Sport

„Man geht aus seiner Komfortzone heraus“

14.02.2021 • 07:51 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Zuletzt gab der 37-Jährige noch Anweisungen beim Dornbirner SV in der Eliteliga. <span class="copyright">stiplovsek</span>
Zuletzt gab der 37-Jährige noch Anweisungen beim Dornbirner SV in der Eliteliga. stiplovsek

Roman Ellensohn wechselte zum FAC nach Wien und damit ins Profitum.

Heute steht Ihre erste Bewährungsprobe als Profitrainer an. Wie sieht Ihre Erwartungshaltung gegen den GAK aus?
Roman Ellensohn:
Dass wir einen guten Matchplan haben und uns auf unsere Leistung konzentrieren, um dann hoffentlich mit drei Punkten nach Hause zu fahren. Aber zuerst muss der Machtplan passen, der will vorbereitet sein im Training. Dann muss die Tagesform passen, damit wir unsere Leistung abrufen können. Wir fahren dahin, um drei Punkte zu holen.

Sie haben beim FAC erst vor zwei Wochen angeheuert. Was stand als erstes auf der To-do-Liste?
Ellensohn:
Das Wichtigste war die Mannschaft kennenzulernen. Die Spieler und ihre Stärken und Schwächen sowie ihre Positionen. Und gleichzeitig mit dem Betreuerstab zu reden, wie die Strukturen bisher waren, was wir beibehalten und was wir verändern wollen.

Haben Sie sich nach dieser kurzen Vorbereitungszeit schon ein Bild machen können?
Ellensohn:
Eigentlich habe ich schon ein gutes Gefühl, was mein Wissen anbelangt. Mein Co-Trainer ist bereits eineinhalb Jahre hier, und ihn habe ich immer zur Unterstützung. Das klappt schon alles sehr gut, und ich bin guter Dinge, dass wir für heute einen guten Plan haben.

Neuerdings ist der Götzner Trainer vom Floridsdorfer AC. <span class="copyright">GEPA</span>
Neuerdings ist der Götzner Trainer vom Floridsdorfer AC. GEPA

In welchen Bereichen haben Sie bereits Veränderungen vorgenommen?
Ellensohn:
Es sind Details, von der Trainingsgestaltung, über die Strukturen vor und nach dem Training. Die Trainingspläne habe ich so gemacht, wie ich es für ideal gehalten habe.

Wie zufrieden waren Sie nun mit dem Verlauf der Vorbereitung?
Ellensohn:
Das Spiel gegen Liefering war zufriedenstellend. Da haben wir gute Erkenntnisse herausgezogen.

Die kurze Vorbereitungsphase mit zwei Wochen kann allerdings kein Vorteil sein.
Ellensohn:
Nein, das war sicherlich kein Vorteil. Aber ich bin so eingestellt, dass, wenn ich etwas nicht ändern kann, dann nehme ich es an. Es nützt mir nichts, mir fehlen diese drei Wochen. Aber die Spieler haben gut mit dem Athletik- und Co-Trainer gearbeitet. Wir schauen jetzt auf das GAK-Spiel, alles andere können wir nicht zurückdrehen.

Wie ist es zur Kontaktaufnahme gekommen? Direkt aus einer Amateurliga ins Profigeschäft einzusteigen, ist doch eher unüblich.
Ellensohn:
Ich denke, durch die Teilnahme an der Uefa-Pro-Lizenz ist mein Name interessanter geworden. Sie haben sich sicherlich auch über mich informiert, und ihnen hat wohl meine Spielphilosophie gefallen. Es ist dann alles ziemlich schnell gegangen.

Noch bis Oktober ist Ellensohn an seinem Uefa-Pro-Lizenz-Kurs dran. <span class="copyright">GEPA</span>
Noch bis Oktober ist Ellensohn an seinem Uefa-Pro-Lizenz-Kurs dran. GEPA

Wie sieht Ihre Spielphilosophie denn aus?
Ellensohn:
Ich würde sagen, dass es offensiv ausgerichtet ist, konstruktiv, aktiv und aggressiv. Die Initiative übernehmen und nicht dem Gegner das Spiel überlassen. Um dann für verschiedeneProbleme die Lösungen zu finden.

Bedeutet dies im Endeffekt Ballbesitzfußball?
Ellensohn:
Würde ich nicht sagen. Ballbesitzfußball hat mittlerweile schon so einen faden Beigeschmack. Machmal ist Ballbesitz nötig, um sich zum Beispiel zu erholen, oder den Gegner dorthin zu bringen, wo man ihn gerne hätte. Lösungsorientiert würde ich es eher nennen. Der Gegner bietet etwas an, und hoffentlich hat man eine entsprechende Lösung dafür. Natürlich ist mir Ballbesitz aber lieber, als den Ball zu verlieren. Das ist auch klar.

Der Leistungsunterschied zwischen Eliteliga und damit Amateurfußball und der 2. Liga und dem Profitum ist eklatant. Wie groß fühlt sich der Sprung für Sie an?
Ellensohn:
Das ist noch schwierig zu beurteilen nach zwei Wochen und einem Vorbereitungsspiel. Sicher kann ich das erst in zwei oder drei Monaten sagen. Im Trainingsbetrieb ist eigentlich wenig Unterschied. Man hat mehr Zeit, da die Spieler einfach mehr da sind. Der Betreuerstab ist natürlich größer, womit man mehr Möglichkeiten hat. Der Druck ist sicherlich auch größer, da bin ich mir jetzt schon sicher.

Der Übungsleiter gehört an der Seitenlinie zu den aktiveren. <span class="copyright">stiplovsek</span>
Der Übungsleiter gehört an der Seitenlinie zu den aktiveren. stiplovsek

Ist mit diesem Schritt für Sie ein Traum in Erfüllung gegangen?
Ellensohn:
Das kann man schon so sagen. Als Spieler hatte ich diesen Traum auch. Ich konnte es zwar verwirklichen, aber mehr schlecht als recht. Als Trainer bin ich gleich weit wie als Spieler, aber jetzt möchte ich es besser machen. Mit dem Alter und der Erfahrung hoffe ich, das zu erreichen. Es war ein langer Weg bis hierher mit acht Jahren Trainerausbildung, oder -lehre, wie ich es nenne. Schritt für Schritt habe ich mich weiterentwickelt. Es ist ein Traum, aber es war auch der logische nächste Schritt.

Wie hat es in Ihrem Inneren ausgesehen, als alles unter Dach und Fach war?
Ellensohn:
Je frischer das Angebot war, desto gemischter die Gefühle. Je länger der Kontakt bestand, desto sicherer war ich, dass dies der richtige Weg ist.

Rührten die gemischten Gefühle auch von der Größe der Aufgabe her? Der Schritt ist durchaus als gewaltiger anzusehen.
Ellensohn:
Es ist schwierig, das genau zu bezeichnen. Es kommen viele Dinge zusammen. Familie, Freunde und Arbeit. Man geht ein Risiko ein und aus seiner Komfortzone heraus. Da braucht es ein bisschen Zeit, um das Pro und Kontra abzuwiegen. Am Schluss habe ich mich aber sehr wohl gefühlt, darum habe ich es auch gemacht.

Als Spieler war Ellensohn bei einigen Teams aktiv. Hier für Bregenz. <span class="copyright">Hartinger</span>
Als Spieler war Ellensohn bei einigen Teams aktiv. Hier für Bregenz. Hartinger

War trotzdem für Sie immer klar, dass Sie diesen Weg als Profitrainer gehen möchten?
Ellensohn:
Das war immer in meinem Kopf. Zuerst in der Schweizer Zeit, und dann über die Akademie Vorarlberg wollte ich immer einen Schritt weiter machen. Zwar kleine Schritte, aber immer vorwärts. Dies ist der nächste logische Schritt. Vielleicht ist es überraschend gekommen, dass es so schnell ging, aber ich habe es mir erhofft.


Als Spieler hatten Sie lediglich fünf Einsätze in der 2. Liga. Stellt es eine zusätzliche Hürde da, als Spieler nicht wirklich auf dieses Leistungsniveau gekommen zu sein?
Ellensohn:
Da gibt es viele Beispiele, wie Jose Mourinho, die keine Stars als Spieler waren und als Trainer trotzdem nach ganz oben gekommen sind. Dann gibt es auch die großen Fußballer, die den Durchbruch als Trainer nicht geschafft haben. Am Schluss liegt es nur an der eigenen Leistung. Große Namen kommen vielleicht leichter in diese Position, aber um sich durchzusetzen, braucht es Leis­tung. Ich glaube nicht, dass das einen Nachteil darstellt.

Müssen Sie sich als Neuling im Profitum bei Ihren Spielern zusätzlich Respekt verschaffen?
Ellensohn:
Respekt verschaffen, klingt für mich falsch. Ich behandle die Spieler mit Respekt, und ich möchte sie überzeugen. Ich sage nicht: Es ist so, weil ich das sage, sondern es ist so, aus diesem und jenem Grund. Wer von etwas überzeugt ist, kann es auch besser umsetzen, als wenn man jemanden dazu zwingt. Die Spieler denken mit. Wenn man einen Blödsinn erzählt, dann werden Sie es nicht mit Überzeugung umsetzen. Ich möchte sie überzeugen.

Weiterentwicklung ist beim Vorarlberger die oberste Prämisse. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Weiterentwicklung ist beim Vorarlberger die oberste Prämisse. Stiplovsek

Wie sieht jetzt generell die Zielsetzung für Sie und den FAC für das Frühjahr aus?
Ellensohn:
Wir stehen jetzt auf dem 9. Tabellenplatz. Es ist alles sehr eng, sowohl nach oben als auch nach unten. Es wäre schön, wenn wir noch ein paar Plätze gutmachen. Aber das ist das langfristige Ziel, weil jetzt zählt nur das erste Spiel.

Aber wenn Sie im Sommer zurückblicken, was würde Sie positiv stimmen? Wie würde ein zufriedenstellendes Frühjahr aussehen?
Ellensohn
: Da zählt für mich eher die Entwicklung und die Leistung. Beim Ergebnis braucht man immer auch etwas Spielglück. Die Leistung, Entwicklung und der ständige Fortschritt sind mir wichtiger.

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