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Das Montafon wird WM im Jahr 2027

04.10.2021 • 23:05 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Das Montafon wird WM im Jahr 2027
Daumen hoch: VSV-Präsident Walter Hlebayna, Schruns-Bürgermeister Jürgen Kuster, Sportlandesrätin Martina Rüscher, SBX-Superstar Alessandro Hämmerle, Roman Kuss vom ÖSV, Thomas Amann vom Ski Club Montafon, Projektleiter Christian Speckle und Manuel Bitschnau von Montafon Tourismus. Klaus Hartinger

Das Montafon bewirbt sich für die FIS Freestyle Ski- & Snowboard-WM 2027. Der Zuschlag ist de facto sicher.

Im März 2027 wird fast zwei Wochen lang die Snowboard- und Ski-Freestyle-Weltelite im Rahmen der FIS-Weltmeisterschaft im Montafon zu Gast sein. Formal ist das zwar noch nicht spruchreif, weil die WM erst im Mai 2022 beim FIS-Kongress in Portugal vergeben wird. Doch dort müssen sich die Montafoner mit keinem Gegenkandidaten konkurrieren. Das bedeutet: Die Talschaft Montafon wird 2027 WM-Ausrichter. Schruns wird dann die Bühne für die Medaillenzeremonien sein. Am Grasjoch in St. Gallenkirch finden die Ski- und Snowboardcross-Bewerbe sowie die Slopestyle-Wettkämpfe statt, am Golm in Tschagguns werden die Buckelpisten-Bewerbe ausgetragen, Gargellen ist Austragungsort der alpinen Snowboardbewerbe. Am Fuße der Schanzenanlage in Tschagguns stehen mit Big Air und den Aerials zwei Disziplinen an.

Green Event
„Einzig die Halfpipe-Wettkämpfe werden nicht in Vorarl­berg stattfinden, aus ökologischen und ökonomischen Gründen steigen diese Entscheidungen im Tiroler Kühtai“, schildert WM-Mastermind Christian Speckle, der die Idee der WM-Bewerbung bereits seit 2016 vorangetrieben hat. In Kühtai finden die Halfpipe-Bewerbe deshalb statt, weil dort bereits eine Halfpipe-Anlage besteht; und der Bau einer solchen Anlage gut und gerne eine Million Euro gekostet hätte. Eine solche Investition passt nicht ins Leitbild der WM. Ein Motto ist zwar noch nicht fixiert, klar ist aber, dass die Investitionen nachhaltig sein werden und die WM als Green Event konzipiert ist. Also als Großveranstaltung, die ökologische, soziale, ökonomische und kulturelle Nachhaltigkeit berücksichtigt. Nun sind das große Schlagwörter, doch die Montafoner bewiesen bereits gestern in Schruns bei der Präsentation der Bewerbung, dass sie diese Vorsätze entschlossen umsetzen wollen. Zusammen mit dem ÖSV natürlich. Der Österreichische Skiverband hatte am 2. September bei der Präsidentenkonferenz einstimmig beschlossen, dass sich der ÖSV mit dem Montafon für die Ausrichtung der FIS Freestyle Ski & Snowboard Weltmeisterschaft 2027 bewirbt. Was am Freitag erfolgte, wie exklusiv von der NEUE berichtet.

Das Montafon wird WM im Jahr 2027
Alessandro “Izzi” Hämmerle hätte natürlich nichts dagegen, im März 2027 bei der Heim-WM den Sieg zu bejubeln, wie hier 2019 bei seinem zweiten Heimsieg im Montafon. GEPA/Lerch

Vorarlberg kann das

Für die Ausrichtung der insgesamt 29 Entscheidungen sind keine Erdbewegungen notwendig. Bewegt wird einzig Schnee beim Bau der Pisten, vor allem am Grasjoch, wo die Crossbewerbe stattfinden. Und wo, Stichwort Nachhaltigkeit, eine permanente Trainingsstrecke für Snowboard- und Skicross entstehen wird. 2025 soll die Strecke mit einer Länge von 1,4 Kilometern in Betrieb gehen, dann soll auch der Weltcup-Cross-Event vom Hochjoch auf das Grasjoch übersiedeln. SBX-Superstar Alessandro „Izzi“ Hämmerle ist selbstredend begeistert von der Aussicht, bald vor der Haustüre eine permanente Trainingsstrecke vorzufinden: „Das wird nicht nur meinen Trainingsalltag erheblich vereinfachen, sondern auch einen großen Effekt auf den Nachwuchs haben. Ich konnte als Kind auf einer kleinen Trainingsstätte in Gaschurn trainieren, das hat meine weitere Karriere maßgeblich beeinflusst.“
Das Land Vorarlberg steht voll hinter der Kandidatur, wie Sportlandesrätin Martina Rüscher bei der Präsentation der WM-Bewerbung erklärte: „Vorarlberg kann Großveranstaltungen ausrichten, wie das Mehrkampf-Meeting in Götzis, die Ausrichtungen der Weltgymnaestradas in den Jahren 2007 und 2019, die EYOF im Jahr 2015 oder die Weltcupbewerbe im Montafon beweisen. Und Vorarlberg will auch weiterhin Ausrichter von sportlichen Großveranstaltungen sein.“

Budget

Wenn das Montafon auch formal den Zuschlag erhält, wird sich das Land mit einer Million Euro am WM-Budget beteiligen, das ein Volumen von vier Millionen haben wird. Für die Errichtung der Trainingsstrecke stellt das Land zusätzlich per sofort 300.000 Euro zur Verfügung.
Eine Grundvoraussetzung war freilich auch, dass alle acht Montafoner Gemeindevertretungen der WM-Kandidatur zustimmten; somit steht auch die gesamte Talschaft für die Ausrichtung des Großevents ein. Jürgen Kuster, Bürgermeister von Schruns und Standesrepräsentant, erklärte stellvertretend für alle Montafoner Gemeinden stolz: „Wir können das und wir wollen das. Es ist kein rein touristisches Projekt, sondern der Sport steht im Mittelpunkt. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit den kompetenten Partnern anzupacken, die Montafoner Gemeinden stehen zu 200 Prozent hinter der Bewerbung.“
Thomas Amann vom Ski Club Montafon fügte an: „Wichtige Partner bei dem Großprojekt sind auch die Bergbahnen, alle ziehen an einem Strang.“ Manuel Bitschnau, Geschäftsführer von Montafon Tourismus, bringt die Dimension der bevorstehenden WM-Austragung auf den Punkt, bleibt dabei aber, sicher ist sicher, noch beim Konjunktiv: „Die Umsetzung der WM im Montafon wäre ein Meilenstein für unsere Talschaft. Ein Großevent in diesem Ausmaß unterstreicht wieder einmal die Wintersportkompetenz des Montafon.“
Ja, im März 2027 wird nahezu sicher fast zwei Wochen lang die Snowboard- und Ski-Freestyle-Weltelite im Montafon im Rahmen der FIS-Weltmeisterschaft zu Gast sein. Und das ist, mit Verlaub, einfach geil.