Sport

„In einer Disziplin möchte ich unter die Top drei“

29.11.2020 • 09:43 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Nina Ortlieb konnte zum Abschluss der vergangenen Saison ihren ersten Triumph im Weltcup feiern. <span class="copyright">GEPA</span>
Nina Ortlieb konnte zum Abschluss der vergangenen Saison ihren ersten Triumph im Weltcup feiern. GEPA

Interview. Für Nina Ortlieb (24) startet am Samstag die Saison in St. Moritz.

Am Samstag startet auch für die Speed-Damen die Weltcup-Saison. Ist Vorfreude bereits spürbar?
Nina Ortlieb:
Die Vorfreude ist wirklich groß. Es war doch eine lange Pause vom letzten Rennen. Den ganzen Sommer bereitet man sich intensiv vor, und dann kann man es kaum erwarten, wenn es wieder losgeht. Der erste internationale Vergleich wird sicher interessant. Heuer hatten wir weniger Kontakt zu den anderen Nationen.

In der Vorbereitung fehlte der Vergleich zu den anderen Skinationen. Allerdings dürfte auch die Konkurrenz aus Österreich ein guter Anhaltspunkt sein. Wie sahen Ihre Zeiten da aus?
Ortlieb:
Da war ich eigentlich immer ganz vorne dabei. Das gibt Selbstvertrauen. Die Athleten der anderen Nationen haben sicherlich auch hart gearbeitet, daher wird es interessant, wenn man den ersten Vergleich hat. Aber es ist ein gutes Zeichen, dass ich teamintern unter den Schnellsten war. Darauf kann man sich aber nicht ausruhen, denn beim Rennen geht es von null los. Vergangenen ­Trainings haben da keine Bedeutung.

Die 24-jährige Lecherin beim Super-G in La Thuile. <span class="copyright">GEPA</span>
Die 24-jährige Lecherin beim Super-G in La Thuile. GEPA

Wie ist die Vorbereitung abseits der Zeitenjagd für Sie verlaufen?
Ortlieb:
Eigentlich gut. Es hat kleinere Rückschläge gegeben mit einer Rippen- und Knochenprellung im Knie. Aber im Gesamten bin ich gut durchgekommen und konnte viele Trainingstage sammeln. Genug kann man allerdings nie haben. Ich bin ein Typ, der am liebsten noch 20 Trainings mehr hätte. Aber wir sind sicherlich gut vorbereitet. Die ersten Rennen sind wichtig, um sich mit einem guten Ergebnis selbst zu bestätigen und um das Selbstvertrauen zu steigern.

Worauf haben Sie einen speziellen Fokus im Training gelegt?
Ortlieb:
Konditionell haben wir den Fokus auf die Kraft gelegt, damit ich stärker und stabiler werde. Das war das Hauptziel. Ich denke, damit ist ein Schritt in die richtige Richtung erfolgt.

Die Sommerbereitung geht am Samstag zu Ende. Dann startet der Weltcup für Ortlieb mit dem Super-G in St. Moritz. <span class="copyright">GEPA/lerch</span>
Die Sommerbereitung geht am Samstag zu Ende. Dann startet der Weltcup für Ortlieb mit dem Super-G in St. Moritz. GEPA/lerch

Nun hat Corona auch den Sport fest im Griff. Die ersten Rennen konnten durchgezogen werden, aber ist eine Durchführung aller geplanten Rennen wahrscheinlich?
Ortlieb:
Es ist möglich, gesichert aber nicht. Wir müssen uns darauf einstellen, dass es auch anders kommen kann. Daher ist es wichtig, die Rennen gleich von Beginn an voll zu nutzen und seine Leistung abzuliefern.

Die eigene Zielsetzung ist bei Sportlern immer ein Thema. Setzen Sie sich konkrete Ziele?
Ortlieb:
Ich bin schon ein Typ, der sich Ziele setzt. Das motiviert mich und erinnert mich daran zu arbeiten. Mein Ziel für heuer ist, dass ich um eine WM-Medaille mitfahren kann. Und in einer Disziplin möchte ich am Ende des Jahres unter die Top drei.

Das Bike gehört im Sommer zur Ausrüstung der Skifahrer. <span class="copyright">GEPA/lerch</span>
Das Bike gehört im Sommer zur Ausrüstung der Skifahrer. GEPA/lerch

Das hört sich nach ambitionierten Zielen an.
Ortlieb:
Das sind sie. Ambitioniert, aber möglich.

Die vergangene Saison hat für Sie mit dem ersten Podiumsplatz und dem anschließenden ersten Weltcup-Sieg in La Thuile exzellent geendet. Ist es so einfach möglich, an diese Leistungen anzuschließen?
Ortlieb:
Da spielen viele Faktoren mit. Man probiert es, wenn man so gut aufgehört hat, weil man weiß, dass es funktioniert hat und man daher nicht groß umstellen muss. Man kann sich einfach auf das Skifahren konzentrieren. Ich hatte letztes Jahr auch noch meine Schwächen. Daran haben wir gearbeitet, dass ich eben stabiler werde.

Durch den Erfolg hat sich auch das Medieninteresse erhöht.  <span class="copyright">GEPA/lerch</span>
Durch den Erfolg hat sich auch das Medieninteresse erhöht. GEPA/lerch

Womit auch eine Konstanz verbunden wäre. Damit Sie immer vorne mitfahren können und auch in der Disziplinenwertung ein Thema sind.
Ortlieb:
Genau das ist das Ziel. Umso stabiler man ist, umso weniger stören einen Unebenheiten in der Piste. Da kann man besser drüber stehen und das Tempo von Start bis zum Ziel mitnehmen. Das sollte im Endeffekt eine bessere Zeit bringen.

Die erste Station erfolgt in St. Moritz. Welche Besonderheiten bringt dieser Hang mit sich?
Ortlieb:
Der Hang in St. Moritz hat sehr viele Wellen. Kaum zwei Schwünge hintereinander sind gleich. Das macht es recht anspruchsvoll. Aufgrund der vielen Wellen gibt es viele Übergänge und verschiedene Neigungen. Zudem kommt es stark auf das Wetter an, weil flaches Licht die Sicht zusätzlich erschwert. Was St. Moritz in der Vergangenheit ausgezeichnet hat, ist die perfekte Piste. Ich freue mich schon darauf. Es ist der Ort, an dem ich meine ersten Weltcuppunkte erzielt und im Europacup mein erstes Podium geholt habe. Daher habe ich gute Erinnerungen.

Im Sommer hat Ortlieb viel an ihrer Kraft gearbeitet. <span class="copyright">GEPA/lerch</span>
Im Sommer hat Ortlieb viel an ihrer Kraft gearbeitet. GEPA/lerch

Welche Weltcup-Stationen haben Sie sich zudem im Kalender markiert?
Ortlieb:
Eine Lieblingsstrecke ist in Crans-Montana, das war es schon immer. Letztes Jahr hat es da mit dem ersten Podiumsplatz sehr gut funktioniert. Heuer freue ich mich auf das erste Quasi-Heimrennen in St. Anton. Auf das freue ich mich speziell. Natürlich ist die Situation ohne Zuseher schade. Aber man kann sich trotzdem fühlen, als ob es ein Heimrennen ist. Das ist sicher ein Saisonhöhepunkt. Was auch noch dazukommt, ist die Weltmeisterschaft, wenn ich mich dafür qualifiziere, wovon ich aber ausgehe. Das ist wohl für jeden der Höhepunkt der Saison.

Die WM ist also bereits im Kopf präsent? Obwohl diese erst im Februar über die Bühne gehen soll.
Ortlieb:
Auf jeden Fall. Das ist präsent, und es wäre auch komisch, wenn die WM wenig Bedeutung hätte. Das geht, glaube ich, jedem gleich.

Wagen wir noch kurz einen Blick in die Vergangenheit. Bekommen Sie noch Gänsehaut, wenn Sie an La Thuile denken?
Ortlieb:
Ich denke gerne daran zurück, aber Gänsehaut bekomme ich nicht mehr. Es ist schön, die Ziele zu erreichen, aber es ist genauso ein Ansporn, dass man weitermacht und weitere Erfolge feiern möchte. Es ist eher Motivation und Bestätigung, dass man auf dem richtigen Weg ist. Für die nächsten Rennen erhalte ich dafür aber keine Gutschrift. Was vergangen ist, ist vergangen, und man muss nach vorne blicken und weiterarbeiten.

Nach dem Abschluss ihres Studiums bleiben Ortlieb nun auch mal Stunden zur Erholung. <span class="copyright">GEPA/lerch</span>
Nach dem Abschluss ihres Studiums bleiben Ortlieb nun auch mal Stunden zur Erholung. GEPA/lerch

Hat sich durch Ihren ersten Triumph im Weltcup das Standing im Team verändert?
Ortlieb:
Das ändert sich schon ein bisschen. In der österreichischen Mannschaft gibt es viele gute Athleten, und man muss sich das Standing erarbeiten. Alleine die Startreihenfolge ist überlicherweise so, dass die Jungen hinten fahren. Nun wird man schon einmal gefragt, ob man nicht als Erste fahren möchte. Daran merke ich, dass die anderen es schätzen, dass ich den Sprung an die Welt­spitze geschafft habe. Menschlich ändert sich allerdings wenig. Der Mensch spiegelt sich nicht durch seinen Erfolg wider, sondern zeichnet sich durch seinen Charakter aus.

Sie haben in diesem Jahr auch ihr Studium abgeschlossen. Ein großer Brocken, der nun wegfällt?
Ortlieb:
Die Doppelbelastung war schon spürbar. Da ist angenehm, dass ich das Studium erledigt habe und mich jetzt voll auf den Sport konzentrieren kann. Dazwischen kann ich auch mal die ein oder andere Stunde mehr durchschnaufen.

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