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Wintermantel feierte kurze Renaissance

AM SCHAUPLATZ. Bei Kälte, Regen, Wind und Nebel radelten die Profis und viele Fans auf den Großglockner. Weening siegte wieder. Von Philip Edlinger

Mitten im Juli den Wintermantel auszupacken, das klingt für den geübten Österreich-Urlauber nach einer ziemlich gewöhnungsbedürftigen Maßnahme. So kämpften vor allem die zahlreich auf den Glockner gepilgerten Touristen mit den Außentemperaturen von nur drei Grad Celsius, Nebel und Nieselregen am Fuscher Törl inklusive. Doch auch die einheimischen Fans, viele von ihnen hatten sich auch von dieser Witterung nicht davon abhalten lassen, mit dem eigenen Drahtesel auf über 2400 Höhenmeter zu klettern, ließen sich davon überrumpeln. „Zum Herauffahren sind solche Temperaturen gar kein Problem, immerhin scheint einem nicht die Sommersonne auf den Kopf“, erklärt der Steirer Helmut Kolb, der schon zum siebenten Mal während der Glockner-Etappe selbst in die Pedale getreten hat. Er bekämpft den Berg traditionell mit seinen Kumpels Hans-Peter Schwendinger (Vorarlberg) und dem Salzburger Sebastian Illmar, um im Ziel die Fahrer des Teams Vorarlberg lautstark zu unterstützen.

Was den drei wackeren Burschen jedoch zu schaffen machte, war die Feuchtigkeit. „Wir sind bei Regen im Pongau weggefahren, dazwischen hat es wohl aufgehört, doch einen Kilometer vor dem Ziel wurden wir wieder nass. Das ist bei der Kälte zum Hinunterfahren mehr als suboptimal“, sagt „Lokalmatador“ Illmar. Schwendinger fügt schmunzelnd an: „Na ja, immerhin waren wir ziemlich schnell heroben am Fuscher Törl. Denn wenn es so neblig ist, braucht man gar nicht stehen bleiben, um den Ausblick zu genießen, es gibt eh keinen.“ Froh waren sie zudem, dass sie nicht von der Kärntner Seite gekommen waren: „Da war das Wetter ja noch schlechter.“

Ex-Radprofi Thomas Rohregger zollt nicht nur dem Feld der Profis, sondern vor allem den eisernen „Zivilisten“ Tribut: „Die sind einfach ein Wahnsinn bei diesen Bedingungen. Jetzt ist es schon für die Profis eine der schwereren Übungen, die man auf der Glockneretappe bewältigen muss, für Amateure erst recht. Aber auch das ist eine tolle Werbung für den Radsport“, ist der Innsbrucker begeistert.

Worauf es für einen Fahrer bei Wind und Wetter ankommt, weiß der Gesamtsieger von 2008 genau: „Es ist eine Kopfsache. Da darf man nicht viel über die Bedingungen nachdenken. Das liegt manchen Fahrern mehr, manchen weniger.“ Genaue Kenntnisse über den eigenen Körper seien ebenso unabdinglich: „Da muss man anständig Kalorien aufnehmen. Wärme spendendes Körperfett ist wichtig. Auskühlen ist ganz schlimm.“

Am besten bewältigt hat diese Herausforderungen – wie schon im Vorjahr übrigens – der Holländer Pieter Weening. Der 37-Jährige vom Roompot-Team wies den Russen Alexander Foliforov (Gazprom) um 48 Sekunden und Antonio Nibali (Bahrain Merida) aus Italien mit einem Vorsprung von 1:10 Minuten in die Schranken. Als bester Österreicher landete der Niederösterreicher Ricardo Zoidl, der im Gesamtklassement vier Sekunden auf den Gesamtführenden Ben Hermans (7./BEL) gutmachte, mit 1:35 Minuten Verspätung auf Rang sechs. Gesamt bleibt Hermann Pernsteiner, der ex aequo mit Hermans eintrudelte, als Zweiter bester Österreicher. Doch Zoidl, jetzt schon auf Platz sieben, hat Blut geleckt: „Das Podest ist drinnen.“ Heute erwartet er von Knittelfeld nach Wenigzell „das Schlimmste. Vorentscheidungen sind möglich.“

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