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Die Insolvenzen der Bundesliga

06.08.2020 • 12:48 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Diesmal hat es Mattersburg verwischt
Diesmal hat es Mattersburg verwischt (c) Balint Radu – Fotolia

Mattersburg ist nicht der erste Club, der sich verabschieden muss.

Der SV Mattersburg ist nicht der erste Club, der sich wegen finanzieller Turbulenzen aus der Fußball-Bundesliga verabschieden muss. Auch Ex-Meister wie FC Tirol und GAK waren bereits betroffen. Nicht alle Konkursverfahren endeten mit einem Lizenzentzug. Ein Überblick über die wichtigsten Insolvenzen von Clubs der höchsten österreichischen Spielklasse seit Bundesliga-Gründung 1974 und deren Folgen:

Union Wels: Die Oberösterreicher mussten Konkurs anmelden und zogen sich noch während der Saison 1983/84 aus der damals mit 16 Vereinen gespielten höchsten Spielklasse zurück.

Kremser SC: Eröffnung eines Ausgleichsverfahrens im Juli 1990. Eine 40-prozentige Quote wurde zwischenzeitlich bezahlt. Der Club hielt sich daraufhin bis 1992 in der Bundesliga, ging nach einer Talfahrt in die Landesliga aber 1996 in Konkurs.

Wiener Sport-Club: Während der Saison 1993/94 wurde ein Ausgleichsverfahren mit 40-Prozent-Quote eröffnet. Der Traditionsclub stieg als Tabellenletzter ab und ging in der zweithöchsten Liga für eine Saison eine Spielgemeinschaft mit dem SV Gerasdorf ein. 1997 folgte für den Sport-Club ein weiterer Konkurs.

SK Rapid Wien: Der Spitzenclub stellte nach einem verunglückten Börsengang im April 1994 einen Antrag auf Ausgleich mit 40-prozentiger Quote, der zwei Monate später angenommen wurde. Abgewickelt wurde der Ausgleich bis Juni 1996 mithilfe einer Bankgarantie der Bank Austria. 1996 wurde Rapid Meister und stand im Finale des Europacups der Cupsieger.

Linzer ASK: Über den Linzern schwebte 1995 das Konkurs-Gespenst. Nach Verfahrenseröffnung im März einigte sich der Club im Mai mit seinen Gläubigern auf eine 20-Prozent-Quote. Nach Rang sechs folgten 1996 die offizielle Umbenennung in LASK Linz und 1997 eine Fusion mit dem Stadtrivalen FC Linz.

Vorwärts Steyr: Der Aufsteiger hatte die Bundesliga-Lizenz für 1998/99 erst nach einem Vergleich vor dem Schiedsgericht unter Auflagen erhalten. Es folgte nach weiteren finanziellen Problemen der sofortige Wiederabstieg und im Jahr darauf in der zweithöchsten Spielklasse der Lizenzentzug. Im Jänner 2000 wurde der Spielbetrieb eingestellt.

FC Tirol Innsbruck: Dem regierenden Meister wurde im Sommer 2002 wegen grober finanzieller Verfehlungen die Spielgenehmigung für die folgende Saison entzogen. Der Club wurde aufgelöst und unter dem alten Namen Wacker Innsbruck neu gegründet. Als Spielgemeinschaft mit der WSG Wattens startete man vorerst in der Regionalliga.

SW Bregenz: Die Bundesliga verwehrte dem Absteiger der Saison 2004/05 die Lizenz für die zweithöchste Spielklasse. Die Vorarlberger stellten im Juni 2005 einen Konkursantrag. Der Club wurde aufgelöst und einen Monat später als SC Bregenz neu gegründet.

SK Sturm Graz: Die Finanzprokuratur stellte im Herbst 2006 einen Konkursantrag. Ein 20-prozentiger Zwangsausgleich wurde im Jänner 2007 angenommen. Sturm wurden wegen verschiedener Verstöße gegen die Lizenzbestimmungen insgesamt 13 Punkte abgezogen (drei bereits zu Saisonstart), der Club hielt als Liga-Siebenter dennoch die Klasse.

GAK: Den Stadtrivalen traf es im selben Jahr noch härter. Nach Konkursanträgen wurden dem GAK im März 2007 insgesamt 28 Punkte abgezogen. Eine einstweilige Verfügung gegen den Abzug hatte nur drei Wochen Bestand, der Meister von 2004 musste absteigen und erhielt auch für die zweithöchste Spielklasse keine Lizenz. Am Ende waren es vier Insolvenzen in fünf Jahren, ehe der Spielbetrieb im Oktober 2012 auch in der Regionalliga eingestellt und der Club 2013 in der untersten steirischen Liga als GAC neu gegründet wurde.

SK Austria Kärnten: Der mit Unterstützung des damaligen Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider 2007 von Pasching nach Klagenfurt geholte Bundesliga-Club erhielt nach dem Abstieg 2010 keine Lizenz für die beiden höchsten Spielklassen. Der Verein ging in Konkurs und wurde aufgelöst.

SV Mattersburg: Durch Bekanntwerden eines Bilanzskandals bei der Commerzialbank Mattersburg verliert der SV Mattersburg nicht nur seinen Langzeitpräsidenten Martin Pucher, sondern muss am 5. August auch einen Konkursantrag stellen. Die Bundesliga-Lizenz wird vom Verein zurückgegeben. Die auf sportlichem Weg abgestiegene WSG Tirol bleibt damit weiter im Oberhaus.