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Zweitjüngster Sieger, aber es bleiben Zweifel

21.09.2020 • 12:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Tadej Pogacar
Tadej Pogacar AFP

Zwei Slowenen prägten die Corona-Ausgabe der Tour de France.

Tadej Pogacar geht als zweitjüngster Sieger der modernen Radsport-Ära in die Annalen der Tour de France ein. Die Stärke des ab Montag 22-jährigen Slowenen bei der verspätet ausgetragenen Corona-Edition der Frankreich-Rundfahrt sorgte für Erstaunen, aber auch einige Zweifel. Schließlich wurden bereits viele ursprüngliche Helden der Tour früher oder später als Dopingsünder entlarvt. Pogacar gewann jedenfalls die 107. Große Schleife.

Bisher hat sich jedoch weder Pogacar, noch sein von ihm am vorletzten Tag mit einer Machtdemonstration im Bergzeitfahren noch vom Thron gestürzter Landsmann Primoz Roglic diesbezüglich etwas zuschulden kommen lassen. Dass Pogacar, der im dominanten Jumbo-Team von mehreren herausragenden Edelhelfern unterstützte Roglic und andere im Lauf der Tour zahlreiche Aufstiegsrekorde unterboten, sollte aber zumindest kritische Fragen an mancher Sonderleistung aufwerfen.

So rieben sich in den vergangenen drei Wochen nicht nur Kommentatoren öfters ungläubig die Augen, selbst gestandene Tourprofis staunten über das enorme Tempo mancher Konkurrenten. Seine Leistungen seien ausschließlich “das Ergebnis harter Arbeit”, betonte Pogacar und Roglic ergänzte auf das Doping-Thema angesprochen: “Von meiner Seite aus könnt ihr mir vertrauen. Ich habe nichts zu verstecken.”

Vorbelastete im Team

Teile ihres mit ehemaligen oder derzeitigen Betreuern besetzten Umfelds sind durchaus fragwürdig. In Pogacars Emirates-Rennstall sind beispielsweise mit Mauro Gianetti und Matxin Joxean Fernandez zwei einschlägig Vorbelastete als Teamchefs tätig. Damit ist das Team aber nicht alleine, auch in anderen haben nach wie vor überführte oder zumindest an Dopingfällen beteiligte Ex-Profis oder Manager das Sagen.

Im Bezug auf Pogacar könnte das vom nachträglich überführten Langzeit-Tourdominator Lance Armstrong ausgesprochene Sonderlob für dessen Vorstellung im Zeitfahren am Samstag als Warnung dienen. “Das war eine der besten Leistungen, die wir je im Radsport gesehen haben. Absolut unglaublicher Sieg von Pogacar”, schrieb Armstrong auf Twitter.

Dem interessierten Beobachter bleibt ohnehin einmal mehr nur die Hoffnung, dass im gesamten Tourfeld sozusagen ausnahmsweise alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Fest steht vorerst aber nur, dass Pogacar in der Endabrechnung der Stärkste war. Nach drei Etappensiegen – wie bei der Vuelta 2019 – sicherte er sich als erster Fahrer der 107-jährigen Tourgeschichte gleichzeitig das Gelbe Trikot des Gesamtbesten, das Bergtrikot und das Weiße des stärksten Jungprofis.

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