Sport

„Ich versuche, den Jungs Nervosität zu nehmen“

11.01.2021 • 20:10 Uhr / 10 Minuten Lesezeit
Gegen Deutschland liefe es für Robert Weber und Österreich nicht rund. <span class="copyright">GEPA</span>
Gegen Deutschland liefe es für Robert Weber und Österreich nicht rund. GEPA

Robert Weber spricht vor der WM über Ziele, Trainer und einen persönlichen Wunsch.

Die beiden Begegnungen gegen Deutschland waren erst das zweite und dritte Bewerbsspiel im Nationalteam nach rund einem Jahr. Wie greifen die Automatismen bisher?
Weber:
Man hat gesehen, dass es nicht ganz funktioniert hat. Wir haben aktuell auch einen ganz anderen Rückraum als beim letzten Großereignis, ohne Nikola Bilyk, Janko Bozovic und Alexander Hermann. Da merkt man schon, dass die einge­spielte Truppe einfach noch fehlt. Wir haben noch die Partie gegen Deutschland und vier Tage, bevor es bei der WM losgeht, um daran zu arbeiten. Einfach die Abstimmung in der ­Deckung oder wenn wir am Kreis ­arbeiten. So was geht nicht von heute auf morgen, daher müssen wir fokussiert an die Arbeit gehen.

Eigentlich befinden Sie sich mit dem Team bereits in einer Blase. Wie darf man sich das vorstellen?
Weber:
Wir haben uns am 1.1. in Graz getroffen, natürlich alle mit negativem Coronatest. Dann sind wir noch mal getestet worden, und seitdem waren wir nur im Hotel, Bus und der Halle. Das heißt kein Fremdkontakt von außen. Wir sind gemeinsam mit den Deutschen in einem Privatflieger nach Deutschland geflogen.

Nikoly Bilyk wird nach seiner Kreuzbandverletzung in Ägypten nicht dabei sein. <span class="copyright">apa</span>
Nikoly Bilyk wird nach seiner Kreuzbandverletzung in Ägypten nicht dabei sein. apa

Im Privatflieger ist doch auch einmal ganz nett?
Weber:
Das ist super. Ich kenne es aus Magdeburger Zeiten. Finanziell schenkt es sich auch nicht viel, ob man Linie fliegt oder nicht. Und es geht einfach direkter, und man verliert weniger Zeit. Wir werden auch mit den Deutschen gemeinsam im Privatflieger nach Kairo fliegen. Damit man einfach jede Möglichkeit der Ansteckung umgehen kann.

Wissen Sie schon, was Sie in Ägypten erwartet?
Weber
: Nur vom Hörensagen. Ich habe gehört, dass die Mannschaften aus einer Gruppe in einem Hotel sind. Das Militär bewacht, damit keiner hinein und hinaus geht. Die Mitarbeiter werden alle zwei Tage getestet und sind auch in dieser Blase. Man hört viele unterschiedliche Geschichten. Wenn alles stimmt, dann müsste es eigentlich der sicherste Ort der Welt sein.

Militär hört sich aber nach scharfen Sicherheitsmaßnahmen an.
Weber:
Ich denke, dass sich die Veranstalter auf keinen Fall einen Fauxpass leisten dürfen, weil diese WM schon im Vorfeld unter starker Kritik stand.

Nach der EM-Quali geht der volle Fokus aber nun auf die Weltmeisterschaft in Ägypten.  <span class="copyright">GEPA</span>
Nach der EM-Quali geht der volle Fokus aber nun auf die Weltmeisterschaft in Ägypten. GEPA

Was waren die genauen Kritikpunkte?
Weber:
Dass man die Austragung überhaupt in Erwägung zieht. Viele haben für eine Absage plädiert. Dann auch, dass sie mit 20 Prozent Zuschauerauslastung bei den Spielen planen, was einfach lächerlich ist. Es wäre natürlich mega, vor Zuschauern zu spielen, aber solange man die Pandemie nicht im Griff hat, weiß ich nicht, ob es in Ordnung ist, Zuschauer in die Halle zu lassen. Zum jetztigen Zeitpunkt ist es für mich sinnfrei.

Für Sie wird die WM in Ägypten bereits die vierte und das achte Großereignis. Als Spieler mit den meisten Länderspielen im Kader, was geben Sie den Jüngeren mit auf den Weg?
Weber:
Ich versuche, den Jungs die Nervosität zu nehmen. Ich bin selber eher ein lockerer Typ, der das ganz entspannt angeht. Unter Anführungszeichen ist es nur Handball. Das ist das, was wir alle lieben, und wir dürfen es ausüben. Solche Momente muss man genießen.

Daniel Dicker, Sportdirektor Patrick Fölser, Trainer Ales Pajovic, Kapitän Gerald Zeiner and Robert Weber bei einer Pressekonferenz (vl.). <span class="copyright">GEPA</span>
Daniel Dicker, Sportdirektor Patrick Fölser, Trainer Ales Pajovic, Kapitän Gerald Zeiner and Robert Weber bei einer Pressekonferenz (vl.). GEPA

Sie haben 2004 im Nationalteam debütiert. Wie lange darf man Sie für die österreichische Auswahl auf dem Parkett noch erwarten?
Weber:
Für mich ist ganz klar, solange meine Familie mitspielt, der Körper passt und ich vom Kopf her Lust darauf habe, solange bin ich bei der Nationalmannschaft. Ich habe mir kein Ende gesetzt. Vielleicht sagt einmal der Trainer: Hey, Robert, wir können dich nicht mehr gebrauchen. Aber solange ich als Profi Handball spiele, werde ich auch in der Nationalmannschaft spielen.

Und was ist dran, dass Trainer Ales Pajovic Ihnen „verboten“ hat, aufzuhören?
Weber:
(lacht) Das war tatsächlich so. Es war so eine Art Spaßgepräch, mit dem Funken Ernst dabei. Nach der Weltmeisterschaft 2019 bin ich in ein Loch gefallen und habe an dem Ganzen gezweifelt. Dann kam der Trainerwechsel zu Ales Pajovic, den ich noch aus der Zeit aus Magdeburg kenne und der auch mein Zimmerkollege war. Wir haben ein längeres Gespräch geführt, und dabei sind die Worte „Du darfst nicht aufhören“ gefallen. Das war zwar im Spaß gemeint, aber das ganze Gespräch war so gut und mit so viel Respekt geführt, dass ich mich entschieden habe, ich möchte es mir unter Pajovic noch mal antun. Das ist jetzt zwei Jahre her, und es macht echt Spaß.

Robert Weber will den jungen  Spielern im Team die Nervosität nehmen und für die nötige Lockerheit sorgen. <span class="copyright">GEPA</span>
Robert Weber will den jungen Spielern im Team die Nervosität nehmen und für die nötige Lockerheit sorgen. GEPA

Aus Kollege wird Trainer und damit auch der Chef. Wie sind Sie mit dieser Umstellung umgegangen?
Weber:
In meinem Alter ist das oftmals kaum zu umgehen. Als Profi findet man da schnell den Spagat. Pajovic hat eine gute Mischung aus Chef und Kumpel. Er weiß, wann der Zeitpunkt für Späßchen ist, weiß aber auch ganz genau, wann Ernsthaftigkeit an den Tag zu legen ist.

Nun aber zum Sportlichen der WM. Mit welchen Zielen gehen Sie an dieses Großereignis heran?
Weber:
Mit realistischen Zielen. Man muss einfach sagen, dass Frankreich und Norwegen die klaren Favoriten in unserer Gruppe sind. Generell ist das Ziel, die USA zu schlagen und somit in die Hauptrunde einzuziehen. Das ist das erste Etappenziel.

Vom Siebenmeter ist der 35-jährige Harder zumeist sehr treffsicher. <span class="copyright">GEPA</span>
Vom Siebenmeter ist der 35-jährige Harder zumeist sehr treffsicher. GEPA

Das erste Gruppenspiel am Donnerstag gegen die USA wird somit gleich zum entscheidenden Akt?
Weber:
Genau. Darüber bin ich auch ganz froh, weil man da noch mit frischen Kräften hinkommt und alles, was man hat, reinschmeißen kann. Wenn man das Spiel gewinnt, kann man mit den Kräften gut haushalten. In der Hauptrunde kann man sicherlich auch noch das ein oder andere Spiel gewinnen.

In Europa sind die amerikanischen Handballer wohl eher unbekannt. Was wissen Sie über den Auftaktgegner?
Weber:
Ich kenne sogar ein paar. Den Trainer Robert Hedin, der auch in Bregenz Trainer war. Der kennt den europäischen Handball gut und kann seine Spieler gut einstellen. Dann kenne ich noch Gary Hines, der aber eher unter den Ninja Warriors bekannt ist. Da macht er in Deutschland mit, und daher kennt man ihn. Und von unserem Kreisläufer Antonio Juric sind zwei Mitspieler bei Dormagen (2. deutsche Liga, Anm.) Amerikaner.

Mit der linken Hand am Torhüter vorbei: So sehen die Österreicher Weber gerne. <span class="copyright">GEPA</span>
Mit der linken Hand am Torhüter vorbei: So sehen die Österreicher Weber gerne. GEPA

Auf Sie und das Team wartet dann alle zwei Tage eine Partie. Wie haushalten Sie da mit der Fitness?
Weber:
Man schaut, dass man so fit wie möglich ins Turnier kommt. Am Ende muss man einfach schauen, dass man am Spieltag alles raushaut. Wir haben ja den Vorteil, dass wir 20 Spieler im Kader haben und jedes Spiel wechseln dürfen. Sonst versucht man, den freien Tag, so gut es geht, zu regenerieren. Aber man muss ehrlicherweise sagen, nicht umsonst sagt man, dass die Finalspiele meistens die schlechtesten Spiele bei einer WM sind.

Wer zählt aus Ihrer Sicht zu den Medaillenkandidaten?
Weber:
Norwegen, Frankreich, Spanien und Kroatien. Dänemark gehört natürlich auch dazu. Die Deutschen werden Außenseiterchancen haben, weil sie doch einen relativ großen Umbruch hatten.

Der Wunsch von Weber: Dem President's Cup zu entkommen. <span class="copyright">GEPA</span>
Der Wunsch von Weber: Dem President's Cup zu entkommen. GEPA

Auf welches persönliche Highlight bei einer WM blicken Sie zurück?
Weber:
Man muss ehrlich zugeben, dass die Weltmeisterschaften nicht so erfolgreich waren. Bisher waren wir zweimal im President’s Cup (Platzierungsspiele der Vorrunden-Verlierer) dabei. Daher freue ich mich vielmehr auf die Zukunft und diese WM in Ägypten.

Das heißt, das große Highlight bei einer WM soll nun in Ägypten folgen?
Weber:
Also einmal ohne President’s Cup, bitte.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.