Sport

Austria siegt in emotionalem Flutlichtspiel

20.08.2021 • 23:11 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Mit seinem prächtigen Freistoß zum 2:1 entschie Muhammed Cham die Partie. Zudem war er Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Hausherren.  <span class="copyright">stiplovsek</span>
Mit seinem prächtigen Freistoß zum 2:1 entschie Muhammed Cham die Partie. Zudem war er Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Hausherren. stiplovsek

Die Grün-Weißen gewinnen das Westderby gegen Innsbruck mit 2:1.

Das ist wieder die alte Austria! Die Lustenauer gewinnen ein emotionales, hart umkämpftes Derby bei Fluchtlicht-Atmosphäre gegen Wacker Innsbruck. Weil die Grün-Weißen voller Leidenschaft mutig spielen und damit eben wieder jene alten Austria-Tugenden zeigen, die den Verein in seinen besten Jahren auszeichnete. Für die Entscheidung sorgt Muhammed Cham in der 48. Minute. Der Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Gastgeber verwandelt in der 48. Minute einen Freistoß direkt unter die rechte Kreuzecke. Was für ein Tor, was für ein Sieg!

Die Lebensversicherung der Austria Haris Tabakovic sorgte für den zwischenzeitlichen Ausgleich. <span class="copyright">GEPA</span>
Die Lebensversicherung der Austria Haris Tabakovic sorgte für den zwischenzeitlichen Ausgleich. GEPA

Turbulenter Beginn

Die Austria ging wie erwartet mit Haris Tabakovic in die Partie und auch Abwehrboss und Kapitän Matthias Maak war wieder in der Startelf. Tabakovic rückte natürlich für Jan Stefanon in die Sturmspitze, der wieder auf links spielte, Maak kam für den ohnehin verletzten Dragan Marceta ins Spiel und zentral feierte wie erwartet Adriel sein Debüt, er verdrängte Cem Türkmen auf die Bank.
Das Spitzenspiel nahm bei prächtiger Stimmung im Planet-Pure-Stadion sehr schnell Fahrt auf. In der 7. Minute schickte Muhammed Cham halblinks Stefanon steil, der 22-Jährige verpasste aber den Zeitpunkt für seinen Pass in die Mitte, wo Michael Cheukoua einschussbereit war und auch Tabakovic lauerte. So blieb sein Zuspiel hängen. Zwei Minuten später setzte Pius Grabher mit einem Tackling gegen Ex-Teamkollegen Ronivaldo ein Zeichen. Spätestens jetzt war klar: Die Austrianer brannten, waren gierig und bis unter die Haarspitzen motiviert. Sie attackierten früh und brachten eine gute Energie aufs Feld.
Über ihre linke Abwehrseite hatten die Grün-Weißen allerdings Probleme, was sich ein erstes Mal in der 10. Minute offenbarte, als Wackers Nummer 77 Soares mit einem einfachen Pass die Seite aufriss und Lukas Hupfauf freispielte. Der Hut brannte jetzt lichterloh, weil Austria-Goalie Domenik Schierl zu übermotiviert aus dem Tor kam. Wäre Hupfaufs Pass in den Rückraum zu Ronivaldo genauer gewesen, hätte der einstige Austria-Goalgetter ins verwaiste Tor zum 0:1 einschieben können. Wiederum nur vier Minuten später, in der Anfangsphase war mächtig was los, änderte ein Trikotzupfer der Gäste die komplette Spielarchitektur. Stefanon hätte nach einem herrlichen Zuspiel alleine aufs Tor ziehen können, als er von Wackers Innenverteidiger Stefan Hager von hinten umgerissen wurde. Klare Notbremse, klare Rote Karte für Hager.

Michael Cheukoua war kaum vom Ball zu trennen. <span class="copyright">stiplovsek</span>
Michael Cheukoua war kaum vom Ball zu trennen. stiplovsek

Fast wie Madjer

Gäste-Coach Daniel Bierofka stellte um, brachte für den offensiven Mittelfeldspieler Okan Aydin mit Stefan Pribanovic einen Innenverteidiger. Die Tiroler standen nun kompakter, die Intensität ließ etwas nach, bis die Partie in der 32. Minute erneut Schwung aufnahm. Und das mit einem Schockerlebnis für die Hausherren. Lustenaus defensiv nicht sattelfester Linksverteidiger Tobias Berger bekam keinen Zugriff, ließ Soares flanken. Dessen Hereingabe fand am zweiten Pfosten Raphael Galle – und der schob trocken zum 0:1 ein; weil auch Austrias anderer Außenverteidiger, Fabian Gmeiner, nicht aktiv genug war.
Doch schon zwei Minuten später zeigte Berger, was er in der Offensive alles drauf hat und bereitete mit einer Prachtflanke das 1:1 vor. Erzielt, natürlich, von Austrias Lebensversicherung Tabakovic, der die Hereingabe direkt mit dem Ansatz eines Seitfallziehers prächtig ins Tor wuchtete. In der 44. Minute hätte Tabakovic um ein Haar das Tor des Jahres erzielt. Der Schweizer lenkte aus vollem Lauf eine punktgenaue Gmeiner-Flanke mit der Hacke ganz knapp neben das Tor. Da wurden Erinnerungen an das legendäre Finaltor von Rabah Madjer wach.

Kapitän Matthias Maak musste in den Schlussminuten mit Gelb-Rot vom Platz. <span class="copyright">stiplovsek</span>
Kapitän Matthias Maak musste in den Schlussminuten mit Gelb-Rot vom Platz. stiplovsek

Abnützungskampf

Das 2:1 fiel dann zu Beginn der zweiten Halbzeit durch den herrlichen Cham-Freistoß. Danach entwickelte sich ein Abnützungskampf, bei dem die Mader-Elf manchmal nicht so recht wusste, was sie mit der Führung und der Überzahl anfangen sollte. Bisweilen ließen sich die Hausherren zu tief fallen, wie in der 73. Minute, als Marco Holz beinahe ausgeglichen hätte. Doch die Gastgeber verstanden es immer wieder, rauszuschieben, spielten jedoch ihre Konter unsauber. Auf beiden Seiten war längst die Linie verloren gegangen, das Spiel war nicht mehr hochklassig, aber ungemein spannend und intensiv.
Erst recht, als Maak in der 78. Minute mit Gelb-Rot vom Platz flog. Die ganz großen Torchancen gab es nicht mehr. Der Rest war vielmehr ein emotionales Flutlichtspiel der Marke Austria Lustenau – und am Ende feierten die Grün-Weißen den Derbysieg und die Verteidigung der Tabellenführung. Was für ein Abend!

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