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Windtner und Ebenbauer kritisieren Pläne

20.04.2021 • 13:55 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Liga Vorstand Christian Ebenbauer (links) und ÖFB-Präsident Leo Windtner
Liga Vorstand Christian Ebenbauer (links) und ÖFB-Präsident Leo Windtner APA/HERBERT PFARRHOFER

Die UEFA müsse alles unternehmen, um Super-League-Pläne zu verhindern.

ÖFB-Präsident Leo Windtner sieht den europäischen Fußball aufgrund des Super-League-Projekts einiger Fußball-Topclubs in seiner Existenz gefährdet. Die geplante Eliteliga müsse unter allen Umständen verhindert werden. „Jetzt geht es wirklich ans Eingemachte, jetzt muss die UEFA ganz klar Flagge zeigen. Es droht der Super-GAU“, sagte der Oberösterreicher der APA.

Außerdem meinte Windtner, der sich derzeit wegen des UEFA-Kongresses in Montreux befindet: „Es besteht die Gefahr, dass Fußball-Europa auseinanderbrechen könnte und die vielgerühmte Solidarität geopfert wird. Das würde gerade für kleinere Nationen wie Österreich einen historischen Rückschlag bedeuten. Unsere Klubs hätten nie wieder die Chance, die obersten Sphären zu erklimmen.“

Doch nicht nur die heimischen Vereine, auch das heimische Nationalteam könnte Verlierer der Super League sein. Zum einen, weil bei den betreffenden Topclubs engagierte Spieler möglicherweise nicht in ihren Landesauswahlen eingesetzt werden dürfen, zum anderen, weil es generell einen Bedeutungsverlust für Nationalmannschaften geben würde, sollten die weltbesten Kicker nicht mehr im Team spielen.

Die UEFA kann „Gegendruck aufbauen“

Nach derzeitigem Stand wäre nur ein Österreicher ab Sommer bei einem Super-League-Club engagiert – Valentino Lazaro ist bis Saisonende von Inter Mailand an Borussia Mönchengladbach verliehen. Während viele andere EM-Teilnehmer also im Extremfall ihre Schlüsselspieler verlieren, würde sich der Aderlass im ÖFB-Team in engen Grenzen halten. „Es ist richtig, dass es ein Vorteil für uns sein könnte. Aber wenn jetzt alle mit egozentrischen Szenarien starten, bricht dieses homogene Gefüge endgültig total auseinander“, betonte Windtner.

Der Verbandschef hofft inständig auf eine Rücknahme der Pläne. Sollte dies nicht passieren, drohe eine düstere Zukunft. „Wenn der Schritt zur Super League getan wird, wird in den nächsten Jahren ein Heer von Top-Advokaten eine Beschäftigung finden und der endgültige Schritt in den Turbo-Kapitalismus im europäischen Fußball gesetzt“, erklärte Windtner und ergänzte: „Es ist klar erkennbar, wer sich bei der Super League in die Reihe stellt – finanziell angeschlagene Klubs oder Klubs mit internationalen Eigentümern.“

Liga-Vorstand Ebenbauer: Masken fallengelassen

Mit einer gewissen Verblüffung hat Christian Ebenbauer die Pläne einer europäischen Fußball-Super-League aufgenommen. Selbst wenn dieses Vorhaben schon seit Jahren durch die Medien geisterte – die dermaßen unverhohlen zur Schau gestellte Gier, mit der viele europäische Topklubs nach noch mehr Geld greifen, hat den Wiener dann doch verwundert. Es gibt aber auch einen positiven Aspekt: „Die Masken wurden fallengelassen“, sagte Ebenbauer der APA.

Ebenbauer hat aber große Zweifel daran, ob die neue europäische Eliteklasse auch wirklich kommen wird. Was den sportlichen Wert betrifft, fühlt sich der Liga-Vorstand nach eigenen Angaben an die „Harlem Globetrotters“ oder einen Showbewerb erinnert. Zudem sinken die Imagewerte der betreffenden Vereine in den Keller. „Der Schaden, den sich diese weltweit bekannten Marken innerhalb eines Tages zugefügt haben, ist enorm. Ich weiß nicht, ob sie das durchhalten.“

Viel werde nun von der weiteren Vorgehensweise von UEFA und FIFA abhängen. „Jetzt müssen alle Flagge zeigen. Entweder gibt es eine sofortige Rücknahme der Super-League-Ankündigung, oder die Dachverbände und hoffentlich auch die Ligen werden rechtliche Schritte ergreifen“, sagte Ebenbauer.

Ein heimischer klub wird wohl nie in die Gefahr geraten, der Millionen-Versuchung der Super League zu erliegen. „Es ist nicht davon auszugehen, dass ein österreichischer Klub eingeladen wird. Aktuell schütteln unsere Vereine aber darüber sowieso nur den Kopf“, betonte Ebenbauer.