Sport

Höhenflug auf das übernächste Level

27.02.2021 • 23:19 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Niklas Bachlinger feierte in diesem Winter einen regelrechten Höhenflug. <span class="copyright">JWSC/korteniemi</span>
Niklas Bachlinger feierte in diesem Winter einen regelrechten Höhenflug. JWSC/korteniemi

Niklas Bachlinger steigerte sich zum Weltmeister der Junioren.

Von Florian Finkel
florian.finkel@neue.at
Bei einem jeden Sportlerleben gehört die Zielsetzung als integraler Bestandteil dazu. Zumeist sind diese Pläne im Vorfeld hochgegriffen, teilweise scheinen sie im unrealisierbaren Bereich zu liegen. Doch lassen sich die Bestrebungen dann umsetzen, gehen Sportlerträume in Erfüllung.
Auch die Intentionen von Skispringer Niklas Bachlinger im Vorfeld der Saison wirkten zunächst ambitioniert. Da waren Starts beim Continental-Cup noch realistisch zu sehen, doch auch von ersten Versuchen im Weltcup sprach der mittlerweile 19-Jährige noch Ende Oktober. Und ein besonderes Augenmerk wollte der Schoppernauer auch der Junioren-Weltmeisterschaft im finnischen Lahti widmen. Nur vier Monate später offen­bart sich, was sich im Vorfeld nur erträumen ließ.

Der Schoppernauer feierte zwei Goldmedaillen bei der Junioren-Weltmeisterschaft im finnischen Lahti.<span class="copyright"> JWSC/KORTENIEMI</span>
Der Schoppernauer feierte zwei Goldmedaillen bei der Junioren-Weltmeisterschaft im finnischen Lahti. JWSC/KORTENIEMI

Leere im Kopf

Denn entgegen der eigenen Erwartungshaltung katapultierte sich Bachlinger gleich beim Einzelbewerb auf das oberste Podest und damit zur Goldmedaille. „Zu Beginn konnte ich es gar nicht realisieren, dass es wirklich passiert ist. Realisiert habe ich es erst, als die Hymne für mich gespielt wurde. Und erst im Hotel ist der Gedanke gekommen: Ja, jetzt habe ich es wirklich geschafft“, wirft der Skispringer nochmals einen Blick auf das Ereignis vor zwei Wochen zurück.
Im Einzel hatte der Athlet vom WSV Schoppernau eigentlich mit einem Rang unter den ers­ten zehn spekuliert. Doch bereits der erste Sprung zeigte, dass an diesem Tag mehr drinnen ist. Nur 0,2 Punkte fehlten auf den führenden Schweizer Dominik Peter nach dem ersten Durchgang. Und im Unterschied zum Eidgenossen gelang dem Bregenzerwälder auch im finalen Versuch alles nach Wunsch. Mit dem denkbaren knappen Vorsprung von 0,6 Punkten auf Landsmann David Haagen war ihm die schönste Medaille sicher. Bessere Haltungsnoten, zusätzliche Punkte aufgrund der schlechteren Windverhältnisse, aber allen voran die Nervenstärke brachten den entscheidenden Vorteil. „Normal bin ich sehr aufgeregt. Aber bei der WM war das ganz anders. Da war ich völlig entspannt. Ich war unglaublich leer im Kopf und habe überhaupt nicht darüber nachgedacht“, analysiert er den Moment, als er zum zweiten Mal vom Balken hinunterblickte und sich in Richtung seines größten bisherigen Erfolges abstoß.

Mit dem Team feierte Bachlinger einen überlegenen Sieg vor Slowenien.<span class="copyright"> JWSC/KORTENIEMI</span>
Mit dem Team feierte Bachlinger einen überlegenen Sieg vor Slowenien. JWSC/KORTENIEMI

Olympiasieger als Gratulant

Nur einen Tag nach seinem Kunststück folgte die zweite Goldene im Teambewerb. Mit 71,5 Punkten Vorsprung deklassierten die österreichischen Nachwuchsspringer Slowenien auf den zweiten Rang. Nicht zuletzt dank der gezeigten Leistungen der Österreicher zuvor, entsprach diese Medaille schon eher der eigenen Erwartungshaltung. Zumindest hatte sich Bachlinger im Vorfeld das Edelmetall mit seinen Kollegen ausgerechnet.
Die Feierlichkeiten als Doppeljunioren-Weltmeister torpedierte der Vorarlberger dann selbst etwas. Nachdem in Finnland die Abreise bereits mitten in der Nacht erfolgte, an Schlaf zuvor nicht zu denken war, verzichtete er auf einen kleinen Empfang im Familienkreis noch am selben Abend. Erst am Folgetag stoß die Verwandtschaft im Freien auf den Doppelerfolg an.
Sein Handy sollte jedoch nicht zu überlisten sein und musste auf Hochtouren den Eingang neuer Nachrichten vermelden. Die Glückwünsche eines Olympiasiegers stachen aus der Vielzahl an Gratulationen hervor. „Was mich ganz extrem gefreut hat: Mein Vater hat mir erzählt, dass bei ihm Toni Innauer angerufen und mir gratuliert hat. Das habe ich mir nicht erwartet und er war sogar einer der Ersten“, berichtet Bachlinger von einer speziellen Anerkennung.

Die Siegerehrung mit der Hymne. Ein Gänsehautmoment für den 19-Jährigen (Mitte). <span class="copyright">JWSC/KORTENIEMI</span>
Die Siegerehrung mit der Hymne. Ein Gänsehautmoment für den 19-Jährigen (Mitte). JWSC/KORTENIEMI

Erste Weltcup-Einsätze

Die Errungenschaften in Finnland waren zwar die Höhepunkte dieser Saison für Bachlinger, keinesfalls jedoch die einzigen Höhenflüge. Bereits Mitte Jänner, also noch vor der Junioren-WM, machte er beim Continental-Cup in Innsbruck richtig auf sich aufmerksam. Bei seinem erst dritten Wochenende auf der zweithöchsten Niveaustufe sprang der Sportler mit Rang zwei und drei gleich zwei Mal auf das Podest. Als Belohnung gab es die erste Nominierung für ein Weltcup-Springen. Im deutschen Willingen reichte es als 38. noch nicht zu Punkten in der Eliteklasse. Im rumänischen Rasnov fehlte ihm gar nur ein Meter für den zweiten Durchgang, dennoch zeigte er sich unzufrieden mit sich selbst: „Es war nicht ganz schlecht, aber ich hätte es besser machen können.“ Jedoch findet er auch gleich einen positiven Nachsatz: „Halb so wild. Ich habe wieder Erfahrungen gesammelt und das ist das Wichtige.“

In Willingen feierte Bachlinger sein Debüt im Weltcup. Für Punkte reichte es leider noch nicht. <span class="copyright">GEPA</span>
In Willingen feierte Bachlinger sein Debüt im Weltcup. Für Punkte reichte es leider noch nicht. GEPA

Fazit der Saison

Und um seinen sportlichen Aufstieg einmal in Kontext zu setzen: Zu Beginn der Saison gewann der Nachwuchsspringer noch im Alpen- und FIS-Cup. Der Weltcup stellt da eine Leistungssteigerung von gleich zwei Stufen dar. Einzig der Traum, bei der Vierschanzentournee anzutreten, ging in diesem Winter nicht in Erfüllung, ein Makel, der bei all den positiven Ereignissen selbst für Bachlinger bereits in Vergessenheit geraten ist.
Sein Fazit fällt dementsprechend aus: „Ich hätte nicht gedacht, dass es in diesem Jahr so schnell geht. Vom Alpencup-Sieg bis zum Junioren-Weltmeister über Podestplätze beim Continental-Cup und Einsätze beim Weltcup. Aber es zeigt, dass sowas möglich ist und ich hoffe, dass ich nächste Saison an diesen Erfolgen anschließen kann.“ Was bei den zwei abschließenden Continental-Cups noch rausschaut, bei denen Bachlinger noch am Start sein soll, ist unter der Rubrik „Draufgabe“ zu verbuchen. Und dem Bregenzerwälder gehen die Ziele nicht aus. So will er in der kommenden Saison beim Continental-Cup immer vorne mitspringen, im Weltcup anschreiben und dort zu einem möglichen Fixstarter werden. Und was mit Zielsetzungen alles möglich ist, hat er in den vergangenen Monaten eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

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