich nicht sagen.“ Das Tippen der Medienvertreter dauert an, intensiviert sich, ebbt ab – das Gespräch kann beginnen.

Es habe, erzählt Hirscher, schon einige Zeit gebraucht nach der Saison, um sich klar zu werden, was werden soll. Bis die Leere im Kopf und im Körper – „und die ist jedes Jahr da“ – wieder gefüllt war mit neuer Energie. Langsam reifte der Entschluss in ihm, es weiter zu versuchen. Denn „die Schneid, Auf Wiedersehen zu sagen, die habe ich nicht“, scherzt er. Er wolle, sinniert er, seine sportliche Laufbahn eher langsam ausklingen lassen. Und die kommende Saison mit frischem Elan angehen, mit (fast) demselben Team, das so ausgezeichnet zusammenarbeitet und die großen Erfolge erst möglich macht. Nur eben anders soll es sein als bisher – dafür zeichnet das Private verantwortlich.

Jung-Ehemann ist der 29-Jährige, das weiß man. Und sehen kann man es auch, denn der Annaberger trägt einen Ehering am Ringfinger der rechten Hand. Nur reden will er nicht über die Meldungen, die allen Medien mehrere Tage Rekordzugriffe bescherten. Es gibt für ihn nichts zu sagen, betont er. „Euch“, sagt er und sieht die an, die ihn seit einem Jahrzehnt begleiten, „würde ich ja gern was erzählen. Aber ich will meine Privatsphäre schützen, ich will nicht, dass jeder weiß, was ich wann und wo und wie getan habe. Und ich will – darum bitte ich jetzt schon – auch nicht, dass meine Kinder auf Fotos oder auf andere Art und Weise zu sehen sind.“ Nur so viel lässt er sich entlocken: „Es war ein wunderbarer Tag.“ Gemeint ist die Hochzeit. Und, dass der Moment, in dem er erfuhr, im September Vater zu werden, emotionaler war als alles andere. „Nein“, sagt der auf die Frage, ob jemals ein Satz mehr in ihm ausgelöst habe. Die Folge: Neuordnung der Prioritäten, der neue Hirscher wird dem Skisport nicht mehr alles unterordnen: „Ich werde andere Aufgaben haben als den Skisport. Ich will die Rolle als Vater gut ausfüllen.“

Womit man wieder beim Sportlichen ist, über das spricht er lieber, wenn auch nicht wirklich gern. Nein, das Thema Abfahrt sei erledigt, das spiele es nicht. „Ich bin nicht mehr bereit, dieses Projekt zu machen, fünf Jahre zu investieren. Die ersten zwei, um die Strecken kennenzulernen, dann, um besser zu werden – und um dann vielleicht festzustellen, dass ich erst zu spät damit begonnen habe.“ Deshalb heißt es eben: Alles bleibt bei Hirscher, wie es immer war – nur anders. Man darf gespannt sein, wann und wie er wirklich Rennen fahren wird. Sicher ist: Er wird nicht weniger trainieren bis dahin – „nur perfekter“.

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