Sport

Braucht ÖFB-Team einen neuen Trainer?

17.10.2021 • 14:38 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Franco Foda
Franco Foda APA/ROBERT JAEGER

Foda zählt zu erfolgreichsten Trainern unserer Nationalmannschaft.

PRO von Roman Mählich

Carlo Ancelotti spricht in seinem Buch „Quiet Leadership“ davon, dass der Weg des Trainers eine Erfolgskurve ist. Bei ihm war es meist so, dass es nach einem Engagement zunächst um Stabilisierung geht. Dann kommen die Erfolge. Irgendwann aber flacht die Erfolgskurve ab. Und das ist meist der Zeitpunkt, wo sich das Engagement dann dem Ende zuneigt – Langzeittrainer, wie zu meiner Sturm-Zeit Ivica Osim, gibt es ja kaum noch. Tatsache ist, dass die Erfolgskurve beim ÖFB-Team nach unten geht. Es wird für alle Beteiligten schwer, den Turnaround noch zu schaffen, der Druck mancher Medien und auch der Fans ist enorm. Und das hat mit dem Namen Franco Foda nichts zu tun, das wäre bei jedem anderen Trainer genauso.

Ich nehme eine weitere Anleihe bei einem erfolgreichen Trainer: Ralf Rangnick etwa empfiehlt jedem Klub, oder analog jeder Nationalmannschaft, eine Art „Corporate Identity“ zu entwickeln. Also Antworten auf die Fragen zu haben: Wofür steht meine Mannschaft? Wie will sie Fußball spielen? Und genau diese zwei Antworten sehe ich im Team derzeit nicht – aber genau das wäre für mich wichtig. Für mich geht es dabei um Grundprinzipien. Das Team hat derzeit zum Beispiel offensichtlich ein Problem, gegen tief stehende und kompakt verteidigende Gegner Lösungen im Angriffsspiel zu finden. Wenn unsere Mannschaft Platz hat, funktioniert das ganz gut. Das Problem ist nur, dass die meisten Teams heute dem Gegner keinen mehr geben. Was es dann braucht, sind Automatismen, selbst für Stars von Real Madrid. Aber genau diese vermisse ich.

Was es braucht, ist aber nicht ein neuer Trainer allein. Denn die derzeitige Situation erinnert mich frappant an jene nach der Euro 2016 unter Marcel Koller. Auch da war die Qualifikation davor gut – und damals hatte das Team im Gegensatz zur Gegenwart einen Erkennungswert. Aber nach der Euro kam der Absturz. Trotz aller Beteuerungen, auch vom scheidenden ÖFB-Präsidenten Leo Windtner, aus der Situation lernen zu wollen, wurde genau das verabsäumt.

Was das heißt? Der ÖFB braucht einen Sportdirektor, der eine Linie vorgibt, der diese „Corporate Identity“ vorgibt, an die sich alle wie auch das „Flaggschiff“ A-Team halten. Was also wichtig ist: Einfach den Trainer auszutauschen und ihm die Schuld zu geben, wäre zu wenig. Österreich braucht eine Idee und ein Konzept – und dann den Trainer, der diesen Weg vorangeht. Und Österreich braucht Ideen, wie man die Kurve, die das Team nun jedes Mal nach einer Euro genommen hat, künftig beeinflussen kann.

KONTRA von Michael Lorber

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