Sport

Eine erste Befreiung nach langer Durststrecke

13.12.2020 • 09:53 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
In Santa Caterina gelang Magnus Walch nach eineinhalb Jahren Durststrecke die Rückkehr in die Top 30. <span class="copyright">GEPa</span>
In Santa Caterina gelang Magnus Walch nach eineinhalb Jahren Durststrecke die Rückkehr in die Top 30. GEPa

Magnus Walch zeigte mit Rang 21 in Santa Caterina auf.

Die Überraschung war groß, als Magnus Walch beim Riesentorlauf am Montag wieder einmal unter den Besten 30 gelandet war. Eine Erleichterung, endlich mit Platz 21 wieder Weltcuppunkte gesammelt zu haben. Zuvor war dem Lecher dies vor rund eineinhalb Jahren, im März 2019, in Kranjska Gora geglückt. Nun also in Santa Caterina Valfurva der neuerliche Wurf mit diesen begehrten Zählern. Und das als Athlet ohne Kaderstatus im Österreichischen Skiverband (ÖSV). „Es war ungemein befreiend, nach so einer langen Durststrecke. Die Erleichterung war groß, die Freude darüber natürlich auch“, blickt der 28-Jährige darauf zurück.
Der Start in die Saison macht somit Mut und gibt zugleich Hoffnung. Hoffnung darauf, den eigenen Ambitionen gerecht zu werden. In Alta Badia soll die nächste Bestätigung dafür erfolgen.

Der 21.Platz fühlte sich für den Lecher wie ein Befreiung an. <span class="copyright">GEPA</span>
Der 21.Platz fühlte sich für den Lecher wie ein Befreiung an. GEPA

Raum für Verbesserungen

Dabei sah Walch bei seinem Auftritt in Italien noch Raum für Verbesserungen. Vor allem im letzten Teil seines zweiten Durchgangs wäre mehr möglich gewesen, wie er analysiert: „Da bin ich einfach eine zu runde Linie gefahren und habe es mir nicht ganz zugetraut, die enge Linie zu attackieren. Daran sieht man, dass noch Zeit drinnen ist. Bei den engen Abständen wäre durchaus noch mal ein Schritt nach vorne möglich.“ Doch es ist kein Jammern nach verlorenen Plätzen zu erkennen. Vielmehr nimmt es der Sportler als Motivation mit. Ganz nach dem Motto: Ich kann noch drauflegen.
Der persönliche Erfolg hatte sich bereits im Europacup wenige Tage zuvor angedeutet. Dort gelang dem Arlberger in Gurgl in Tirol ein dritter Rang. „Schon dort bin ich konstant skigefahren und war damit im Vergleich zu den Kollegen schnell. Da habe ich mir schon gedacht: die Form stimmt. Ich bin sehr zuversichtlich in die Rennen gegangen“, erklärt der Riesentorläufer.

Obwohl es zuletzt gut lief, sieht der 28-Jährige noch Verbesserungspotenzial. <span class="copyright">GEPA</span>
Obwohl es zuletzt gut lief, sieht der 28-Jährige noch Verbesserungspotenzial. GEPA

Rechnung offen

Nach den Österreichischen Meisterschaften (siehe Bericht links) steht nun in genau einer Woche Alta Badia als nächstes auf dem Weltcupkalender. Und mit dem Hang in den Dolomiten hat Walch noch eine kleine Rechnung offen. Vor zwei Jahren gelang eigentlich die Qualifikation. Es folgte allerdings die Disqualifikation, weil sich der Athlet bei der Besichtigung einige Sekunden zu lange Zeit ließ.
Doch diesem Vorfall trauert der Vorarlberger nicht nach, er freut sich stattdessen vielmehr auf das Wiedersehen: „Ich freue mich extrem auf Alta Badia. Das ist ein Hang, der alles drinnen hat. Geländeübergange und -wechsel, steile Tore und kurze flache Passagen. Hier muss man bis zum letzten Tor kämpfen. Es ist eine Herausforderung, und das macht es ja spannend.“ Nachdem in Santa Caterina nur ein Österreicher schneller war, sollte ein Start ein reiner Formalakt sein.
Generell entsprechen die Ergebnisse der rot-weiß-roten Athleten im Riesentorlauf noch nicht ganz der hohen Erwartungshaltung. Das Loch, welches der Rücktritt von Marcel Hirscher entstehen ließ, wartet noch darauf, gefüllt zu werden.
Für Walch birgt dies durchaus einen kleinen Vorteil, kommt er doch dadurch leichter zu einer Startnummer. „Man schaut, wer am schnellsten Ski fährt. Da ist man auch bereit zu sagen, auch wenn er keinen Kaderstatus hat, ist er dabei“, fasst er es in Worte.

Beim ersten Lauf in Santa Caterina konnte sich Walch noch nicht qualifizieren.  <span class="copyright">apa</span>
Beim ersten Lauf in Santa Caterina konnte sich Walch noch nicht qualifizieren. apa

Global Racing Team

Für den Sportler vom Ski-Club Arlberg ist es bereits die dritte Saison, ohne auf der Kaderliste des ÖSV zu stehen. Nach 2017 und dem Vorjahr nahm Walch auch in diesem Jahr mit dem „Global Racing Team“ die Vorbereitung in Angriff. In dem Privatteam werden neun Skifahrer aus verschiedensten Nationen vom Amerikaner Paul Epstein hauptverantwortlich betreut. Darunter befinden sich Namen wie Ian Gut (Bruder von Lara Gut), Sam Maes oder Stefano Baruffaldi und Maarten Meiners, die beide ebenfalls in Santa Caterina in den Top 30 landeten und damit Weltcuppunkte sammelten.
Wurde Walch im ersten Jahr noch von einem Trainer betreut, unterstützen Epstein mittlerweile zwei Assistenztrainer. „Bei uns im Training geht es nicht darum, dass jemand einem anderen den Startplatz wegnimmt oder wir darum kämpfen müssen. Darum ist das Klima und die Zusammenarbeit im Team harmonisch. Man pusht sich gegenseitig“, beschreibt der österreichische Vertreter im internationalen Athletenfeld des Teams einen Vorzug.
Dem gegenüber steht unter anderem die Eigenfinanzierung. Walch muss zwischen 40.000 und 50.000 Euro selbst aufbringen. Und auch wenn die Gruppe auf einem professionellen Level arbeitet und ähnlich wie ein Nationalteam funktioniert, kann es gerade beim Umfang des Betreuerstabs nicht mit dem ÖSV mithalten.

Der für Skisportler so bedeutsame Kopfsponsor unterstützt Walch auch in dieser Saison. <span class="copyright">hartinger</span>
Der für Skisportler so bedeutsame Kopfsponsor unterstützt Walch auch in dieser Saison. hartinger

Lebenstraum

Aus diesem Grund formuliert Walch auch seinen Plan für diesen Winter in eindeutiger Manier: „Es ist auf jeden Fall wieder das Ziel, in den ÖSV-Kader zu kommen.“ Um das zu erreichen, soll es in der Riesentorlaufwertung unter die Top 30 gehen. Aktuell belegt der Vorarlberger nach drei Rennen und zehn Punkten den 32. Rang. Nach seinem Auftritt in Santa Caterina wurde vom ÖSV auch weitere Unterstützung in Aussicht gestellt.
An eine Zukunft des Global Racing Teams glaubt er aber in jedem Falle. „Der Trend geht dahin, dass man weiterfährt, auch wenn man keinem Nationalkader angehört. „Einen Weltcup zu gewinnen oder bei Olympia dabei zu sein, ist für mich ein Lebenstraum. Wenn man so ein Ziel vor Augen hat und jeden Tag alles dafür gibt, ist es ganz schwer, das Handtuch zu werfen“, meint der Österreicher.

Mit neuem Material strebt der Vorarlberger die Rückkehr in den ÖSV-Kader an. <span class="copyright">Hartinger</span>
Mit neuem Material strebt der Vorarlberger die Rückkehr in den ÖSV-Kader an. Hartinger

Passt zum Fahrstil

Dafür war ihm im vergangenen Jahr auch der Umweg über Crowdfunding nicht zu schade. In diesem Sommer stand hingegen die aktive Sponsorensuche auf seiner Agenda. Die größte Veränderung gab es allerdings im Materialbereich zu verzeichnen. Nach zehn Jahren Rossignol kurvt der Arlberger zur neuen Saison mit Skiern von Völkl den Abhang hinunter. „Völkl ist ein Ski, der zu mir und meinem Fahrstil passt. Ich bin ein aktiver und kraftvoller Skifahrer. Da kommt mir das Material entgegen.“
Daher standen auch Tests mit dem neuen Sportgerät im Vordergrund. Denn was sich für viele Freizeitskifahrer nach einer Kleinigkeit anhören mag, ist für Profisportler ein großer Schritt. „Man fängt doch wieder relativ bei null an. Man versucht, ein neues Set-up zu finden, das funktioniert. Wenn man eine Basis gefunden hat, mit der man gut fährt, steht noch das Feintuning an. Und da ist es gut, dass ich noch etwas herausholen kann“, beschreibt es der Fachmann.
Ganz verkehrt scheint die Basis bei Walch jedenfalls nicht zu sein. Dies stellte sein Auftritt in Santa Caterina unter Beweis. Und vielleicht folgt in Alta Badia bereits der nächste Befreiungsschlag.

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