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Klopp tanzte trotz „Bullshit-Virus“

23.07.2020 • 09:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jürgen Klopp (links)
Jürgen Klopp (links) AP

Liverpool feierte mit Team und Trainer ersten Meistertitel seit 30 Jahren.

Premier-League-Champion Liverpool will sich nach dem ersten englischen Meistertitel seit 30 Jahren nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Das versprach der tanzende Trainer Jürgen Klopp nach der Übergabe des Meisterpokals am Mittwochabend im Anfield-Stadion. Der Glücksmoment folgte einem 5:3-Spektakel gegen Chelsea, das die Offensivpower der „Reds“ in dieser Saison noch einmal verdeutlichte.

Immer wieder jubelte, tanzte, sang und lachte der deutsche Trainer während der wegen der Covid-19-Pandemie doch etwas surrealen Zeremonie im fast leeren Stadion. Dort nahm Kapitän Jordan Henderson kurz zuvor von Klub-Legende Kenny Dalglish, der mit rotem Liverpool-Mundschutz etwas abseits stehen musste, bei Feuerwerk und Konfettiregen die heiß ersehnte Trophäe entgegen. Unter Coach Dalglish hatte Liverpool zuvor zuletzt 1990 die englische Meisterschaft gewonnen.

„You’ll Never Walk Alone“

„Ein großartiger Moment“, sagte Klopp. „Es bedeutet die Welt für mich.“ Arm in Arm sang der frühere Dortmund-Trainer mit den Profis das legendäre „You’ll Never Walk Alone“ vor der mindestens ebenso legendären Fan-Tribüne, genannt „the Kop“. „Wir sind jetzt Champions von England, Europa und der Welt. Ich weiß, wie sich das anhört, aber das ist die Wahrheit“, meinte der 53-Jährige und erinnerte damit an den Gewinn der Champions League und der Klub-WM im vergangenen Jahr. „Ich könnte nicht stolzer sein.“

Einzig das leere Stadion trübte den historischen Abend. Auch Klopp schien das zu spüren und wandte sich irgendwann direkt an die Fans. „Trinkt was ihr wollt und macht euch bereit für eine Party, ich weiß nur nicht wann. Wenn dieser Bullshit-Virus vorbei ist“, sagte er. „Wir werden später eine gemeinsame Party machen.“

Gedanken an die Zukunft

Auch Henderson richtete sich in einer Video-Botschaft an die Anhänger. „Wir haben sie für euch hochgehalten. Ihr habt dafür gesorgt, dass wir diesen Traum erleben dürfen“, sagte der englische Nationalspieler und fügte mahnend hinzu: „Unterstützt uns von zu Hause aus oder in sicherer Umgebung.“ Sogar während der von der riesigen Fangemeinde weltweit so herbeigesehnten Krönung dachte Klopp aber auch schon an zukünftige Aufgaben. Die Rivalen in England würden alles versuchen, die Lücke zu schließen, warnte er. In der Champions League blieb der Titelverteidiger heuer schon im Achtelfinale an Atletico Madrid hängen, dort möchte man in der kommenden Saison wieder höher hinaus.

„Wir werden nicht aufhören. Wir haben interne Herausforderungen vor uns, und jeder Spieler kann sich verbessern“, kündigte Klopp an. Und wer würde jetzt an seinen Worten zweifeln wollen? „Vor fünf Jahren habe ich die Fans gebeten, an uns zu glauben. Ich habe den Zweiflern gesagt, sie sollen an uns glauben und uns folgen“, erinnerte der gebürtige Stuttgarter an seinen Amtsantritt im Oktober 2015, als Liverpool in Mittelfeldkämpfe verstrickt war. Diese Zeit liegt nun hinter den „Reds“.

Nach seiner Übernahme baute Klopp eines der besten Teams in Europa auf. Die Offensiv-Stars um Sadio Mane, Mohamed Salah und Roberto Firmino sowie Virgil van Dijk und Torhüter Alisson Becker haben jeweils einen gewaltigen Sprung gemacht und gehören zu den weltbesten Profis. Nun gelang der nächste Klopp-Coup.