Sport

Trotz Erfolgs geht der Blick immer vorwärts

03.04.2021 • 22:52 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Mit Rang acht erreichte Olga Mikutina das beste österreichische Ergebnis seit 24 Jahren. <span class="copyright">AP</span>
Mit Rang acht erreichte Olga Mikutina das beste österreichische Ergebnis seit 24 Jahren. AP

Olga Mikutina (17) überraschte bei der Eiskunstlauf-WM mit Rang acht.

Eigentlich lässt sich der Erfolg, welcher Olga Mikutina da in Stockholm gelungen ist, gar nicht hoch genug einschätzen. Bei der Weltmeisterschaft in der schwedischen Hauptstadt vor rund einer Woche erreichte die 17-Jährige mit Rang acht das beste Abschneiden für Österreich seit 24 Jahren im Eiskunstlauf.
Die Feldkircherin qualifizierte sich dank Platz elf im Kurzprogramm mit Leichtigkeit für das Finale der 24 besten Athletinnen. Und einen Tag später setzte sie mit ihrer Leistung gar noch einen drauf. In der Kür gelang ihr die siebtbeste Vorstellung, womit der Sprung um drei Plätze nach vor gelang. Und auch in ihrer Karriere sind die nächsten Sprünge bereits anvisiert. Die Gefahr, die Schülerin könnte dabei abheben und die Eisfläche unter ihren Schlittschuhen verlieren, scheint dabei nicht gegeben zu sein.

Bereits im Kurzprogramm landete sie auf dem elften Rang. In der Kür konnte sich die 17-Jährige nochmals steigern. <span class="copyright">GEPA</span>
Bereits im Kurzprogramm landete sie auf dem elften Rang. In der Kür konnte sich die 17-Jährige nochmals steigern. GEPA

Vierfachsprung

Denn sie stellt gleich klar, dass sich durch den Erfolg eigentlich nichts verändert hat: „Ich wusste nicht, wieviele Leute mir zusehen und mich unterstützen. Aber ansonsten bleibt alles wie immer. Ich trainiere weiter, und nach den Osterferien gehe ich wieder zur Schule.“
Statt abgehoben wirkt sie bodenständig, natürlich. Statt Starallüren anzudeuten, bleibt sie überaus höflich. Sogar ein Dank für die gestellten Fragen kommt am Ende des Gespräches über ihre Lippen. Und doch, Zielstrebigkeit und eigener Antrieb zählen dann ebenfalls zu ihrem Repertoire an Eigenschaften. „Es gibt immer etwas zu verbessern und neue Sprünge zu lernen. Zum Beispiel der Vierfachsprung. Ich hoffe, den kriege ich hin“, erklärt die in Charkiw Geborene.
Zur Zielstrebigkeit darf sicherlich auch der Umzug im Jahr 2016 gezählt werden. Damals erfolgte der Standortwechsel von der Ostukraine nach Westösterreich, um mit Trainerin Elena Romanova optimale Bedingungen für die eiskünstlerischen Verbesserungen vorzufinden.

In den kommenden Monat will die Schülerin an ihrem Vierfachsprung trainieren. <span class="copyright">GEPA</span>
In den kommenden Monat will die Schülerin an ihrem Vierfachsprung trainieren. GEPA

Nur ein kleiner Makel

Und mit dem Erfolg im hohen Norden konnte sie erstmals vor internationalem Publikum unter Beweis stellen, dass sich dieses Engagement ausgezahlt hat. Mit der Punktezahl von 198,77 verfehlte sie nur hauchdünn die 200-Punkte-Marke. „Damit habe ich nicht gerechnet. Ich habe mir auch kein Ziel gesetzt, irgendwelche Punkte zu erreichen, sondern ich wollte einfach nur mein Programm gut zeigen“, ordnet sie ihr Abschneiden selbst ein.
Dabei war ihr Auftreten in der Kür nicht gänzlich ohne Fehler. Statt zu einem doppelten Axel reichte es nur zu einem einfachen. Es stellte dies allerdings nur einen minimalen Makel unter die beste persönliche Leistung dar. Deswegen schockierte sie der Blick auf die Anzeigetafel auch etwas, wie sie selbst erklärte. Es war dies allerdings ein Schock im positiven Sinne: über das eigene Abschneiden.
Der Möglichkeit in den Top Ten zu landen, war sie sich aber durchaus bewusst. „Im Kopf wusste ich, dass sogar ein vierter Platz möglich ist. Das Mädchen macht genau dasselbe wie ich, vielleicht nur etwas selbstbewusster. Aber im Großen und Ganzen sind es dieselben Sprünge. Aber ich habe mich nur auf mich und mein Programm konzentriert“, erklärt die Eiskunstläuferin.

Mikutina ist mit dem Ergebnis bei der WM fix für Olympia 2022 in Peking qualifiziert. <span class="copyright">GEPA</span>
Mikutina ist mit dem Ergebnis bei der WM fix für Olympia 2022 in Peking qualifiziert. GEPA

Ziel Peking 2022

Und auch in Zukunft wird Mikutina sich ganz auf sich selbst und ihren sportlichen Weg konzentrieren. Da herrscht auch ein klares Bewusstsein für das eigene Verbesserungspotenzial. „Generell war ich in der Kür etwas angespannt und vielleicht zu konzentriert. In der zweiten Hälfte habe ich kaum geatmet, weswegen meine Füße am Ende schwer wurden. Das könnte ich verbessern. In der zweiten Hälfte waren die beiden letzten Sprünge nicht so hoch, wahrscheinlich weil ich eben schon etwas müde war“, analysiert die Wintersportlerin ihre persönliche Bestleistung nach 4:30-minütiger Laufzeit kritisch. Mit der Fortentwicklung sollte es auch nur eine Frage der Zeit werden, bis wann die 200-Punkte-Marke doch noch geknackt wird. Einen Ansporn stellt es in jedem Fall dar.
Ein deutlich größerer Antrieb dürfte sich allerdings aus den Olympischen Spiele 2022 in Peking ergeben, deren Ticket die Gymnasiastin in Schweden fix gebucht hat. Und auch etliche Teilnahmen bei Welt- und Europameisterschaften sollen noch hinzukommen. Doch zunächst ist ihre Wettkampfsaison einmal beendet, sollen doch erst im August die nächsten Bewerbe anstehen. Aufgrund der ­Corona-Pandemie fehlt jedoch noch ein genauer Terminkalender.

Die in der Ostukraine geborene Eiskunstläuferin gewann bereits zwei Staatsmeistertitel (2020 und 2021). <span class="copyright">GEPA</span>
Die in der Ostukraine geborene Eiskunstläuferin gewann bereits zwei Staatsmeistertitel (2020 und 2021). GEPA

Ein Novum

Die Maßnahmen und Bestimmungen der Regierungen verhinderten unter anderem auch die Anwesenheit der Eltern in Stockholm. Ein Novum, welchem Mikutina mit dem Handy aus der Blase vor Ort entgegenwirkte: „Es war ganz seltsam, aber ich habe sie sehr oft angerufen.“ Zudem verhinderten Regularien auch Feierlichkeiten bei der Ankunft in der Heimat. Ein Video zahlreicher Bekannter, die zum Erzielten gratulierten, brachte doch noch eine jubilierende Stimmung auf. Und mit ihrer Zielstrebigkeit und der Wesensart, stetig nach Verbesserungen zu suchen, wird es nicht die letzte Möglichkeit für eine Ehrung gewesen sein.