Sport

Die Superfans, die Altach auswärts begleiten

16.08.2021 • 13:46 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Emanuel Schreiner zeigt, welche Portraits den Bus zieren: Johann, Daris und Julian (v.l.) bekleiden die rechte Bushälfte. <span class="copyright">paulitsch</span>
Emanuel Schreiner zeigt, welche Portraits den Bus zieren: Johann, Daris und Julian (v.l.) bekleiden die rechte Bushälfte. paulitsch

Seit dieser Saison verschönern die Portraits von sechs Fans den Bus.

Julian, Daris, Luise, Paul, Leonie und Johann. Es sind die Gesichter dieser sechs Personen, die seit einigen Wochen den Mannschaftsbus des SCR Altach zieren. Fast vier Meter Höhe erreichen die Portraits dabei zu beiden Außenseiten jenes Gefährts, das die Spieler und den Betreuerstab des Bundesligisten in dieser Saison bei jedem Auswärtsspiel ans Ziel bringen soll. Die Gewinner bewarben sich im Vorfeld als „Superfans“ für die Neugestaltung und mussten sich dabei unter Angaben ihrer Motive von der Konkurrenz abheben.
Bei Julian gab beispielsweise seine ständige Anreise zu Auswärtsspielen den Ausschlag, bei Luise ihr Engagement als ehrenamtliche Mitarbeiterin bei Spieltagen im Stadion. Die zwölfjährige Leonie erhielt als großer Fan von Johannes Tartarotti den Zuschlag und Daris als Nachwuchsspieler aus dem eigenen Verein. Johann stach durch seine Fanzugehörigkeit seit über 30 Jahren heraus und der neunjährige Paul, der Jüngste aus dem Sextett, als Stammgast bei den Sommernachwuchscamps der Rheindörfler. „Uns war eine bunte Mischung aus Jung und Alt, aus Mädchen und Männern wichtig. Es musste auch jeder eine Begründung angeben, warum genau er oder sie auf den Bus hinaufgehört. So ist dann die Entscheidung gefallen“, erklärt Manuel Willam, der für die Organisation und Umsetzung hauptverantwortlich zeichnet, das Auswahlverfahren. Seine Skepsis, ob sich genügend Personen für diese Aktion begeistern lassen, sollte sich schnell verflüchtigen. „Wir hatten mehr als genug Auswahl. Wir hätten noch 14 Leute gehabt, die auch gepasst hätten. Aber wir haben uns entschieden, es mit sechs Personen zu machen, damit alle Trikots abgebildet sind. Darum erfolgte diese Begrenzung“, führt der Verantwortliche für Marketing und Kommunikation aus.

Vor dem Fotoshooting mussten sich die Superfans in die Hände einer Maskenbildnerin geben. <span class="copyright">verein</span>
Vor dem Fotoshooting mussten sich die Superfans in die Hände einer Maskenbildnerin geben. verein

Die Kamera genießen

Für den Bus stand für die Saison 2021/22 ohnehin eine Neugestaltung an. Bei der Suche nach möglichen Ideen wurde schnell klar, dass auch diese Plattform den Fans zur Verfügung gestellt werden sollte. Nach über einem Jahr ohne Zuseher in der Cashpoint-Arena sollte alles im Zeichen der Rückkehr der Fans stehen.
Die Götzner Grafiker von „Ideenspinner“ übernahmen in der Folge das Design. Der Altacher Fotograf Georg Alfare zeichnete für die Ablichtung der Models verantwortlich, nachdem diese sich zunächst einer Maskenbildnerin anvertraut hatten.
Trotz fehlender Erfahrung der Models vor dem Blitzlicht stellte auch das Fotoshooting keine große Hürde dar. Die zwei Dreiergruppen waren jeweils nach rund eineinhalb Stunden passend in Szene gesetzt. „Zu Beginn habe ich mir gedacht, dass Johann vielleicht noch am schwierigsten werden könnte. Aber er hat das richtig genossen, vor der Kamera zu stehen, und war dann eigentlich am schnellsten fertig“, erinnert sich Willam an den Tag des Shootings zurück. Nur die geringe Auswahl bei den Trikots, von jedem Exemplar stand lediglich eine Größe zur Verfügung, stellte doch noch eine Herausforderung dar. Dank der Maskenbildnerin wurde aber auch diese Aufgabe gemeistert.

Emanuel Schreiner veranschau­licht die Freiheiten im hinteren Bereich des Busses. <span class="copyright">paulitsch</span>
Emanuel Schreiner veranschau­licht die Freiheiten im hinteren Bereich des Busses. paulitsch

Poker oder Netflix

Nun werden sich die Altacher Profis für die nächsten zwei Spielzeiten mit dem neuen Branding zu den Auswärtsspielen aufmachen. Emanuel Schreiner präsentierte dabei nicht nur die Außenfassade des ständigen Begleiters, sondern gab auch noch Einblicke in die Räumlichkeiten des Doppeldeckers. Während nämlich Trainer Damir Canadi und die Betreuer wie Co-Trainer oder Physiotherapeuten die Sitze im unteren Bereich in Beschlag nehmen, gehört das obere Reich ganz den Spielern selbst.
Vorne, direkt über dem Kopf des Fahrers, stehen während der langen Fahrten in den Osten Österreichs Pokerrunden an. Das hintere Abteil wird hingegen von den arrivierten Profis belegt und entspricht schon eher einer Ruheoase. „Hinten schauen die meisten Netflix, und jene, die Kinder haben, schlafen. Also wenn es geht, schlafe ich durch“, erklärt der 32-Jährige mit einem Schmunzeln.
Auch an eine verspätete Ankunft im Stadion erinnert sich der Linksfuß. Bei einer Partie gegen Wacker Innsbruck vor rund zwei Jahren kam der Bus in die Rushhour, ein verspäteter Anpfiff wurde abgelehnt. „Wir mussten durch die Leute durch, weil wir keine Zeit hatten, um das Stadion herum zu fahren. Dann sind wir in die Kabine und direkt raus zum Spiel. In der ersten Halbzeit haben sie uns überrannt, weil wir gar nicht wirklich da waren“, führt er aus. Es änderte sich alles im zweiten Durchgang, und die Rheindörfler gewannen dank vier Treffern innerhalb von rund 13 Minuten mit 4:0. „Auf einmal ist alles gelaufen, und wir haben mit ihnen Tiki-Taka gespielt“, ergänzt Schreiner.

Von der linken Busseite lächeln Luise, Paul und Leonie (v.l.). <span class="copyright">paulitsch</span>
Von der linken Busseite lächeln Luise, Paul und Leonie (v.l.). paulitsch

Auch Damen nutzen den Bus

Der Bus in neuem Glanz wird in dieser Spielzeit gleich zu mehr Einsätzen kommen als in der Vergangenheit. Den neben den Männern wird auch die Damenmannschaft des SCR Altach/FFC Vorderland von dem rund 14 Meter langen Fahrzeug zu den Spielen in ganz Österreich chauffiert.
Vielleicht bringen die Superfans Glück und verleiten sowohl die Herren- als auch die Damenauswahl der Altacher zu mehr Toren und Punkten in den auswärtigen Stadien.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.