Sport

„Die Mannschaft wirkt nicht nervös“

04.05.2021 • 10:52 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Am vergangenen Spieltag setzt es für Altach eine unglückliche Niederlage in Hartberg. <span class="copyright">APA</span>
Am vergangenen Spieltag setzt es für Altach eine unglückliche Niederlage in Hartberg. APA

Vier Spieltage vor Ende der Meisterschaft gibt Canadi ein erstes Fazit ab.

Im letzten Spiel vor der kurzen Pause setzte es eine unglückliche 1:2-Niederlage in Hartberg. Unabhängig vom Ergebnis, wie haben Sie die Leistung Ihrer Mannschaft gesehen?
Damir Canadi:
Wir haben eine defensivere Spielanlage gewählt. Wir wollten eine gute Organisation, weil wir wussten, dass sich Hartberg dann schwer tut, in den Rücken der Abwehr zu kommen. In der Offensive haben sie ihre Qualitäten, aber defensiv sind sie verletzlich. Das ist uns über das ganze Spiel gut geglückt. Was wir uns vorwerfen müssen, ist einfach, dass wir in zwei oder drei Situationen nicht gut genug verteidigt haben. Man kann aber nicht von einem großen Fehler sprechen. Das 1:0 von uns war überragend herausgespielt, mit Ein-Kontakt-Fußball. Dann hatten wir durch Manfred Fischer die Chance auf das 2:0. Beim Stand von 1:1 hatten wir mit Fischer und Manuel Thurnwald noch zwei Hochkaräter, wo wir an Rene Swete (Torhüter Hartberg, Anm.) gescheitert sind. Und aus einem schnellen Einwurf haben wir leichtfertig ein Tor bekommen. Wir sind zu 100 Prozent für unsere Fehler bestraft worden, das ist ärgerlich und schmerzt.

Fischer meinte im Anschluss an die Partie, dass ihm bei einigen Mitspielern der unbedingte Siegeswille abgeht. Nachvollziehbar?
Canadi:
Fischer hat direkt nach dem Spiel emotional reagiert. Aber er ist ein Führungsspieler, und ich finde es gut, dass er seine Meinung dazu hat. Er hat sich auch sicherlich über seine eigenen Chancen geärgert, dass er die nicht verwertet hat. Es steht einem zu, wenn man als Leader vorangeht, dann ist es nicht verkehrt seine Meinung zu sagen. Generell finde ich das positiv.

Stimmen Sie ihm zu, dass in gewissen Situationen bei einigen der unbedingte Siegeswille fehlt?
Canadi:
Nein, daran ist diese Niederlage sicher nicht festzumachen. Jeder Spieler ist so, wie er ist. Kein Spieler geht auf den Platz, um ein Spiel zu verlieren. Es ist einfach so, dass es verschiedene Charaktere gibt. Und wir haben einfach viele Charaktere, die sehr anständig sind. Aber Fischer ist zum Beispiel jemand, der auch aus sich rausgeht.

Wenn Damir Canadi noch öfter so jubeln darf, dann sollte auch der Klassenerhalt drin sein. <span class="copyright">gepa</span>
Wenn Damir Canadi noch öfter so jubeln darf, dann sollte auch der Klassenerhalt drin sein. gepa

Würden Sie sich als Trainer mehr solche Spielertypen wünschen, die vorangehen, gerade wie Fischer derzeit? Die einen unbedingten Willen auf dem Platz zeigen?
Canadi:
Fischer ist ein Spieler, der generell vorangeht. Das hat nicht jeder, nicht jeder ist ein Leader. Jeder hat seine Rolle. Es hat auch einen Grund, warum wir dort sind, wo wir sind. Natürlich wünscht sich ein Trainer Spieler wie Fischer. Aber mit elf Fischers gewinne ich auch nicht. Man braucht verschiedene Spielertypen, einen Mix. Man kann Jan Zwischenbrugger beispielsweise nicht mit einem Fischer vergleichen. Doch das heißt nicht, dass das eine besser ist als das andere.

Nun sind bis zum Ende der Saison noch vier Partien zu bestreiten. Nachdem es zuletzt nicht mit einem Sieg funktionieren wollte, wie richten Sie den Fokus wieder neu aus?
Canadi:
Die Leistung hat ja zuletzt schon über weite Strecken gepasst. Natürlich sind wir mit den Ergebnissen in den letzten Spielen nicht zufrieden. Aber Fakt ist auch, dass wir gegen Hartberg mit sechs Punkten dastehen könnten. Den Elfmeter zu Hause gegen Hartberg kann man bekommen. Das letzte Spiel war auch unglücklich vom Spielverlauf her. Grundsätzlich ist die Leistung in Ordnung, und wir werden uns die Ergebnisse wieder erarbeiten. Wir hoffen auch, dass wir im Saisonfinish wieder den ein oder anderen verletzten Spieler fit bekommen.
Fit auch im Kopf? Das heißt, den Kopf wieder nach oben richten und nach der kleinen Ergebniskrise wieder positiv nach vorne blicken?
Canadi: Nein, das sehe ich nicht so. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Mannschaft den Kopf hängen lässt, sonst könnten wir ja nicht solche Leistungen erbringen.

Aber das Punktepolster war auch schon mal ein größeres.
Canadi:
Wir hatten vorige Woche drei Punkte Vorsprung, dann waren es vier, jetzt sind es wieder drei Punkte.

Sind Sie davon ausgegangen, dass es zu so einem engen Rennen um den Abstieg kommen wird?
Canadi:
Wir waren Letzter. Vor einigen Wochen wären wir um so eine Position noch froh gewesen. Die Mannschaft hat in den 10 Spielen 14 Punkte geholt. Ist das gut oder schlecht?

Canadi wirkte zuversichtlich und lobte die Leistungen seiner Mannschaft. <span class="copyright">GEPA</span>
Canadi wirkte zuversichtlich und lobte die Leistungen seiner Mannschaft. GEPA

Ihre Bilanz sieht sehr gut aus.
Canadi:
Und für diese zehn Spiele bin ich verantwortlich. Es ist nicht sehr stark, aber es ist in Ordnung, und da müssen wir dranbleiben. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Mannschaft ein Kopfproblem hat. Noch mal: das Ergebnis kann auch auf unsere Seite fallen, aber so ist es eben. Es ist nicht so in der Qualifikationsgruppe, dass irgendwer mit 5:0 oder 6:0 gewinnt. Da ist der Spielverlauf wichtig und viele kleine Dinge. Die Leistung ist in Ordnung, und alles andere wird man sehen. In vier Wochen wissen wir mehr. Wir sind nicht nervös, die Mannschaft wirkt nicht nervös.

Noch zu einem anderen Thema: Wie stark sind Sie nun in die Kaderplanungen involviert?
Canadi:
Ich konzentriere mich jetzt auf das Sportliche. Wir sortieren, müssen aber zuerst ­einmal schauen, in welcher Liga wir sind. Wir planen, aber konkrete Gespräche gehen erst dann, wenn wir wissen, wo wir sind. Wir positionieren uns natürlich.

Sie werden sicherlich auch Vorstellungen und Wünsche haben.
Canadi:
Die ich aber nicht in der Öffentlichkeit bespreche.

Viele würden sich sicherlich einen Stürmer wünschen, schließlich ist Daniel Maderner mit gerade einmal drei Treffern aktuell der beste Stürmer.
Canadi:
Dafür muss die finanzielle Situation passen, weil der Markt sehr teuer ist. Will man einen guten Stürmer, dann kostet das richtig viel Geld. So wie es damals mit Dimitri Oberlin oder Nikola Dovedan war oder jetzt mit Maderner, müssen wir darauf hoffen, Spieler zu entwickeln.

Leidenschaft an der Seitenlinie gehört ebenfalls zur DNA von Canadi. <span class="copyright">stiplovsek</span>
Leidenschaft an der Seitenlinie gehört ebenfalls zur DNA von Canadi. stiplovsek

Ein Spieler, der eine positive Entwicklung genommen hat, ist Emir Karic. Unter der Woche wurde sein Wechsel zu Darmstadt 98 offiziell. Ist er ein Beispiel, wie es gehen kann?
Canadi:
Es freut mich für ihn, dass es zu einem Transfer kommt. Aber am Ende muss er sich dort zuerst durchsetzen. Finanziell ist es sicher ein Unterschied, ob es ein sportlicher Schritt nach vorne ist, kann ich zum aktuellen Zeitpunkt nicht beantworten.

Wie sieht der aktuelle Stand bei Fischer aus? Sein Vertrag endet ebenfalls im Sommer.
Canadi:
Wir haben signalisiert, dass wir gerne mit ihm weitermachen würden. Er hat im Winter dem Verein kommuniziert, dass er im Sommer gehen möchte. Aber in der neuen Zusammenarbeit hat er auch signalisiert, dass er bereit für Gespräche ist. Ich würde es mir als Altach-Trainer wünschen.

Das heißt, die Chancen auf eine Verlängerung bestehen noch?
Canadi:
Das weiß ich nicht. Ich würde es mir wünschen, mit ihm zu verlängern. Ich habe aber nicht von Chancen gesprochen, sondern von Wünschen.

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