Sport

„Wir werden das beste Defensivteam“

30.08.2020 • 08:19 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Markus Mittelberger (Manager der Dornbirn Lions) in der Dornbirner Innenstadt. <span class="copyright">sams</span>
Markus Mittelberger (Manager der Dornbirn Lions) in der Dornbirner Innenstadt. sams

Mittelberger gibt Einblicke in die Spielidee des Trainers und Kader.

Die spanische Regentschaft hat nach drei Trainern von der iberischen Halbinsel ein Ende gefunden. Was brachte den Ausschlag für den Niederländer Thomas Roijakkers?
Markus Mittelberger: Wir hatten einen Dreiervorschlag. Roi­jakkers wurde von zwei Personen empfohlen, unter anderem von Enis Murati (österreichischer Nationalspieler, Anm.). Wir haben uns dann für Roi­jakkers entschieden, weil er auf hohem Niveau gearbeitet hat, sehr viel im Nachwuchsbereich macht und Deutsch spricht. Er bringt auch eine andere Arbeitsmentalität mit. Er ist nicht beharrend, sondern offen für Spielermeinungen. Zwar nicht beim Training, aber im Anschluss. Wir werden sicher einen anderen Basketball erleben.

Und wie soll der andere Basketball aussehen? Was für eine Spiel­idee bringt der neue Trainer mit?
Mittelberger: Wir waren in den vergangenen Jahren das beste Offensivteam der Liga. Und es gibt den Spruch: „Offense wins games but defense wins championships.“ Roijakkers hat als Ers­tes gesagt: Das beste Offensivteam ist mir egal, wir werden das beste Defensivteam. Er will jetzt also defensiv und schneller spielen. In Summe kann es attraktiver sein, aber auch bedeuten, dass wir nicht 94:89, sondern 74:69 gewinnen. Im Endeffekt ist aber der Erfolg entscheidend.

Der Trainingsstart erfolgte Mitte August. Was sind Ihre ersten Eindrücke?
Mittelberger: Was mir gefällt, ist, dass es ein sehr variables Training ist, mit viel Bewegung und Ball. Er baut es so auf, dass er zu Beginn Laufwege trainiert. Diese werden dann sukzessive zu einer Systematik zusammengesetzt. Die Spieler sind sehr motiviert und auch die Stimmung ist gut. Alle sind froh, dass es in der Halle weitergeht. Es sieht also gut aus.

Thomas Roijakkers ist der neue Trainer bei den Dornbirn Lions.  <span class="copyright">verein</span>
Thomas Roijakkers ist der neue Trainer bei den Dornbirn Lions. verein


Trotz einem erfolgreichen Jahr kam es zur Trennung von Borja San Miguel. Was waren die ausschlaggebenden Gründe?
Mittelberger: Borja hatte einen Zweijahresvertrag, der ausgelaufen ist. Es war für ihn schwierig. Er hatte eine Mannschaft, die Meister hätte werden können. Er hatte das große Ziel und konnte es nicht erreichen. Er hat es sich dann wohl auch nicht mehr zugetraut, mit den gleichen Leuten die nötige Motivation aufzubringen. Zudem war die Handhabung mit ihm während der Krise schwierig. Wir wurden uns dann schnell einig, dass wir es beenden. Daher haben wir uns sauber getrennt.

Der Kader ist größtenteils zusammengeblieben. Was hat sich dennoch geändert?
Mittelberger: Adrian Sanchez ist gleich Mitte März quasi geflüchtet. Der hat in Spanien unterschrieben. Dafür ist Mario Tobar von Beginn an dabei. Er ist im Februar gekommen und hat schon früher bei uns gespielt. Javier Medori wurde operiert, weil sein Bänderapparat am Knöchel komplett ausgeleiert ist. Geplant ist, dass er im Jänner gemeldet wird und vor den Play-offs dazukommt. Daher suchen wir jetzt noch einen Innenspieler, also für die Position vier oder fünf. Der Markt ist allerdings nicht recht euphorisch. Die Gehaltsforderungen sind nicht gesunken, was man vielleicht gedacht hätte. Der Neue sollte mobil sein und rennen können.

Javier Medori wurde operiert und fällt den Lions noch bis zum Winter aus. <span class="copyright">GEPA/lerch</span>
Javier Medori wurde operiert und fällt den Lions noch bis zum Winter aus. GEPA/lerch

Wäre mit diesem Neuzugang die Kaderplanung für die anstehende Saison abgeschlossen?
Mittelberger: Dann ist es erledigt. Dann hätten wir einen ähnlichen Kader und Medori kommt später noch dazu. Wir gehen natürlich auch davon aus, dass Spieler sich weiterentwickeln. Daher sehen wir optimistisch in die Zukunft.

Und wie sehen die Ziele für die nahe Zukunft aus? Vermutlich endlich mal ein Halbfinale bestreiten.
Mittelberger: Wenn schon, dann ein Finale. Wenn man in die Play-offs kommt, will man so weit wie möglich kommen. Und die Play-offs sind das Mindeste und wir werden es erreichen.

Ist auch der Aufstieg in die erste Liga ein Thema?
Mittelberger: In den Köpfen der Leute im Vorstand gibt es auch den Gedanken, hinauf zu gehen, wenn die Strukturen passen. Da gibt es allerdings ein Problem: die Halle. Die wird von der Messe benützt und es gibt noch keine Ausweichmöglichkeit für die erste Liga. Wir können nicht aufsteigen und sagen, in der Play-off-Zeit machen wir die Halle zu. Das ist das alte Messekonzept, was meiner Meinung nach nicht gut ist. Die Verknüpfung der Messe mit Sport. Aktuell wird in Haselstauden eine VS-Turnhalle gebaut, da weiß ich aber den aktuellen Stand nicht.

Der Saisonstart für die zweite Liga ist für den 19. September angedacht. Gibt es einen Alternativplan bei positiven Corona-Fällen?
Mittelberger: Anfang September haben wir noch eine Ligasitzung. Dort wird man das sicher besprechen. Wir haben bereits festgelegt, dass es ein Szenario geben muss, wenn abgebrochen wird. Nochmal ein Jahr ohne Aufsteiger und Meister geht nicht. Dann muss der nach dem Grunddurchgang Führende Meister sein und der Letzte absteigen.

Der Aufstieg wäre durchaus ein Thema. Das Problem ist allerdings die Halle. <span class="copyright">sams</span>
Der Aufstieg wäre durchaus ein Thema. Das Problem ist allerdings die Halle. sams


Aber was passiert, wenn bereits zu Beginn der Saison positive Fälle auftreten?
Mittelberger: Dieses Szenario ist noch nicht definiert. Dass der Spieler wie im Fußball isoliert wird, geht nicht. Unter diesen Bedingungen könnte keine reguläre Meisterschaft gespielt werden. Das wird ebenfalls noch ein Thema sein.

Das kann nicht nur Thema sein, dass muss doch vorab geklärt werden?
Mittelberger: Das muss geklärt werden, wie die Szenarien sind. Aber zum jetzigen Zeitpunkt gehen wir davon aus, normal spielen zu können.

Werden bei euch die Spieler eigentlich getestet?
Mittelberger: Wir sind eine Amateurliga. Wir können nicht wie die Fußballer regelmäßig Testungen durchführen. Wir führen gar keine Testungen durch. Mario Tobar ist noch in Spanien und wenn er zurückkommt, muss er sich testen lassen. Wenn wir den neuen Mann verpflichten, wird er auch getestet. Regelmäßige Testungen sind im Amateurbereich aber nicht vorgesehen. Das passiert ja im Fußball auch nicht.

Die Plätze müssen nun für die Zuseher nummeriert werden. <span class="copyright">sams</span>
Die Plätze müssen nun für die Zuseher nummeriert werden. sams

Und was ändert sich für die Zuseher bei Heimspielen?
Mittelberger: Bis dato gibt es keine Platzbezeichnung. Die Stadt nummeriert nun die Plätze. Wir gehen von vielleicht 400 Leuten aus, die wir hineinbringen. Ge­plant ist, dass am Eingangsbereich möglichst kein Stau entsteht. Die Leute gehen hinein und auf der anderen Seite hinaus. Im Buffetbereich muss die Produktion und der Verkauf getrennt sein. Die Detailfragen sind aber noch offen. Das hängt davon ab, wie schnell die Stadt die Nummerierungen fertig hat.

Wie sah die Unterstützung von Stadt und Land während der Zeit im Lockdown aus?
Mittelberger: Die Unterstützung vom Land war, dass sie beim Lockdown schnell reagiert hat und die Förderungen vom letzten Jahr ausbezahlt hat. Das haben sie sehr schnell und unbürokratisch ausgezahlt. Dadurch haben wir bereits im April Geld bekommen, um anfallende Kos­ten zu decken. Der Bundesbudgettopf ist erst viel später gekommen. Wir haben unseren Antrag eingereicht, der wurde an die Bundes-Sportorganisation weitergeleitet. Und dann ist nichts passiert. Gar nichts. Hans Niessl (BSO-Präsident, Anm.) meinte, es wird Ende April, spätestens Mai. Es wurde Juli, bis man erneut ansuchen musste. Alle anderen Anträge waren obsolet. Von der Stadt Dornbirn, muss ich ehrlicherweise sagen, hat es nichts gegeben. Die hat nur die normalen Förderungen ausbezahlt.

Das Budget wird sich bei den Lions aufgrund der Coronakrise kaum ändern. <span class="copyright">sams</span>
Das Budget wird sich bei den Lions aufgrund der Coronakrise kaum ändern. sams

Wie hoch ist denn das Budget und wie hat es sich durch die wirtschaftliche Lage verändert?
Mittelberger: Knapp 300.000 Euro allerdings für den ganzen Verein inklusive Nachwuchs. Davon sind etwa 80.000 Euro Sponsoreneinnahmen. Es sind zwar noch ein paar Sachen offen, aber wir werden es wieder einigermaßen erreichen. Einen großen Einbruch werden wir daher nicht haben. Es war keine Bedrohung, es ging für uns nur um die Liquidität. Wenn Förderungen zu spät kommen, hat man ein Problem. Da muss man schauen, ob man Rücklagen hat, was wir hatten. Dann kommt man durch.

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