Sport

Auf der Suche nach den großen Sprüngen

25.10.2020 • 08:11 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Bachlinger möchte noch in diesem Winter beim Weltcup dabei sein. <span class="copyright">GEPA</span>
Bachlinger möchte noch in diesem Winter beim Weltcup dabei sein. GEPA

Niklas Bachlinger will die nächsten Karriereschritte folge lassen.

Es war ein September, auf den Niklas Bachlinger mit großen Freuden zurücksehen kann. Was für einen Wintersportler auf den ersten Blick verwirrend anmuten mag, klärt sich bei einem genaueren Blick schnell auf. Denn dem 18-jährigen Skispringer gelangen in dem noch wärmeren Monat seine bis dato größten Erfolge auf der sportlichen Bühne. Und nun könnte er sich bereits für die weiße Jahreszeit in Stellung bringen und die vergangene Wintersaison vergessen machen. Denn in dieser gelang es keinem Athleten aus dem westlichsten Bundesland, einen Start im Weltcup zu verzeichnen.
Dabei darf sich Vorarlberg einer glorreichen Historie von hausgemachten Skispringern rühmen, gelang es doch bereits mehrfach, Athleten in den Weltcup zu befördern. Zwar läuft es bei den Damen auch aktuell, sprang doch eine gewisse Eva Pinkelnig im vergangenen Winter mehrere Siege und zahlreiche Podestplätze heraus. Bei den Herren hingegen klafft ein kleines Loch.
Nun ist es mit Sicherheit noch zu früh, Bachlinger in einen Topf mit den Größen aus dem Ländle zu werfen, oder auch lediglich einen Vergleich zu wagen. Doch wenn der Schoppernauer an seine gezeigten Leistungen aus den vergangenen Wochen anknüpft, könnte zumindest ein Start in der höchsten Bewerbsstufe herausschauen und er damit erstmals an die Pforte der Skispringer-Elite anklopfen.

Im Sommer konnte sich der 18-Jährige aus Schopppernau über seinen ersten Erfolg beim Alpencup freuen.  <span class="copyright">privat</span>
Im Sommer konnte sich der 18-Jährige aus Schopppernau über seinen ersten Erfolg beim Alpencup freuen. privat

Mit den Größten mithalten

Auf nationaler Ebene ist ihm dieses Kunststück bereits gelungen. Bei den Österreichischen Sprunglauf-Meisterschaften Ende September gab er mit den Rängen 10 auf der Großschanze und 15 auf der Normalschanze eine Talentprobe ab. Und ganz nebenbei klassierte er sich dabei in einer Disziplin sogar vor dem Gesamtweltcupsieger 2019/20 Stefan Kraft. „Natürlich sind es Gegner wie alle anderen auch. Wenn man hinter ihnen landet, ist es nicht schlimm, weil man weiß, was die alles aufbringen. Wenn man allerdings vor ihnen bleibt, ist das Erlebnis umso erfreulicher. Man sieht, dass man mit den Größten mithalten kann. So was gibt einen Motivations­sschub“, versucht der Bregenzerwälder, seinen Erfolg in Worte zu fassen.
Zwei Wochen zuvor gelang ihm bereits ein Triumph im internationalen Vergleich. Beim Alpencup in Berchtesgaden ließ er alle Altersgenossen aus den anderen Ländern hinter sich. Erstmals thronte er damit vom obersten Podest der Nachwuchsserie. „Ich bin damit voll zufrieden, weil ich nicht gedacht hätte, dass ich so in diesen Sommer hineinstarte. Da sind die besten Nachwuchsspringer dabei“, freut er sich über seinen Premierensieg. Und er schiebt auch noch eine Begründung für den Aufschwung nach: „Ich glaube, weil ich einfach nicht zu viel darüber nachdenke und im Fluss bin. Da Skispringen doch eine große Kopfsache ist, ist es meistens so, dass, wenn man sich den Kopf zerbricht, es nicht mehr richtig funktioniert. Aber ich bin ziemlich frei im Kopf.“

Im Bregenzerwald machte das Nachwuchstalent seine Anfänge. <span class="copyright">stiplovsek</span>
Im Bregenzerwald machte das Nachwuchstalent seine Anfänge. stiplovsek

Chance auf Junioren-WM

Dem nicht genug, sollen im Idealfall noch einige Siege folgen. Denn dem Alpencup wird in dieser Saison das Hauptaugenmerk geschenkt werden. Dafür setzt sich der Sportler einen vorderen Platz in der Gesamtwertung als Richtmarke. Zudem erwarten ihn auch die ersten Auftritte beim Continentalcup, wo es eigentlich gleich in die Top 15 gehen soll. Und im Februar steht nach aktuellem Plan die Junioren-WM an. Nachdem die Veranstalter in Zakopane aufgrund der corona-bedingten Maßnahmen ihre Absage erklärten, soll nun das finnische Lahti in die Bresche springen. Eine Teilnahme zählt ebenfalls zu den erklärten Zielen von Bachlinger: „So wie der Sommer gelaufen ist, hoffe ich, dass der Winter genauso gut startet, und ohne dass es abgehoben klingen soll, sehe ich durchaus große Chancen, dass ich mich qualifiziere.“
Ein Blick auf den derzeitgen ÖSV-Kader unterstreicht seine Aussage. Denn aus Österreich werden die besten fünf Nachwuchsathleten des Jahrgangs 2001 oder jünger nominiert. Mit Ausnahme von Bachlinger, der in den B-Kader aufgestiegen ist, sucht man im gesamten Kader vergeblich nach dem Jahrgang 2001. Und nur vier Athleten des Jahrgangs 2002 stehen mit ihm auf der gleichen Kaderstufe.
Und selbst eine Teilnahme im Weltcup bereits in diesem Winter ist nicht auszuschließen. Gerade bei der ruhmreichen Vierschanzentournee ist die Gelegenheit dazu mit am größten.

Während dem Flug denkt der Bregenzerwälder im Normalfall an nichts. <span class="copyright">privat</span>
Während dem Flug denkt der Bregenzerwälder im Normalfall an nichts. privat

Man denkt über nichts nach

Es sind also große Taten, die sich die Skispringerhoffnung vornimmt. Die Gefahr des Abhebens vom Boden, behält er sich allerdings für die Wettbewerbe vor. Denn der Jungspund weiß nur zu gut, dass in seinem Sport ein Aufschwung sich schnell ins Gegenteil verkehren kann. „Es kann immer etwas passieren, egal ob gesundheitlich oder dass es einfach nicht mehr funktioniert“, stellt Bachlinger klar.
Deswegen ackert er derzeit am Skigymnasium Stams auch für seine im Frühjahr anstehende Matura. Das Internat schafft eine Ausgewogenheit zwischen schulischen Anforderungen und den sportlichen Übungseinheiten und Bewerben. Und für Bachlinger steht trotz allen Eventualitäten der Plan, im Weltcup Fuß zu fassen. Dafür zieht der Bregenzerwälder nach dem Abschluss der Schule auch einen Umzug nach Innsbruck in Betracht.
So oder so wird das Nachwuchstalent sich noch einige Male vom Bakken abstoßen müssen, um jenen Moment zu erleben, welchen er so genießt: „Das Gefühl in der Luft, da denkt man eigentlich über nichts nach und ist nur bei sich. Es gibt einen Adrenalinkick, dass man es gerne noch mal machen will.“ Gelegenheiten für diesen Kick wird es noch genügend geben. Vielleicht auch schon in diesem Winter bei der Vierschanzentournee.