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Jetzt ist sie Bettina Plank, die Große

05.08.2021 • 23:44 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Jetzt ist sie Bettina Plank, die Große
Was für eine Freude: Bettina Plank jubelt über die Bronzemedaille. Reuters

Die entscheidenden Augenblicke eines Tages, der die Karriere von Bettina Plank mit Olympia-Bronze krönt.


Es waren die nervenaufreibendsten Augenblicke in der Karriere von Bettina Plank, als sie gegen 19 Uhr Ortszeit im Nippon Budokan zum Warten verurteilt war. Die Vorarlbergerin hatte gerade eben ihren letzten Gruppenkampf gegen die Ägypterin Radwa Sayed mit 3:1 gewonnen. Ihr Einzug ins Semifinale und damit der sichere Gewinn einer Medaille hing vom Ausgang des letzten Gruppenkampfs zwischen der Ukrainerin Anzhelika Terliuga und der Japanerin Miho Miyahara ab. Die Lokalmatadorin durfte den Kampf nicht gewinnen.

Freudentränen

Doch Plank wusste gar nicht, welchen Ausgang sie in dem finalen Kampf brauchte. „Nach meinem Sieg in meinem letzten Gruppenkampf sollte ich ein Interview geben und meine Ausgangssituation erklären. Aber das konnte ich nicht. Ich sagte, ich muss jetzt erstmal den letzten Kampf abwarten, ich wusste auch nicht, bei welchem Resultat ich mich fürs Halbfinale qualifiziere.“ Der Kampf von Terliuga und Miyahara war bereits im Gange, als sie von Bundestrainer Juan Luis Benitez Cardenes informiert wurde, dass es gut für sie ausschaut, die Führung von Terliuga war ideal für Plank. „Juan Luis hat mir dann einfach nur gesagt, dass der Zwischenstand so bleiben soll. Als der Kampf fertig war, sagte er: Du bist im Halbfinale! Du hast die Medaille“, schildert Plank diese Augenblicke, doch die amtierende European-Games-Siegerin wollte keinesfalls zu früh jubeln: „Ich antwortete ihm: Ich glaub es noch nicht, ich glaube es erst, wenn ich die Endtabelle sehe.“
Und selbst, als sie die Rangliste der Gruppe B auf dem zweiten Platz auswies, blieb die 29-Jährige skeptisch. „Ich habe das Ranking zwei, drei Mal studiert, erst danach habe ich es geglaubt. Dann habe ich geweint.“
Auch bei ihrem ersten TV-Interview als sichere Medaillengewinnerin kullerten Tränen über die Wangen der Vorarlbergerin. Danach ist sie zurück in die Aufwärmhalle, um sich auf ihren Halbfinalkampf vorzubereiten. Dort wurde sie vom Aufwärmtrainer und der Physiotherapeutin empfangen, die beide weinten, und die beide sie umarmen wollten. „Da habe ich wohl etwas uncharmant reagiert“, weiß die Karateka. „Ich sagte, dass es dafür noch zu früh sei, schließlich stand ja das Halbfinale an.“

Jetzt ist sie Bettina Plank, die Große
Plank setzte ihren Gegnerinnen mächtig zu. AP

Alles auf der Matte gelassen

Den Kampf um den Finaleinzug verlor Plank nach einer starken Leistung mit 3:4 gegen die spätere Olympiasiegerin Ivet Goranova, der Bulgarin war 17 Sekunden vor dem Ende die entscheidende Wertung gelungen. „Ich habe auf in diesem Kampf alles auf der Matte gelassen, was ich habe“, kann Plank deshalb mit der Niederlage umgehen. Wenngleich die Vorarlbergerin gesteht: „Ich muss mir die Kämpfe erst mal anschauen, so ganz genau weiß ich gar nicht mehr, was in den Kampäfen alles passiert ist. Vom Ablauf der Punkt und so.“ Plank war im Tunnel während des Wettkampfs, blendete alle störenden Faktoren aus.
Zumal sie nach ihrem Eröffnungskampf mächtig unter Druck stand. Den hatte sie just gegen die Japanerin Miyahara mit 2:6 verloren, eine zweite Niederlage durfte sie sich nicht leisten. Tat sie auch nicht. Gegen die Kasachin Moldir Zhangbyrbay lag sie zwar bereits 1:3 zurück, 73 Sekunden vor dem Ende gelang ihr jedoch die Wertung zum 4:3. Es folgte ein 0:0 gegen Terliuga, gegen die Plank nur deshalb kämpfen musste, weil in Tokio die Klassen bis 50 und bis 55 Kilogramm zusammengelegt wurden. Terliuga (-55kg) wurde 2018 Europameisterin. „Die kannte ich gar nicht, ich wusste nur, dass sie in ihrer Gewichtsklasse die Nummer eins ist. Deshalb habe ich risikolos gekämpft.“

Jetzt ist sie Bettina Plank, die Große
Plank ist am Höhepunkt ihrer Karriere angekommen, präsentiert stolz ihre Bronzmedaille. GEPA

Feiern

Es folgte dann ihr letzter Gruppenkampf gegen die Ägypterin Sayed, bei dem sich die Vorarlbergerin verdient durchsetzte. „Das war heute mein Tag. Ich habe Sachen gemacht, von denen ich nicht wusste, dass ich das überhaupt kann. Ich bin heute über mich hinausgewachsen“, erklärte Plank um kurz vor 2 Uhr Ortszeit beim Pressegespräch in Tokio.
Müde war sie deshalb aber noch lange nicht. „Es ist völlig unerheblich, ob und wann ich heute schlafen kann. Ich möchte jetzt gleich noch etwas feiern.“ Und es ist von Herzen zu hoffen für sie, dass auch dieser Wunsch von ihr in Erfüllung gegangen ist. Denn Tage wie dieser gilt es natürlich zu feiern. Der 5. August 2021 teilt nämlich Planks Karriere in ein davor und ein danach. Nach dieser Olympiamedaille wird für sie als Sportlerin nichts mehr so sein, wie davor. Denn jetzt ist sie Bettina Plank, die Große.

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