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Helden auf den Straßen der Tour

Analyse. Die Tour de France, die Jagd auf Chris Froome läuft. Wer kann dem Briten heuer Gelb und Ruhm streitig machen? Von Georg Michl

Der Vorhang hat sich in Frankreich gehoben: Die 106. Tour de France wurde mit dem Teilstück von Noirmoutier-en-l’Île nach Fontenay-le-Comte eröffnet und nach 201 Kilometern zur Angelegenheit der Sprinter. Den Sieg sicherte sich der Kolumbianer Fernando Gaviria bei seinem ersten Antreten. Doch wer wird das Geschehen in den kommenden drei Wochen prägen, wer trägt am 29. Juli das Gelbe Trikot des Gesamtsiegers auf der Avenue des Champs-Élysées?

Die Tour wird in den Bergen der Alpen und Pyrenäen entschieden und das sind die heißesten Aktien …

Chris Froome (Sky). Der Mann mit hoher Trittfrequenz, dem komischen Fahrstil und aktuell niedrigem Glamourfaktor ist der Zampano im Peloton. Vom Salbutamol-Skandal wurde Froome (33) jüngst (zum Missfallen vieler Fans) freigesprochen und darf nun auf den fünften Sieg losgehen. Er hat mit Sky wieder eine unglaubliche Mannschaft um sich, die das Peloton kontrollieren und in den Bergen das Tempo diktieren kann – wie einst die Equipe von Lance Armstrong. Mit dem Giro-Triumph in der Tasche ist das Selbstvertrauen größer denn je – dass die Fans pfeifen, wird ihn nicht stören.

Nairo Quintana und Alejandro Valverde (Movistar). Die Spanier sind mit einer Doppelspitze in Frankreich. Kapitän ist der Kolumbianer Quintana, der seit Beginn der Karriere als Berufsradfahrer als potenzieller Tour-Sieger gilt. Der Sieg in Frankreich fehlt dem „Andenkondor“ (1,66 m/59 kg) nach zwei zweiten und einem dritten Platz noch. In Italien (2014) und Spanien (2016) hat er schon gewonnen. Ihm zur Seite steht der bergfeste Valverde: mit 38 Jahren im Spätherbst seiner Karriere aber stets ein Kandidat für Attacken im steilen Terrain.

Vincenzo Nibali (Bahrain). Der „Hai von Messina“ hat heuer alles zwei Stationen untergeordnet: der Tour und der WM in Innsbruck. Der begnadete Abfahrer hat die Tour bereits 2014 gewonnen. Beim Thema Doping gab es Verdächtigungen (auch wegen der Arbeit mit Armstrong-Arzt Ferrari), doch die Dopinglinie der Familie macht Vater Salvatore deutlich: „Ich würde ihn mit eigenen Händen töten und ihm zuvor die Augen ausreißen.“

Romain Bardet (AG2R). Die Hoffnungen der Grande Nation auf den ersten Heimsieg 33 Jahre nach dem fünften Triumph von Bernard Hinault lasten auf dem 27-Jährigen. Der Druck ist da. „Jeder französische Fahrer, der nach oben kommt, muss da durch“, sagt Bardet. Man darf gespannt sein, ob das Team um ihn so reif ist, dass es ihn auf dem Weg nach Paris schützen und unterstützen kann.

Tom Dumoulin (Sunweb). Zeitfahren kann der große Niederländer wie kein zweiter, mittlerweile ist er auf dem Berg auch ganz vorne dabei – allerdings nur mit seinem eigenen Rhythmus. Spritzig ist er in Steigungen nicht sonderlich, aber konstant. Er ist nach Platz zwei beim Giro nicht als Kapitän ausgewiesen – diese Ehre hat Sprinter Michael Matthews.

Die Sprint-Asse haben am Ende zwar nichts mit Gelb zu tun, aber diese kräftigen Herren sorgen auf der Ebene für die Show:

Peter Sagan (Bora). Seit 2011 trägt der slowakische Rockstar auf der World-Tour kein „normales“ Teamtrikot mehr. Die Farben des Welt-, Europa- und Landesmeisters zieren stets seine Brust. Nach seinem Ausschluss im Vorjahr (er drängte Mark Cavendish in die Bande) will er zum sechsten Mal in Paris das Punktetrikot tagen.

Fernando Gaviria (Quick-Step). Der ehemalige Bahnfahrer (Omnium-Weltmeister 2015 und 2016) hat mit dem Sieg der Punktewertung und vier Etappensiegen beim Giro 2017 sein Potenzial bereits mehr als gezeigt. Nun hat er erstmals die französische Bühne betreten und gleich mächtig eingeschlagen. Mit dem wohl stärksten „Zug“ beim Anfahren der Sprints brennt er auf Siege.

Marcel Kittel (Katusha). Der Deutsche fährt seine erste Saison für den schweizerisch-russischen Rennstall und muss langsam liefern. Mit 14 Etappensiegen bei der Tour de France weiß er, wie es geht. Ihm fehlt mit dem verletzten Marco Haller aber ein wichtiger Mann im Sprint-Zug.

Mark Cavendish (Dimension Data) ist nach seinem kapitalen Sturz bei Mailand–San Remo schwer einzuschätzen. 30 Etappen er bei der „Großen Schleife“ schon geholt. Immer heiß: Altmeister Alexander Kristoff (UAE), Dylan Groenewegen (Lotto NL Jumbo) und John Degenkolb (Trek).

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