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Homo ludens: spiel, spiel!

Weil der Mensch gerne spielt, aber der unnachgiebigen Klarheit von Sieg und Niederlage im echten Leben nicht immer ganz so viel abgewinnen kann, kommen ihm fremde Turniere und ferne Stellvertreterpartien manches Mal gerade recht. Die großen Gefühle bleiben dieselben, man nimmt sie nach dem zweiten Bier bloß nicht so dauerhaft persönlich. Man gönnt sich Wut und Hoffnung, Fluch und Segen, Freund- und Feindschaften, Einstellungen und Aussetzer, fröhliches Jubilieren und bizarre Ausfälligkeiten, Nervenkrieg en miniature und stets gewissenlos einen weiteren Schnaps. Man nutzt die Gelegenheiten und macht böse Miene zum schlechten Spiel, ohne Gefahr zu laufen, als unguter Mensch zu gelten. Man kennt alle Regeln und bleibt ihnen doch begeistert fremd. Und während den einen jedes Match abgekartet erscheint, als ein Kartenspiel, in dem die Trümpfe nur der Schiedsrichter in der Hand hat, nützen es die anderen heimlich, um sich Pech beim Zuschauen, aber Glück in der Liebe zu wünschen.

Begonnen hat das Fußballspielen vielleicht als militärisches Ausbildungsprogramm für Soldaten im zweiten Jahrtausend v. Chr. in China, als man sich brutal und regellos auf mit Tierhaaren und Federn gefüllte Ideen eines Balles stürzte. Im 15. Jahrhundert rang man sich in Italien sprichwörtlich zum Calcio Storico durch. Auf einem kirchplatzgroßen Feld wurde nach der Messe um eine Lederkugel aufeinander eingeprügelt, man spielte Körperverletzung mit Toren, in schönster Sonntagstracht, sodass, um Missverständnissen aus dem Weg zu gehen, festgehalten wurde, dass in jedem Falle die bessere und nicht die besser gekleidete Mannschaft den Sieg davontrüge. Eine Regel, die zum Unglück weniger bis heute gilt. In so mancher Halbzeit stelle ich mir winzig kleine Zeitreisen vor, die die zeitgenössischen Stars ins damalige Spiel bringt, sehe Ronaldo erstaunt zwischen frommen Kirchgängern zu Boden fallen, Kane höflich Beschwerde einlegen, und Neymar flott vor einer Gruppe alarmierender Florentiner in Hut und Anzug Reißaus nehmen.

Wo gespielt wird, bleibt es spannend. Man darf fiebern mit kalten Händen und heißen Herzen. Während man im Fußball stets weiß, wie es steht, fragt man sich im Leben, wie weit man zu gehen bereit ist. Ein Freund, der auch jenen Spielen mit Zahlen nicht abgeneigt ist und die Weltmeisterschaft auf seine Art ausgesprochen ernst nimmt, trinkt jeweils passend zum Wettkampfzeitpunkt seinen Wein ausschließlich als Achterl, Vierterl oder auf die Halbe. Schon jetzt lässt sich sagen: Sein Finale wird ein Rausch. Game on.

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