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Der „Maestro“, den die Spieler hoch verehren

Den beharrlichen Erfolg hat das Nationalteam von Uruguay auch der Weisheit des Trainer-Philosophen Oscar Tabarez zu verdanken.

Es ist das jugendliche Glitzern in seinen Augen, das der Mannschaft von Uruguay einen zusätzlichen Kick verleiht. Oscar Tabarez ist mit seinen 71 Jahren der älteste Trainer dieser Weltmeisterschaft, und er schafft den besonderen Spagat. Einerseits versprüht er eine fast kindliche Begeisterung, andererseits verleiht er diesem Amt eine glanzvolle Würde. Das liegt auch an seiner Erziehung und Ausbildung, die ihn zum (einst unterrichtenden) Professor beförderte und weshalb er in der spanischsprachigen Welt einfach „El Maestro“ genannt wird.

Durch ein Nervenleiden in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt, wählt Tabarez in seiner Sprache eine ganz eigene Tonart, der er freien Lauf lässt. Dann fallen Sätze wie: „Der Fußball ist nicht das Wichtigste, aber er ist ein Vehikel, um zu bedeutenderen Dingen zu gelangen.“ Oder, im Zusammenhang mit der jugendlichen Aufstellung seines Mittelfeldes beim 2:1-Sieg gegen Portugal (Torreira/20, Betancur/21, Nandez/22, Vecino/25): „So gewinnen sie Zeit, das ist auch Albert Einstein nicht gelungen.“

An oberster Stelle aber positioniert Tabarez den wechselseitigen Respekt. „Wir müssen vorsichtig sein, wenn wir uns in einigen Dingen als einzigartig betrachten, denn das ist ein Mangel an Demut.“

Schon Teamchef von 1988 bis 1990, trainiert der Mann aus Montevideo seit 2006 uneingeschränkt die „Celeste“ („die Himmelblaue“), mit beachtlichem Erfolg für ein Land mit 3,4 Millionen Einwohnern. 2010 in Südafrika gab es Platz vier, 2014 in Brasilien das Achtelfinale, und jetzt steht Uruguay bereits im Viertelfinale. Die enormen taktischen Fähigkeiten von Tabarez sind ebenso unbestritten wie seine natürliche Autorität, welcher die Spieler bedingungslos ergeben sind. Sie achten und sie lieben ihn und sie vertrauen ihm. „Er ist der Vater des Erfolgs und für die gesamte Entwicklung der Nationalmannschaft verantwortlich“, sagt Stürmerstar Edinson Cavani, dessen Einsatz im heutigen Viertelfinalduell mit Frankreich wegen eines Blutergusses in der Wade mehr als fraglich ist. Abwehrchef Diego Godin reagierte empört auf die Frage eines Journalisten, ob denn Tabarez nicht abgelöst werden sollte: „Bist du verrückt?!“

Tabarez möchte nicht über die Krankheit sprechen, deren Diagnose er vor zwei Jahren erhielt. Und manchmal vergisst er sie, wie beim Torjubel, wenn er aufspringt und seine Krücken links und rechts liegen lässt.

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