Sport

Moral überragt beim Remis

11.05.2021 • 22:56 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Altacher jubeln in Person von Berkay Dabanli (M.) und dem doppelten Goldtorschützen Danilo Carando (r.). <span class="copyright">GEPA</span>
Die Altacher jubeln in Person von Berkay Dabanli (M.) und dem doppelten Goldtorschützen Danilo Carando (r.). GEPA

Altach sichert sich in verrückter Partie einen Punkt gegen St. Pölten.

Diese Begegnung zwischen Altach und St. Pölten hatte alles, wovon der Fußball und im Besonderen der Abstiegskampf lebt. Die Abwehr der Rheindörfler nahm über weite Strecken chaotische Züge an, es fehlte zunächst an Einsatzbereitschaft, der Aggressivität und einem kühlen Kopf. Doch das Team von Trainer Damir Canadi offenbarte auch eine ordentliche Portion Moral, ließ sich auch von einem zweimaligen Zwei-Tore-Rückstand nicht komplett aus der Fassung bringen und kämpfte sich in eine Partie zurück, die viel zu früh entschieden schien.

Oftmals kamen die Altacher Abwehrspieler, wie hier Jan Zwischenbrugger, zu spät in die Zweikämpfe. <span class="copyright">apa</span>
Oftmals kamen die Altacher Abwehrspieler, wie hier Jan Zwischenbrugger, zu spät in die Zweikämpfe. apa

Matchplan früh dahin

Bereits nach acht Minuten führten die Niederösterreicher mit 2:0. Bei beiden Gegentreffern ließ sich die Hintermannschaft vom Umschaltspiel der Gastgeber überrumpeln. Die Abstände waren dabei zu groß, die Verteidiger ohne jegliche Ordnung. Dor Hugi fand bereits in der dritten Minute die Schnittstelle und Sturmpartner Alexander Schmidt nutzte den freien Raum aus. Beim zweiten Treffer waren es dieselben Protagonisten, nur in umgekehrter Reihenfolge. Dieses Mal hatte Hugi aus bester Position alle Freiheiten. Stefan Haudum und Samuel Oum Gouet hatten zuvor den Ball im Mittelfeld vertändelt.
Damit war jeglicher Matchplan, den sich Canadi ausgedacht hatte, dahin. Und die defensive Ordnung kehrte auch nicht zurück. Doch sowohl Tylor Booth (12.) als auch Schmidt (20.) und Hugi (32.) verpassten es früh, dieses Aufeinandertreffen endgültig zu entscheiden. Das Geschwindigkeitsdefizit beim Abwehrchef der Altacher Neven Subotic ließ sich aufgrund des schlechten Positionsspiels von Jan Zwischenbrugger nicht kaschieren. Nach 35 Minuten zog Canadi die Notbremse und ersetzte Subotic mit Aljaz Casar. Haudum rückte dafür in den Abwehrverbund.
Trotz einer tief stehenden Hintermannschaft der Hausherren kamen aber auch die Gäste zu ihren Möglichkeiten. Manfred Fischer (11.) entschied sich für den Abschluss, anstelle des Balls zur Mitte. Die beste Chance hatte allerdings Manuel Thurnwald in Minute 19. Doch bei seinem Versuch aus bester Position fehlte der Druck auf die Kugel.

Daniel Maderner (r.) rieb sich auch gestern wieder in vielen Duellen auf und war mit einem Treffer der Marke „Traumtor“ zur Stelle. <span class="copyright">GEPA</span>
Daniel Maderner (r.) rieb sich auch gestern wieder in vielen Duellen auf und war mit einem Treffer der Marke „Traumtor“ zur Stelle. GEPA

Traumtor

Zum Pausentee reagierte Canadi doppelt und brachte Danilo Carando und Emanuel Schreiner, wobei der argentinische Debütant nun mit Daniel Maderner eine Doppelspitze bildete. Der Letztgenannte bewarb sich nur vier Minuten nach Wiederbeginn für das Tor des Monats Mai. Aus etwa 35 Metern knallte der Stürmer die Kugel mit rund 100 Stundenkilometer halbvolley unter die Latte.
Damit schöpften die Vorarlberger neuen Mut, die Partie war wieder offen. Doch die eigene Abwehr blieb unsortiert. Ein Ball aus dem Halbfeld und eine Kopfballablage reichten, um Schmidt ausreichend Freiraum für seine Ballannahme und den trockenen Abschluss zum 3:1 in Minute 56 zu geben. Die Konter von St. Pölten blieben auch in weiterer Folge gefährlich, aber Hugi verzog nach rund einer Stunde.

Ein perfektes Debüt für Danilo Carando. Der Argentinier traf gleich doppelt in seinen ersten 45 Bundesligaminuten. <span class="copyright">apa</span>
Ein perfektes Debüt für Danilo Carando. Der Argentinier traf gleich doppelt in seinen ersten 45 Bundesligaminuten. apa

Perfekter Einstand

Doch die Altacher, und dies zeigt ihren starken Charakter im Abstiegskampf, gaben sich auch nach dem neuerlichen Rückschlag nicht geschlagen. Das eigene Offensivspiel wurde weiter forciert und mit Carando der Mann der Stunde gefunden. Eine Flanke von Fischer wurde abgefälscht und erst dadurch richtig gefährlich. Carando stand, wo ein Stürmer mit dem richtigen Riecher stehen muss, und erzielte in Minute 66 gleich bei seinem ersten Einsatz sein Premierentor in der Bundesliga. Nur sechs Zeigerumdrehungen darauf setzte sich der Winterneuzugang im Kopfballduell stark durch und drehte zum umjubelten Ausgleichstreffer ab. Die Niederlage war damit abgewendet, das unmöglich scheinende Unentschieden doch noch erreicht. In den Schlussminuten hatte Daniel Nussbaumer gar noch die Gelegenheit auf den Siegestreffer, scheiterte jedoch am Torhüter. Mit diesem Punkt sind die Rheindörfler zwar nicht endgültig gerettet, halten das Tabellenschlusslicht aber auf Abstand und benötigen nur mehr einen Zähler. Und eine Mannschaft mit dieser Moral sollte den letzten Akt bald folgen lassen können.

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