Sport

„Derzeit sind wir nur am Reagieren“

11.07.2020 • 21:06 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Mannschaftsbild des HC Hard. Im Vordergrund Trainer Mario Bjelis und Neuverpflichtung Marko Krsmancic. <span class="copyright">Studio Fasching</span>
Mannschaftsbild des HC Hard. Im Vordergrund Trainer Mario Bjelis und Neuverpflichtung Marko Krsmancic. Studio Fasching

Thomas Huemer (44) vom HC Hard über aktuelle Herausforderungen.

Eine neue Verordnung trat vergangene Woche in Kraft, nach der ein normaler Betrieb wieder möglich schien. Doch dann kamen Änderungen und viele Unklarheiten, was nun erlaubt ist. Wie sieht der aktuelle Stand der Dinge aus?
Thomas Huemer: Bei den Unklarheiten hat sich nicht viel verändert, mit der Ausnahme, was wir gemacht haben. Am Montag hat sich die ganze Mannschaft, inklusive Betreuer und Vorstand beim Drive-In in Röthis getestet. Anschließen haben wir schnell unsere zum Glück alle negativen Bescheide erhalten. Danach konnten wir wieder normal in der Halle trainieren. Ansonsten müssen wir derzeit abwarten, was für neue Verordnungen kommen. Der Ligastart ist für Anfang September geplant. Derzeit sind wir eher am Reagieren, als am Agieren.

Kam die Notwendigkeit der Tes­tungen für euch überraschend?
Huemer: Ja. Es ist die Verordnung rausgekommen, wonach alles frei ist. Kurz vor Trainingsstart ist eine neue Mail mit dem Inhalt gekommen, dass Spitzensportler einen Test absolvieren müssen. Erst dann kann man starten.

Warum soll dies nur Spitzensportler betreffen? Bei denen ist eine Ansteckungsgefahr ja nicht höher.
Huemer: Das ist eine gute Frage, die ich und der Verband nicht beantworten können. Spitzensportler schauen noch mehr auf ihre Gesundheit, weshalb ich es sogar noch unverständlicher finde. Zudem befinden wir uns in keiner aktiven Meisterschaft. Ab und zu hat man nicht für alles die richtige Antwort. Wir warten auf Neuigkeiten aus Wien und werden dementsprechend handeln.

Thomas Huemer im Jahr 2015. <span class="copyright">Steurer</span>
Thomas Huemer im Jahr 2015. Steurer

Würde man sich mehr Klarheit vom Verband oder der Regierung wünschen?
Huemer: Dem Verband kann man überhaupt keinen Vorwurf machen. Da werden wir top unterstützt. Die hängen mit Nationalteam und Trainingslagern auch mittendrin und wollen Gewissheit haben, was sie machen dürfen.

Und von der Regierung?
Huemer: Ich denke, Erwartungen zu schüren, wäre zu hoch gegriffen. Sie wissen, was sie tun. Sie haben die Gesamtverantwortung, was von der Allgemeinheit vielleicht etwas unterschätzt wird. Man muss vorsichtig sein. Wir wissen, dass wir ein Kontaktsport sind und die Verantwortung für Spieler und deren Familien tragen. Deshalb halten wir uns genau an die Verordnungen. Natürlich wollen wir wieder schnellstmöglich Handball spielen, aber man muss auch auf die Gesamtbevölkerung achten. Daher stelle ich keine Schuldzuweiseungen in irgendeine Richtung an. Momentan heißt es einfach abwarten.

Das Training ist wieder angelaufen. Ist es nun in einem gewohnten Rahmen möglich?
Huemer: Absolut. Es war erstaunlich gut. Am Mittwoch war das erste Training unter normalen Umständen. Nach längerer Zeit muss man natürlich aufpassen, dass man sich nicht gleich übernimmt und die Jungs wieder langsam starten. Aber wir haben ein gutes Konzept, und die Jungs hatten wieder Freude, einen Ball in der Hand zu haben.

Luca Raschle wird auch in dieser Spielzeit für den HC Hard auf Torejagd gehen. <span class="copyright">stiplovsek</span>
Luca Raschle wird auch in dieser Spielzeit für den HC Hard auf Torejagd gehen. stiplovsek

Das eigene U20-Team musste nicht getestet werden. Gibt es nun eine Abgrenzung, um die Ansteckungsgefahr gering zu halten?
Huemer: Ganz klar. Wenn wir einen nachholen würden, würden wir ihn sofort testen lassen. Aber momentan haben wir junge Spieler in der Mannschaft, und die U20 trainiert separat, weil auch nicht 25 Spieler in der Halle stehen können.

In welcher Form gespielt werden kann, ist noch nicht sicher. Wären Geisterspiele wirtschaftlich überhaupt durchführbar?
Huemer: Wir streben an, dass wir überhaupt spielen. Wir arbeiten an einem Konzept, wo man alle Spiele von uns live sehen kann. Wir sind mit TV-Sendern und Online-Plattformen am Diskutieren. Natürlich können wir uns aber vorstellen, auch ohne Zuseher zu spielen. Finanziell ist das zwar nicht gut, aber noch überschaubar. In Deutschland gibt es einige Vereine, die Zuschauer brauchen, damit sie überhaupt überleben. Das ist bei uns relativ. Es geht, wir können auch ohne Zuschauer überleben, aber es ist dann eine andere Sportart. So ehrlich muss man es sagen. Handball lebt von Emotionen und den Zuschauern. Einige Vereine trifft es leichter, wenn sie von Haus aus nicht so viele Zuseher haben. Für uns ist das schwieriger, weil wir doch froh sind, recht gut besucht zu sein. Aber für uns ist wichtig, dass man überhaupt den Meisterschaftsbetrieb starten kann. In welcher Form auch immer.

Wie sieht die wirtschaftliche Lage beim HC Hard überhaupt aus?
Huemer: Das wird sich erst in der näheren Zukunft zeigen. Momentan kann man es noch nicht abschätzen. Natürlich haben wir Fonds in Anspruch genommen und Spieler in Kurzarbeit geschickt. Derzeit ist es aber aufgrund unserer treuen Sponsoren noch überschaubar.

Mario  Bjelis ist der neue Trainer beim HC Hard. <span class="copyright">Verein/Köß</span>
Mario Bjelis ist der neue Trainer beim HC Hard. Verein/Köß

Kommen wir noch zum sportlichen Part. Die größte Veränderung war jene des Trainers. War Mario Bjelis denn der Wunschkandidat?
Huemer: Wir haben uns auf dem Markt umgeschaut. Da waren einige interessante Bewerber dabei, und Bjelis kennt den österreichischen Handball gut und hat bereits selbst in Hard gespielt. Wir wissen, wie er tickt und was er kann. Teilweise kennen ihn auch die Spieler noch. Daher ist die Entscheidung leicht gefallen, und die Zusammenarbeit ist bis jetzt gut.

Wie will er den Handball spielen? Was wird sich am Parkett verändern?
Huemer: Die kroatische Schule ist etwas schneller. Er hat einschneidende Gedanken. Es wird viel über die Flügel agiert werden. Mit Marko Krsmancic haben wir einen neuen Mittelspieler, der sehr wurfgewaltig ist. Wir freuen uns, zu zeigen, was wir können.

Und wie sieht es mit der Kaderplanung aus? Ist diese bereits abgeschlossen?
Huemer: Die ist grundsätzlich abgeschlossen. Auch weil wir nicht wissen, wann und wie wir anfangen können. Wir haben sicherlich eine konkurrenzfähige Mannschaft. Es sollen zudem Spieler mehr Verantwortung erhalten, die vergangenes Jahr nicht so viele Spielanteile hatten. Unser Kader ist stark genug.

Marko Krsmancic (l.) war bereits von 2011-2015 bei Hard. Golub Doknic ist damit der alte und neue Teamkollege.<span class="copyright">GEPA/lerch</span>
Marko Krsmancic (l.) war bereits von 2011-2015 bei Hard. Golub Doknic ist damit der alte und neue Teamkollege.GEPA/lerch

Was sind die Ziele für eine hoffentlich normale Saison?
Huemer: Mit Hard muss man das Ziel haben, ganz oben zu stehen und um die Meisterschaft mitzuspielen. Das hat sich durch die Situation nicht verändert.

Ein frühzeitiger Abbruch aufgrund einer neuerlichen Welle wäre wohl der Worst-Case-Fall.
Huemer: Es ist immer der worst Case, wenn keine ganze Meisterschaft durchgespielt werden kann. Beim System mit Viertel-, Halb- und Finale kann vieles passieren. Man kann davor dominieren, dann zwei Ausfälle haben, und schon wird es schwierig. Wir wollen handballerisch einen Schritt weiterkommen. Das ist das oberste Ziel. Und positiv wirtschaften steht bei uns auch im Vordergrund.

Abschließende Frage: Hard hat sich gegen eine Teilnahme am internationalen Geschäft entschieden. Was ist die Begründung?
Huemer: Wir haben uns dieses Jahr klar dagegen entschieden, weil wir keine Planbarkeit haben. Wir können uns auch nicht wie die Fußballer vor jedem Spiel Testungen leisten. International zu spielen ist keine lukrative Angelegenheit, sondern man muss Geld in die Hand nehmen. Zudem darf man nicht vergessen, dass wir keine reine Profitruppe sind. Wir wollen nicht, dass Spieler von gewissen Ländern zurückkommen und in Quarantäne müssten. Davor wollen wir sie schützen, und deswegen gehen wir dieses Risiko nicht ein.

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