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Englands Teamchef: “Es lag an mir”

12.07.2021 • 14:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Englands Teamchef: "Es lag an mir"

Gareth Southgate nahm die Pleite bei den Elfern auf seine Kappe.

Im Wembley-Stadion war es still geworden, schon bald nach dem Elferdrama, das die Azzurri in den siebenten Euro-Himmel befördert, den Engländern aber die nächste bittere Erfahrung beschert hatte. Die Fans hatten die Londoner Arena, gerne auch als Kathedrale bezeichnet, fast fluchtartig hinter sich gelassen, als könnten sie damit das Geschehene verwischen. Auf dem Feld aber ließ sich Italien feiern, bei den Tifosi auf den Rängen brandete Jubel auf, als Kapitän Giorgio Chiellini den Siegespokal in die Höhe stemmte.

Ihr erfolgreicher Teamchef Roberto Mancini war offenbar auch darauf vorbereitet, nach so vielen Siegen im Finale auch eine Niederlage zu erleiden, doch das Glück und die um eine Nuance besseren Nerven hatten sich auf die Seite seiner Burschen geschlagen. Er gab zu, dass seine Mannschaft nach dem schnellen Gegentor „große Schwierigkeiten“ hatte, Zugriff auf das Spiel zu bekommen. „Aber dann waren die Jungs wunderbar. Der Titel ist für alle Fans wichtig. Ich hoffe, alle feiern in Italien. Wir sind jetzt gerade einfach nur glücklich“, meinte Mancini unter Freudentränen in einer ersten Reaktion nach dem Drama.

Auch Gianluigi Donnarumma konnte sein Glück kaum fassen. Der 22-jährige italienische Torhüter, der zwei Elfer der Engländer abwehrte, wurde durch seine Großtaten nicht nur zum Mann des Spiels, sondern auch zum Spieler des gesamten Turniers gekürt. „Wir sind eine unglaublich spektakuläre Truppe, ich muss mich bei allen bedanken. Nach dem Elfer von Jorginho war ich kurz nachdenklich, aber ich habe sofort versucht, den Kopf wieder freizubekommen“, meinte der Schlussmann. „Das volle Wembley-Stadion hat uns besonders motiviert.“

Bei den Engländern wird sich Teamchef Gareth Southgate durch die Zurückhaltung der Mannschaft in der zweiten Hälfte, noch stärker aber durch seine etwas eigentümlichen Elfer-Personalentscheidungen einiges an Kritik gefallen lassen müssen. Jadon Sancho und Marcus Rashford waren erst in der 120. Minute ins Spiel gekommen und hatten praktisch bis zum Elferschießen keine Ballkontakte. Rashford schoss nach einem seltsamen Anlauf an die Stange, Sancho fand in Donnarumma seinen Meister. Und als letzten, ebenfalls gescheiterten, Schützen, hatte Southgate den 19-jährigen Bukayo Saka nominiert, das stieß im Stadion und natürlich im gesamten Land auf einiges an Unverständnis.

Innerhalb der Mannschaft machte sich gewaltige Enttäuschung breit. „Ich hätte nicht mehr geben können, die Jungs hätten nicht mehr geben können“, meinte Harry Kane. „Elfer sind offensichtlich das Schlimmste auf der Welt, wenn du verlierst. Es war nicht unsere Nacht, aber wir spielten ein fantastisches Turnier und sollten stolz sein. Es tut im Moment sehr weh, aber wir sind auf dem richtigen Weg“, ergänzte der Kapitän der Engländer.

Southgate nahm die verschossenen Elfer auf seine Kappe. „Wir sind maßlos enttäuscht. Es lag an mir. Ich habe die Elferschützen auf Basis der Trainings nominiert“, erklärte der englische Nationalcoach. Es sei eine Freude gewesen, wie sein Team bei dieser Europameisterschaft aufgetreten sei, „aber momentan ist es unglaublich schmerzlich“, meinte Southgate weiter. „Wir haben das Spiel nicht gewonnen, aber bei den Elfern liegt die Schuld bei mir.“

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