Sport

Vom Rücken nicht auszubremsen

02.01.2021 • 21:45 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Erst seit Anfang Dezember konnte Lukas Feurstein wieder auf Schnee trainieren. <span class="copyright">GEPA</span>
Erst seit Anfang Dezember konnte Lukas Feurstein wieder auf Schnee trainieren. GEPA

Rückenprobleme schränkten den Saisonstart von Lukas Feurstein ein.

Das sportliche Jahr begann für Lukas Feurstein mit einigem an Verspätung. Während die Kollegen noch 2020 um die ersten Punkte im Europacup (nach dem Weltcup das zweithöchste Niveau beim Skifahren) kämpften, war der Mellauer zunächst zum Zusehen verdammt. Erst am Mittwoch und Donnerstag stehen mit den zwei Slaloms im französischen Val Cenis auch für den 19-Jährigen die ersten Einsätze auf der zweithöchsten Stufe auf dem Programm.
Endlich, denn die eigenen Ambitionen für den Europacup waren hoch gesteckt, wie Feurstein selbst erklärt: „Eigentlich war das Ziel, im Europacup so zu punkten, dass man dort ganz vorne mitfährt. Dank der Vorbereitung sind diese Ziele allerdings schon wieder sehr hoch gegriffen.“ Zunächst brach er sich bei einem Mountainbikesturz im April die Querfortsätze der Lendenwirbelsäule. Also jene Knochenfortsätze, an denen die Muskeln ansetzen. Die Verheilung der Verletzung verlief allerdings problemlos. Doch dann verhinderte ein Bandscheibenvorfall einen Saisonbeginn nach Wunsch und machte einer normalen Vorbereitung einen ordentlichen Strich durch die Rechnung. Mit Ausnahme weniger Schneetage bei zwei Kursen im Sommer kehrte der B-Kaderathlet erst Anfang Dezember auf den weißen Untergrund zurück. Ansonsten standen Einheiten im Olympiazentrum in Dornbirn im Vordergrund. „Ich habe viel gearbeitet und ein individuelles Programm erstellt, bei dem viel für den Rumpf und Kraft gemacht wird. Ein Konditraining wie jeder andere geht aber immer noch nicht. An eine normale Kniebeuge muss ich zum Beispiel diesen Winter nicht einmal mehr denken“, ordnet der Skifahrer sein Spezialprogramm ein.

Eines der Higlights von Feurstein: Die Bronzemedaille im Slalom bei den EYOF 2019. <span class="copyright">GEPA</span>
Eines der Higlights von Feurstein: Die Bronzemedaille im Slalom bei den EYOF 2019. GEPA

Beschwerden im Griff

Und dabei kennt der Athlet das leidige Thema mit Rückenproblemen nur zu gut. „Am Anfang ging es mir nicht gut, weil ich über mehrere Jahre hinweg immer wieder mit dem Rücken Probleme habe. Und dann gehen die anderen trainieren, sind überall unterwegs, und ich bin nur in der Kraftkammer. Aber ziemlich schnell rücken die Ziele wieder in den Fokus. Natürlich ist es mühsam, wenn immer wieder etwas schmerzt, aber das gehört im Spitzensport in gewisser Weise dazu“, gibt er Einblicke in seine Gefühlswelt.
Dennoch scheint es, dass die Beschwerden im Rumpfbereich mit dem individuelle Programm in den Griff zu bekommen sind. Bei seinen ersten FIS-Rennen oder auch im Training spürte der Bregenzerwälder von seinen Beschwerden nichts mehr. Lediglich direkt nach dem Aufstehen seien die Bewegungen noch nicht ganz geschmeidig. Mit einem sechsten Platz im Riesentorlauf in der Ramsau noch vor den Weihnachtsfeiertagen und einem vierten Rang direkt vor Silvester in Hochfügen im Slalom konnte noch ein versöhnlicher Jahresabschluss gefeiert werden. „Ich bin ziemlich zufrieden. Beim Start in Schladming hat noch die Konstanz gefehlt. Man hat einfach die fehlenden Trainingstage speziell im Slalom gemerkt. Beim Riesentorlauf hätte ich selbst nicht gedacht, dass es gleich so gut funktioniert. Und in Hochfügen war es dann schon relativ gut“, analysiert der Mann vom Skiverein Mellau seine ersten Auftritte in diesem Winter.

Die ersten Europacuprennen stehen für den 19-jährige Mellauer nun an. <span class="copyright">privat</span>
Die ersten Europacuprennen stehen für den 19-jährige Mellauer nun an. privat

Ziel Weltcup

Nun steht die Premiere im Europacup für diese Saison vor der Tür. Da Feurstein beim Slalom mit einer hohen Startnummer, wahrscheinlich irgendwo zwischen 60 und 70, antreten wird, heißt die erste Aufgabe, sich zunächst vorzuarbeiten. Dennoch soll im Idealfall am Ende ein Resultat mit Punkten, also unter den Top 30, zu Buche stehen. „Das ist immer das Ziel“, betrachtet es der Heeressportler nüchtern. Die Enttäuschung über ein Nichterreichen des Ziels, würde sich allerdings in Grenzen halten. Aufgrund der Startnummer im hinteren Teilnehmerfeld muss Feurstein mit schlagigen und rippigen Pisten rechnen. „Zumeist sind schon Spuren in der Piste. Dann kann man nicht mehr die eigene Linie fahren, sondern muss sie an die Spuren anpassen. Das ist als junger Läufer das Wichtigste, weil der ganze Speed davon abhängig ist, wie man sich an diese Verhältnisse anpassen kann und zurechtkommt“, gibt der Athlet einen Einblick in die Nachteile.
Das weitere Programm ist noch nicht absehbar und auch stark von den eigenen Leistungen abhängig. Die Etablierung in den Top 30 im Europacup steht allerdings als höheres Ziel fest, was zugleich die Voraussetzung darstellt, um im folgenden Winter voll auf Angriff fahren zu können. Denn der Europacup soll, wie für so viele Ahtleten auch, nur eine Zwischenstation sein. Wohin es gehen soll, steht für Feurstein fest: Weltcup.
Bis es dazu kommen kann, hat der Mellauer allerdings noch einen weiten Weg vor sich. „Natürlich lautet das Ziel, so schnell wie möglich im Weltcup zu starten, aber das muss Schritt für Schritt angegangen werden. Zuerst einmal im Europacup konstant gut fahren, und dann kann man weiterdenken“, erklärt die Nachwuchshoffnung. Bei einem sehr starken Saisonverlauf und einem guten Beginn in den kommenden Winter schließt er seine Premiere in der Elite des alpinen Rennsports für die Saison 2021/22 nicht aus. „Wenn alles gut läuft, wäre das vielleicht möglich. Aber nur wenn alles gut läuft. Und dann vor allem im Riesentorlauf, das ist doch meine stärkste Disziplin“, führt Feurstein aus.

Der Bregenzerwälder gehört zu den Jüngsten im B-Kader des ÖSV. <span class="copyright">GEPA</span>
Der Bregenzerwälder gehört zu den Jüngsten im B-Kader des ÖSV. GEPA

Highlight im März

Mit Raphael Haaser nennt er auch ein Beispiel für einen rot-weiß-roten Kollegen, der es bereits in dieser Saison im Riesentorlauf vorgemacht hat und aus der Europacup-Gruppe zu einem Weltcupeinsatz kam und dabei Punkte sammelte. Und der Tiroler ist vier Jahre älter als der Vorarlberger. „Das Alter spricht sicher für mich. Darum ist noch einiges möglich in den nächsten paar Saisonen“, stellt Feurstein klar. Bei einem genaueren Blick auf den Kader des ÖSV (Österreichischer Skiverband) wird diese Behauptung noch untermauert. Mit Jahrgang 2001 gehört der Westösterreicher nämlich zur jüngsten Garde im B-Kader. Die Athleten im A-Kader und im Nationalteam sind zudem alle älter. Dazu zählt auch Patrick Feurstein, sein Cousin, der mit Jahrgang 1996 zu den Jüngeren im A-Kader gehört.
Neben dem Europacup hofft der Wälder noch auf ein weiteres Highlight in diesem Winter. Eigentlich steht für Anfang März die Junioren-Weltmeisterschaft im bulgarischen Bansko auf dem Plan. Aufgrund der corona-bedingten Situation scheint eine Austragung allerdings nicht vollends gesichert. Bereits die Veranstaltung 2020 fiel nach den Rennen in den Speeddisziplinen der Corona-Pandemie zum Opfer. Dennoch scheint für Feurstein klar, was in Bansko drinnen wäre: „Eine Medaille, würde ich sagen. Letztes Jahr Sechster im Super-G war für mich ein gutes Ergebnis. Ich glaube, im Riesentorlauf wäre letztes Jahr schon einiges möglich gewesen.“
Nach dem schwierigen Beginn wäre es zweifelsfrei ein erfreulicher Schlussstrich unter diese Saison und ein persönliches Highlight für Feurstein. Allerdings nur, wenn das Coronavirus nicht neuerlich dazwischen funkt, und auch nur, wenn sein Rücken den weiteren Belastungen standhält.

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