Sport

Rugby in Vorarlberg startet neu durch

19.09.2021 • 08:53 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Den ersten Testlauf hatte Vorarlberg RUFC (in Schwarz) gegen Innsbruck. Für viele Spieler war es das erste Rugbyspiel überhaupt. <span class="copyright">stiplovsek</span>
Den ersten Testlauf hatte Vorarlberg RUFC (in Schwarz) gegen Innsbruck. Für viele Spieler war es das erste Rugbyspiel überhaupt. stiplovsek

Erstmals nimmt der Vorarlberg R.U.F.C. an offiziellem Ligabetrieb teil.

Es ist in jedem Fall als ein Meilenstein für den Rugbysport in Vorarlberg zu betrachten. Erstmals seit seiner Gründung im Jahre 2014 hat der einzige Rugbyverein in Vorarlberg seine Teilnahme an einem regulären Ligabetrieb fixiert. Vorarlberg Rugby Union Football Club wagt sich in die Verbandsliga Bayern Süd und tauscht damit Freundschaftsspiele und Hobbyturniere gegen einen offiziellen Bewerb ein.
Den Anstoß gab dabei die Coronapandemie beziehungsweise die Rückkehr auf den Trainingsplatz nach dem Lockdown. „Nach der Coronazeit waren die Leute beim Training unglaublich motiviert. Das Feuer war wieder da“, beschreibt es Stefan Langer, der im Verein für Marketing und Sponsoring verantwortlich zeichnet. Nach einem Training vor einigen Monaten wurde die Debatte angestoßen und innerhalb weniger Tage die Zustimmung von Spielern und Vereinsverantwortlichen eingeholt. Es wirkte als zusätzliche Motivationsspritze, und die Trainingsbeteiligung konnte in weiterer Folge von rund 10 Personen im Schnitt auf bis zu 20 Übungswillige erhöht werden. Der Kader besteht nun aus 32 Athleten, womit die eigene Zielvorgabe von zumindest 30 Personen erfüllt wurde. Ein Muss, braucht es doch beim Rugby Union mit 15 Feldspielern mehr Aktive als beispielsweise im Fußball, wobei noch zumindest sieben oder acht Auswechselspieler hinzukommen sollten.

Stefan Langer setzt sich gleich gegen zwei Verteidiger zur Wehr. <span class="copyright">stiplovsek</span>
Stefan Langer setzt sich gleich gegen zwei Verteidiger zur Wehr. stiplovsek

Erstes offizielles Bewerbsspiel

Eine Teilnahme innerhalb eines österreichischen Bewerbs stellte für das Vorarlberger Team hingegen keine Option dar. „Unser Durchschnittsalter ist im Moment circa 33 Jahre. Viele stehen mit Kind und Kegel mitten im Leben und können nicht jedes zweite Wochenende nach Wien fahren. Zudem ist es auch ein finanzielles Thema“, erläutert Langer die Beweggründe, für den offiziellen Spielbetrieb auf Süddeutschland auszuweichen.
Somit geht es nun gegen Teams aus Ravensburg, Ingolstadt oder München. Im ersten offiziellen Bewerbsspiel der Vereinsgeschichte ging es bereits gestern auswärts gegen FT Jahn Landsberg. Dabei feierten die Gäste einen deutlichen 40:22 Erfolg, nachdem bereits die Halbzeitführung mit 28:0 die Entscheidung über den Ausgang der Begegnung gebracht hatte. Für die Versuche des Ländle-Team zeichneten Kapitän Manuel Bollgrün, Benjamin Braun und Roman Engelbrecht jeweils gleich doppelt verantwortlich. Liam Kaufmann erhöhte durch fünf erfolgreiche Conversions.
Am kommenden Samstag erwartet die Ländle-Rugbyspieler dann der Heimspielauftakt, wobei auch der Kontrahent ESV Freimann St. Georges aus der bayerischen Landeshauptstadt als eine große Unbekannte gilt. Da sowohl die Liga als auch die anderen Teams komplettes Neuland darstellen, wird auch kein Tabellenplatz als Saisonziel ausgegeben. „Wir wollen eine gute Saison spielen, Spaß haben, Rugby genießen und unsere bes­te Leistung zeigen. Es wäre viel zu früh, ein fixes Saisonziel aufzustellen, bevor wir unsere Gegner gesehen haben“, formuliert es der 33-Jährige und ergänzt noch: „Wir wollen aus jedem Spiel das Beste herausholen, uns in der Liga festigen und Erfolgserlebnisse haben.“

Ohne Schützer stehen sich die Spieler gegenüber. <span class="copyright">stiplovsek</span>
Ohne Schützer stehen sich die Spieler gegenüber. stiplovsek

Fairness, Zusammenhalt und Ehre

Auch wenn es das Ergebnis nicht vermuten lässt, war das erste und einzige Vorbereitungsspiel dieser Saison schon ein Erfolg. Zwar ging die Heimpartie gegen Innsbruck mit 7:66 deutlich verloren, aber zum einen agieren die Tiroler in einer anderen Gewichtsklasse und sind eine eingespielte Einheit, und zum anderen sollte es für viele von Vorarlberg R.U.F.C der erste Testlauf überhaupt sein, womit die Automatismen noch nicht völlig greifen konnten. „Wir haben gesagt, das wir für die, die noch nie gespielt haben, unbedingt ein Sparring brauchen. Wir wollten ein Heimspiel daraus machen, damit auch die Familien der neuen Spieler sehen, dass niemand mit der Trage rausgetragen wird“, führt der Harder die eigentlichen Gründe für die Partie aus.
Denn auch wenn dem Rugby der Ruf eines brutalen Sports vorauseilt, sind es eigentlich andere Werte, die bei diesem Mannschaftssport im Vordergrund stehen. „Fairness, Zusammenhalt und Ehre sind im Rugby ganz entscheidende Aspekte. Im Vergleich zu anderen Sportarten wird nicht simuliert oder ein Foul begangen, um dem anderen zu schaden. Und das Wichtigste ist Respekt. Im Rugby wird man die wenigsten unfairen Aktionen sehen“, schildert der Fachmann. Bereits der ehemalige britische Premierminister Winston Churchill meinte einmal: „Rugby ist ein Spiel für Hooligans, das von Gentlemen gespielt wird.“ Dies soll die Wertigkeit von Attributen wie eben Fairness oder Respekt verdeutlichen.

Ein Gedränge kommt im Rugby häufiger vor. <span class="copyright">stiplovsek</span>
Ein Gedränge kommt im Rugby häufiger vor. stiplovsek

Keine Widerworte

Als ein weiteres Beispiel kann der Umgang mit dem Schiedsrichter dienen. Während Reklamationen und Diskussionen beispielsweise im Fußball zum Tagesgeschäft eines Unparteiischen zählen, gelten die Ausführungen des Spielanleiters im Rugby als Gesetz. Jegliche Widerworte erübrigen sich, die Entscheidung wird in jedem Fall akzeptiert und angenommen.
Ein mögliches Fehlverhalten eines Spielers auf dem Feld wird zudem häufig vom eigenen Mannschaftskapitän geahndet. „Wenn ich ein Fußballmatch der Champions League anschaue, wie die Spieler teilweise mit dem Schiedsrichter oder mit Gegenspielern reden, das gibt es bei uns nicht. Das ist bei uns verpönt, und ein guter Kapitän wird die eigenen Spieler zurechtweisen“, erklärt Langer. Zudem stellt die Entwicklung dieser Sportart immer mehr den Schutz vor Verletzungen der Spieler in den Fokus. Die Vollkontaktsport mag daher nur auf den ersten Blick als brutaler Sport gelten.

Der Verein Vorarlberg R.U.F.C. freut sich über neue Mitglieder. <span class="copyright">stiplovsek</span>
Der Verein Vorarlberg R.U.F.C. freut sich über neue Mitglieder. stiplovsek

Spieler immer erwünscht

Diesem Vorurteil hoffen die Rugbyspieler von Vorarlberg R.U.F.C. Abhilfe zu schaffen, um damit auch den Bekanntheitsgrad dieser Mannschaftssportart in Westöster­reich zu erhöhen. In weiterer Folge wird sich dann im Idealfall die Kadergröße der Kampfmannschaft sukzessive erhöhen. „Neue Spieler sind bei uns immer erwünscht. Bei uns ist jeder willkommen, egal ob groß oder klein, dick oder dünn. Bei uns gibt es keine Definition vom perfekten Spielerprofil“, stellt Langer daher klar. Irgendwann steht nämlich auch der Aufbau eines eigenen Nachwuchteams an. Der Eintritt in den offiziellen Ligabetrieb soll für den einzigen Rugbyverein in Vorarlberg nicht der letzte Meilenstein geblieben sein.

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