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Belgien spielte brasilianischer als Brasilien

Die „Roten Teufel“ schalten den Topfavoriten dank einer tollen ersten Halbzeit mit 2:1 aus und treffen im Semifinale auf Frankreich.

In Kasan, wo sich schon Deutschland und Argentinien von der WM-Endrunde verabschiedet hatten, erwischte es gestern im Viertelfinale den nächsten Ex-Weltmeister. Brasilien, die Nr. 2 der FIFA-Weltrangliste, musste sich Belgien, der Nr. 3, mit 1:2 geschlagen geben. Damit ist aus der WM eine EM geworden, der Champion 2018 wird auf jeden Fall aus Europa kommen. Für Belgien, nunmehr seit 23 Partien unbesiegt, ist es die erste Semifinalteilnahme seit 1986, Gegner um den Platz beim Showdown ist Frankreich – der nächste vorprogrammierte Hit.

Der Sieg der technisch mindestens gleichwertigen Belgier war hochverdient und ganz weit weg von einer Überraschung oder gar Sensation. Trainer Martinez überraschte mit einer gefinkelten Formation, ließ Spielmacher De Bruyne neben Lukaku und Eden Hazard an vorderster Front angreifen. Sobald der Ball dem Trio zugepasst wurde, begann die Angriffsmaschinerie gnadenlos zu laufen. Die brasilianische Defensive, mit nur einem Gegentreffer bei dieser WM bislang das Prunkstück, wurde phasenweise schwindlig gespielt. Überhaupt: Die Südamerikaner waren unter Coach Tite 19 Mal ohne Gegentor geblieben, und wenn es einschlug, dann höchstens einmal pro Match.

Die Partie nahm sofort Fahrt auf. Nach einem Corner prallt die Kugel Thiago Silva auf den Oberschenkel und von dort an die Stange (8.). Belgien im Glück, das anhalten sollte. Eckball auf der anderen Seite, und Fernandinho, der statt des gesperrten Casemiro mitwirken durfte, passierte ein Eigentor (13.). Brasilien fehlten die Mittel, sich durch das rote Bollwerk zu kombinieren, also versuchte man es aus der Distanz. Neymar? Der 222-Millionen-Mann fiel durch mehrere Aktionen auf. Erst wurde er verarztet, dann plumpste er zwei Mal im Strafraum zu Boden, das zweite Mal gänzlich ohne Berührung.

In Minute 31 fiel die Vorentscheidung. Belgien erobert den Ball, schickt Lukaku auf die Reise, der rennt an zwei Gegnern vorbei und spielt in den Lauf von De Bruyne, der mit einem strammen Schuss Tormann Alisson keine Chance lässt.

Nach der Pause brachte Tite mit Firmino einen weiteren Stürmer, Brasilien gab Gas. Gabriel Jesus gibt Vertonghen im Fünfer ein Gurkerl, Kompany wirft sich in die Beine, hier hätte man einen Elfer andiskutieren dürfen. Der Sturmlauf ging weiter, doch die belgische Hintermannschaft inklusive Goalie Courtois stand wie eine Mauer.

Eine Viertelstunde vor Schluss begann diese Mauer zu bröckeln. Renato Augusto, ebenfalls eingewechselt, köpfelt eine Flanke von Coutinho zum 1:2 ins Eck. Endlich trat auch Brasilien brasilianisch auf, erhöhte den Druck, der Ausgleich wäre verdient gewesen. Bloß: Firmino, Renato Augusto, Coutinho trafen das Tor nicht, der Schiri fiel auf die dritte Schwalbe Neymars nicht hinein, Courtois holte in Minute 94 einen Schuss Neymars aus dem Kreuzeck.

Brasilien wird sich wohl den Vorwurf gefallen lassen müssen, zu spät mit dem Fußballspielen begonnen zu haben.

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